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Erste Fischaufstiegsanlage des Ruhrverbandes im Sauerland errichtet

05.10.2012 | 11:00 Uhr
Erste Fischaufstiegsanlage des Ruhrverbandes im Sauerland errichtet
Wolfgang Klein (Planungsbüro) und Markus Kühlmann (Fischerei-Sachverständiger) an der Fischaufstiegsanlage an der Brabecke l.Foto: Ute Tolksdorf

Westernbödefeld.  Für Bachforelle, Neunauge und Koppe gibt es nun kein Halten mehr. Am Fassungsbauwerk Brabecke - direkt hinter Westernbödefeld - hat der Ruhrverband eine Fischaufstiegsanlage errichtet und so den Weg zwischen der Brabecke und der Ruhr bei Bestwig frei gemacht. Es ist die erste Anlage des Ruhrverbandes im Sauerland. Kosten: 150 000 Euro - rund 100 000 Euro davon wird über Fördergelder refinanziert.

Am Fassungsbauwerk entnimmt der Ruhrverband Wasser aus der Brabecke, führt es über ein Leitungssystem aus Stollen und ausgebauten Bachläufen in die Hennetalsperre. „Mit dem zusätzlichen Wasser können wir die Leistungsfähigkeit der Talsperre erhöhen“, erläutert Christof Sommer, Betriebsleiter der Hennetalsperre. Dieses durchaus positive Ergebnis hatte für die Fische in der Brabecke aber einen Nachteil: Das Fassungsbauwerk war für sie ein unüberwindbares Hindernis.

Und dabei ist das Wandern für viele Fisch- und Insektenarten lebenswichtig. „So erreichen sie Laichgebiete und erschließen sich neue Lebensräume, wenn es an anderen Stellen eng wird“, erläutert Markus Kühlmann, Fischereisachverständiger des Ruhrverbandes.

Jetzt geht es in Westernbödefeld wieder weiter. Doch dafür müssen die Fische die Anlage finden, und die Aufstiegshilfe muss ihren Bedürfnissen möglichst optimal entsprechen. Daher ist der Bau einer Fischaufstiegsanlage eine Wissenschaft für sich, wie Wolfgang Klein vom Warsteiner Planungsbüro und Markus Kühlmann betonen: „Fische schwimmen klassischerweise gegen den Strom, würden sich aber nie auf Durchgänge einlassen, die sie nicht beherrschen können“ erläutert Kühlmann. Auch die Fischaufstiegsanlage an der Brabecke dürfe daher „keine unkontrollierte Achterbahnfahrt“ sein, müsse Ruhezonen bieten, Tiefen und Strömung beachten .

Fischbestand im Sauerland schwankt

Im Regierungsbezirk Arnsberg, im Gebiet der mittleren und oberen Ruhr, gibt es 30 Queranlagen. „22 sind bereits umgebaut oder in Planung“, erläuterte Wolfgang Klein. Insgesamt schwanke der Fischbestand im Sauerland zwischen „traurig bis gut“. Gut sei zum Beispiel die Schmalenau bei Arnsberg, die mit ihrem Artenreichtum sogar als Referenzgewässer für Mittelgebirgs-Auebäche gilt.

Beide wissen auch, dass die Kosten für Fischaufstiegsanlagen durchaus umstritten sind. Im Freundeskreis müssen sie sich schon mal für ihren Einsatz rechtfertigen. „Natürlich ist das nicht so wichtig wie ein warmes Mittagessen für alle Kinder“, sagt Kühlmann, „aber unsere Gewässer sind unsere Lebensadern.“ In der Ökologie greife ein Rädchen ins andere. „Wer das langfristig ignoriert, steuert auf eine Katastrophe zu.“ Und Klein ergänzt: „Jeden Tag werden in Deutschland rund 115 Hektar Fläche versiegelt, das sind 115 Fußballfelder.“ Der Natur wieder mehr Raum zu geben sei deshalb zwar nur ein kleiner, aber wertvoller Baustein für die Zukunft.

Ute Tolksdorf



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