Einkaufen in Meschede für Ortsfremde

Wenn man sich denn auskennen würde...
Wenn man sich denn auskennen würde...
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Heimischer Einzelhandel statt Online-Kaufhaus: Volontär wird zum Shoppen geschickt.

Meschede..  Die Mescheder tragen offenbar gerne Kleidung, essen gern Brot und lesen gern Bücher. Diese völlig ungewöhnliche Annahme legt jedenfalls ein Gang durch die Innenstadt nahe: Bekleidungsgeschäft neben Bäckerei neben Bekleidungsgeschäft neben Buchladen neben Bekleidungsgeschäft. Als Buiterling kenne ich mich in der Einkaufsstadt Meschede nicht aus – deswegen schickt die Redaktion mich als Ortsfremden mit einer Einkaufsliste los. Soviel vorab: Ist alles zu bekommen. Ich weiß nur nicht, wo.

S wie Schlafanzug: Selbst ich, der ich noch nie einen Schlafanzug gekauft habe, sollte fündig werden. Das Problem ist angesichts der Auswahl-Fülle: Wo? Ich entscheide mich für Heide. Dort gibt es Schlafanzüge; lange, kurze, türkise, beige, rot-blau-gestreifte, geknöpfte und überziehbare, aus Flanell und diesem seidenartigen Stoff. Die nette Bedienung legt mir mehrere Varianten raus, ich gebe vor, ein Geschenk für einen Freund meiner Größe und Statur kaufen zu wollen. Allzu durchschaubar. Ein rotes Oberteil mit dunkelblauer Hose wäre es geworden, von Schiesser. „Eigentlich egal, was man im Bett trägt oder?“, sage ich zur Bedienung. „Das sagen Sie“, entgegnet sie grinsend.

F wie Fußball: Ab zu Gödde. Im Untergeschoss gibt es Fußbälle in Hülle und Fülle. Die Championsleague-Final-Edition von Adidas ist recht neu, das Exemplar der Hausmarke etwas günstiger. Wenn ich den Ball als Geschenk für meinen kleinen Neffen suchen würde, wäre der schwarz-silberne richtig, sieht fetzig aus. Es gibt auch kleinere Kinderbälle oder solche, die extra für Kunst- (HG) oder Echtrasen (FG) geeignet sind. „Vielleicht ein Gutschein?“, empfiehlt die Verkäuferin. Hinsichtlich Marke oder Farbe würde ich da jedenfalls nicht falsch machen.

S wie Schälmesser: Kreuz und quer durch die Innenstadt, kein Geschäft, das aussieht, als ob es Haushaltswaren führt. Haus der Handarbeit vielleicht? Ich schöpfe Hoffnung „Stoffe, Stoffe, Stoffe“, wirbt das Türschild. Kartoffeln schälen zählt wohl eher nicht zum Handarbeiten. Mehr Glück bei „Unterwegs“, die Artikel für „Outdoor, Freizeit und Jagd“ führen? Dort gibt es Messer, aber was einen Hirsch zerwirkt, ist nicht automatisch gut, um eine Zwiebel zu pellen. Idee: Der Wochenmarkt! Auf dem Stiftsplatz führt ein Händler Waren des täglichen Bedarfs. Apfelentkerner, Spargelschäler, Sparschäler – Schälmesser. In allen Formen und Farben. Zwei Euro für eins mit Holzgriff.

G wie Geschenk: Etwas Besonderes sollte es sein, praktisch oder schön oder sogar beides – Ha! Der Klosterladen der Abtei Königsmünster. Selbstgebackenes Brot, ein Brieföffner aus geschmiedetem Damaststahl oder ein schlichtes Metallkreuz, vielleicht als Briefbeschwerer. Wie ich finde, allemal ein aussagekräftigeres Geschenk als der übliche 08/15-Nippes – Handarbeit aus Meschede, Einzelstück, von Benediktinermönchen geschmiedet. Das hat seinen Preis, ist aber nicht so teuer, wie man vielleicht denken könnte. 29,95 Euro für ein elegantes, schlichtes Kreuz. Als Wandschmuck, für meine Großmutter beispielsweise, finde ich nicht zu viel.

W wie Wecker: Mich aus dem Schlaf zu reißen, erledigt – leider – zuverlässig mein Handy. Obwohl, in letzter Zeit... Egal. Für Elektroartikel ist EP Kramer am Kreishaus erste Wahl. Und richtig: Verschiedenste Funk-, Radio- und Digital- und Analogwecker. Die Radiowecker von Grundig hätten eine gute Tonqualität, erklärt der Verkäufer; andere projizieren die Uhrzeit an die Zimmerdecke oder stehen aufrecht. Für die, die kaum Platz auf dem Nachttisch haben. Aber die kippen auch schnell um, wenn man schlaftrunken neben dem Kopf herumhaut, um das nervige Ding auszuschalten. Ich entscheide mich für ein elegantes Exemplar von Philips. Der kann wecken. Ob die Soundqualität gut ist, ist mir völlig egal, wenn mich das Ding aus den Träumen holt. Qualität kommt da nämlich von Quälen.