Eisheilige sorgen für Kälteeinbrüche

Wahrscheinlich werden im Himmel die Heiligen Pankratius (12. Mai), Servatius (13. Mai) und Bonifatius (14. Mai) verdutzt beim Wettermacher St. Petrus angefragt haben, warum die irdischen Wetterfrösche sich in diesen Tagen an ihre Namen erinnern und sie „Eisheilige“ nennen.


Auch Nichtchristen sind die „Eisheiligen“ ein Begriff. Selbst denen, die mit Heiligen wenig anfangen können. Mit Eis und Schnee haben diese Heiligen nichts zu tun. Aber an ihren Gedenktagen ist das Wetter in den nördlichen Regionen Europas oft unbestimmt. In der Mitte des Monats Mai gibt es nach den ersten warmen Tagen häufig Kälteeinbrüche. Kalte Atlantikluft polaren Ursprungs kann sogar Nachtfröste bringen. Einer Baumblüte haben die Eisheiligen schon hin und wieder hart zugesetzt. Fallende Temperaturen, o ja, das kennen wir auch im Zusammenleben der Menschen. Manchmal kommen sie ganz unerwartet mitten im Alltag: Nachtfröste und Kälteeinbrüche. Da lebe ich in einer freundschaftlich tragenden Beziehung, und in einer brenzligen Situation wünsche ich mir die Nähe dieses guten Bekannten - doch der zeigt die kalte Schulter.


Oder mitten in einem Gespräch fällt ein unbedachter Satz. Eine Behauptung steht im Raum. Sie lässt einen frösteln. Da ist so wenig Mitgefühl, so wenig Barmherzigkeit. Da kann das Gespräch erstarren. Es wäre eine merkwürdige Natur, in der alles genormt und nivelliert wäre. Es gibt halt nicht nur sonnige Zeiten, und wir werden nicht immer von der Warmluft der Sympathie getragen. Da kann es helfen, ein liebevolles Lächeln durchzuhalten, auch wenn in den Beziehungen derber Frost alles zu zerstören droht.


So können Herzen auftauen. Genauso wie es die Sonne macht, die dann oftmals an den Tagen der Eisheiligen aufsteigt und die Frühlingsblüher wieder aufrichtet.
Pastor Wolfgang Brieden, Eslohe