Einkaufsbeutel fürs grüne Gewissen

Angela Schmitz aus Arpe verteilt Taschen in Schmallenberger Geschäften.
Angela Schmitz aus Arpe verteilt Taschen in Schmallenberger Geschäften.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Rentnerin Angela Schmitz aus Arpe näht Baumwolltaschen und verschenkt sie in Geschäften, um so den Plastikmüll zu reduzieren.

Arpe..  Gegen Müllberge aus Plastiktaschen kämpft Angela Schmitz aus Arpe. Ihr Hobby, das Nähen von Patchwork-Artikeln, hat sich im Jahr 2010 in eine Aufgabe mit ethischen Grundsätzen verwandelt. Seitdem fertigt die 75-jährige Rentnerin an ihrer Gewerbe-Nähmaschine Tragetaschen aus Baumwolle an, um sie zu verschenken. Zuerst nur an Freunde und Bekannte, dann aber auch an Fremde in Supermärkten, die sich davor bewahren möchte, mit dem Kauf von Plastiktüten die Müllberge zu vergrößern.

Überraschend geräumig

„Es fing an mit einem Zeitungsartikel über eine britische Frau, die am Strand viele an Plastiktüten verendete Tiere gefunden und darauf hin begonnen hat, Taschen zu nähen und zu verschenken“, sagt Angela Schmitz. „Dabei handelt es sich um sogenannte ,morsbags’. Da dachte ich mir, das kann ich auch.“

Daraufhin habe sie ihre alten Stoffe durchforstet und aus alten Laken, Bettbezügen und Kopfkissen Tragetaschen genäht. Dazu fertigte sie ein Schreiben an, das ihre Mission erklärt und legte es jeder Tasche bei. „Ich bin in Arpe in vielen Kreisen und habe dort nach und nach allen eine Tasche geschenkt. Alle waren begeistert“, sagt Schmitz. Denn die Taschen hätten ein so gutes Maß, dass alle Benutzer überrascht seien. „Alle sagen immer, es ist erstaunlich, wie viel da rein passt“, so Schmitz.

Schulen beteiligen sich

Wenn Schmitz ihre Taschen an den Kassen der Supermärkte Menschen anbietet, fallen die Reaktionen sehr unterschiedlich aus. „Oft möchten die Leute die Tasche nicht annehmen, weil sie sagen, sie hätten ja selber viele Taschen zuhause. Dann sage ich ihnen immer, zuhause nützen sie nichts. Die meisten nehmen dann eine Tasche“, sagt Schmitz und lacht.

Ihre Stofftaschen und die dazugehörige Botschaft haben sich schnell verbreitet. Eine engagierte Arnsbergerin hat eine große Aktion veranstaltet, zu der alle eingeladen waren, eigene Taschen zu nähen.

Angela Schmitz war vor Ort und half mit. Auch aus Soest und Eslohe kamen Anfragen. Aus Eslohe wollte eine Schule bei der umweltschonenden Aktion mitmachen und im Unterricht selber Taschen nähen. Schmitz findet das gut. „Es kann nur funktionieren, wenn alle mithelfen. Es ist wichtig, Kindern schon früh eine Verantwortung für die Umwelt näherzubringen“, erklärt sie.

In Schmallenberg und Umgebung seien die Menschen heute schon sehr umweltbewusst. Nur selten müsse sie an der Kasse Kunden eine ihrer Taschen anbieten. „Die meisten Leute, die hier einkaufen gehen, haben selber Taschen oder Körbe dabei. In den Großstädten ist das anders“, sagt Schmitz.

Während einer kurzen Kaffeepause in einem Dortmunder Geschäft habe sie rund 50 Einkäufer dabei beobachten können, wie sie selbst für eine Flasche nach einer Plastiktüte griffen. „Leider hatte ich keine meiner Taschen dabei“, bedauert sie. „Da wäre ich bestimmt viele losgeworden.“

Durch die jahrelange Übung und ihre schnelle Gewerbe-Nähmaschine braucht Angela Schmitz für die Herstellung einer Tasche nur etwa 15 Minuten. Mit Stoffen wird sie von Bekannten und Fremden versorgt, die ihre guten Taten unterstützen wollen. „Ich bekomme oft ausrangierte Laken, Tücher und Vorhänge geschenkt. Wichtig ist nur, dass sie aus Baumwolle sind. Das ist besser für die Herstellung“, so Schmitz.

Kampf gegen Plastik

Schmitz ist immer gerne bereit, Informationen an Interessierte zu verteilen. Auch Schulen, die im Rahmen eines Workshops Taschen nähen wollen, möchte sie gerne unterstützen.

„Wenn man bedenkt, dass die Plastiktüten auf der Welt reichen würden, um diese sechs Mal zu umwickeln, dann wird es doch wirklich Zeit, dagegen was zu tun“, sagt Schmitz.