Ernährungsberaterin: „Diäten helfen langfristig nicht“

Ein Übergewichtiger sitzt auf einer Steinbank. Jeder Vierte ist hierzulande mittlerweile betroffen.
Ein Übergewichtiger sitzt auf einer Steinbank. Jeder Vierte ist hierzulande mittlerweile betroffen.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Fettleibigkeit wird ein immer größeres Problem. In den letzten 20 Jahren hat sich die Zahl der Betroffenen verdoppelt. Doch es gibt Hilfe.

Meschede.. Heute ist fast jeder vierte Deutsche krankhaft übergewichtig. Das Gesundheitssystem wird dadurch vor nie da gewesene Herausforderungen gestellt. Ob jemand zu dick oder zu dünn ist, wird mit dem Bodymassindex ermittelt. Leichtes bis mittleres Übergewicht hat ein Erwachsener, wenn er einen BMI zwischen 25 und 29 hat. Als adipös gilt, wessen BMI größer als 30 ist.

„Bei Kindern und Jugendlichen ist das anders. Zwar berechnet man auch ihren BMI, muss dann aber in Tabellen alters- und geschlechtsabhängig den Stand des Gewichts bestimmen - in so genannten Perzentilen“, erklärt Angelika Hillebrand, Ernährungsberaterin bei der AOK.

Immer mehr Kinder zu schwer

Sie weiß: „Unterhalb der 10. Perzentile wird von Untergewicht gesprochen. Ab der 90. von Übergewicht und ab der 97. von Adipositas.“ Und übergewichtige Kinder gibt es heute immer mehr. Sechs Prozent der Kinder in Deutschland sind betroffen. „Dass immer mehr Menschen ein zu hohes Gewicht haben, liegt zum einen an der fehlenden Bewegung. Wir haben häufig die Essgewohnheiten von früher beibehalten, aber die Bewegung ist deutlich weniger geworden“, sagt Hillebrand.

Zum Beispiel fährt man heute häufiger mit dem Auto und hat viele Hilfsmittel im Haushalt, die den früheren Körpereinsatz überflüssig machen. „Zudem wird die Auswahl an Lebensmitteln immer größer und es gibt eine Unzahl an Fertig- oder Halbfertiggerichten, die in der Regel immer fett- und kalorienhaltiger sind als selbst gekochtes. Außerdem nehmen wir vermehrt Fast Food zu uns und gehen zum Beispiel schon morgens vor Arbeit oder Schule oder aber mittags beim Bäcker vorbei und holen uns schnell ein belegtes Brötchen oder einen anderen Fertig-Snack. Das sind gut mal eben etwa 400 bis 500 kcal“, urteilt Hillebrand über die heutigen Ernährungsgewohnheiten.

Die gesundheitlichen Risiken von Übergewicht sind ihrer Ansicht nach nicht zu unterschätzen, denn das Risiko an ernährungsbedingten Krankheiten zu erkranken steige mit dem Gewicht. „Insbesondere dann, wenn eine erbliche Vorbelastung vorhanden ist. Risikoerkrankungen sind unter anderem Bluthochdruck, Diabetes, Fettleber, Gicht und Erhöhung der Blutfettwerte“, zählt Hillebrand auf. Auch das Risiko für Schlaganfälle steigt. Und neben den Gelenken, die zu stark belastet werden, drückt die eingeschränkte Lebensweise auch oft auf die Lebensfreude.

Ernährungspyramide

Übergewicht wieder loszuwerden ist übrigens nicht so einfach, wie nur ein paar Kilos abzuspecken, um wieder in die Lieblingsjeans zu passen. Aber es ist möglich und Unterstützung aus dem Gesundheitssystem ist vorhanden.

„Um Übergewicht abzubauen, muss man seine Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten überdenken. Man muss das Umstellen, was man auch für immer beibehalten kann. Es gilt weniger fetthaltige und süße Lebensmittel, insbesondere auch Getränke, zu sich zu nehmen. Als Grundlage für eine gesunde Ernährung gilt der Lebensmittelkreis der DGE oder die Ernährungspyramide des AID. Diäten helfen langfristig nicht, das Gewicht dauerhaft zu reduzieren“, weiß Hillebrand.