Einheitliche Öffnungszeit im Gespräch

Zum Tagesabschluss gehörte hier ein Weizen dazu: Nach dem Einkauf den Tag noch in den Kneipen gemütlich ausklingen zu lassen, das war erklärter Wunsch beim ersten Heimat-Shopper-Abend.
Zum Tagesabschluss gehörte hier ein Weizen dazu: Nach dem Einkauf den Tag noch in den Kneipen gemütlich ausklingen zu lassen, das war erklärter Wunsch beim ersten Heimat-Shopper-Abend.
Foto: Jürgen Kortmann
Was wir bereits wissen
Zur Premiere kamen die Kunden noch nicht in Scharen. Dennoch war der erste „Heimat-Shopper-Abend“ in Meschede ein gelungener Versuch. Über zwei Drittel der Geschäfte machten mich.

Meschede..  Sie kamen noch nicht in Scharen, die Besucher bei der Premiere des „Heimat-Shopper-Abends“, aber dennoch: Der Versuch, mit einer zusätzlichen Veranstaltung und verlängerten Ladenöffnungszeiten bis 21 Uhr mehr Kunden in die Innenstadt zu locken, macht Mut. Denn die Beteiligung der Geschäftsleute war überraschend groß – mehr als zwei Drittel ließen sich auf das Experiment ein.

Darunter auch viele Filialisten, die in der Vergangenheit oft gescholten wurden, weil sie sich für Aktionen verweigerten. Absagen gab es von Bäckern und Metzgern.

Wunsch der Bürger entgegenkommen

Mit ihrer Aktion haben Stadtmarketing und Werbegemeinschaft beweisen können, dass sich Ziele gemeinsam umsetzen lassen. Offenbar wollen die Geschäftsleute stärker an einem Strang ziehen. Andre Wiese, Vorsitzender der Werbegemeinschaft, wird diesen Schwung nutzen: Er wird 2016 einen neuen Anlauf nehmen, um einheitliche Kernöffnungszeiten für Meschede einzuführen – zum Beispiel 9 bis 19 Uhr oder 10 bis 18.30 Uhr. Bisher gibt es ein Nebeneinander von unterschiedlichsten Zeiten. „Die Bereitschaft ist da“, fasst er die Stimmung unter den Kaufleuten zusammen. Christina Henke, Geschäftsführerin des Stadtmarketings, unterstützt den Plan ausdrücklich: „Wer einmal vor einer geschlossenen Tür gestanden hat, der kommt so schnell nicht wieder.“ Einheitliche Öffnungszeiten kämen für sie auch den Wünschen der arbeitenden Bevölkerung entgegen – viele würden eben bis 18 Uhr arbeiten und hätten gern Läden, die länger offen wären.

„Brötchentaste“ beim Parken?

Einfügen sollen sich die Öffnungszeiten in den Veränderungsprozess im Bereich der Fußgängerzone – inklusive eines denkbaren Umbaus. Gerade haben sich Eigentümer, Mieter und Stadt dazu getroffen. Ein Umbau der Fußgängerzone würde jeden Eigentümer zwischen 15 bis 20 000 Euro kosten. Eine Veränderung bei den Öffnungszeiten würde Andre Wiese deshalb als Beitrag der Geschäftsleute, also der Ladenmieter, zu dem Prozess sehen. Auch die Stadt als dritte Partei ist bereit, sich zu engagieren: Sie will zum Beispiel prüfen, ob eine „Brötchentaste“ beim Parken möglich ist – damit würde für einen kurzen Zeitraum ein kostenloses Parken während des kleinen Einkaufs möglich.

Der „Heimat-Shopper-Abend“ ist Teil der neuen Kampagne, verstärkt auf Einkaufsangebote vor Ort aufmerksam zu machen – verbunden mit sympathischer Werbung: Rosen und Luftballone für die Besucher, Musik, Sonnenliegen zum Verweilen. „Ich sehe das als Werbeaktion“, meinte Wiese. Ziel, so Christina Henke, ist es, „die Innenstadt als Erlebnis wahrzunehmen“: „Wir wollen ein gutes Gefühl vermitteln.“ Dafür werden auch die Stellschrauben der nächsten Aktionen leicht verändert. So soll beim „Bürgerfest“, bei dem die Äpfel im Rahmenprogramm im Mittelpunkt standen, ein Hauch des in der Vergangenheit so beliebten Weinfestes zurückkehren – Motto „Traube trifft Apfel“.

Auch Gewerbegebiet engagiert sich

Komplett dabei, wie an verkaufsoffenen Sonntagen, waren die drei Magnet-Betriebe im Gewerbegebiet Enste: Möbel Knappstein, Hagebau und das Sporthaus Pilz. „Einen Versuch ist es wert“, meinte Volker Pilz: „Wir lassen das auf uns zukommen.“

Nicht mitgemacht hat zum Beispiel Wilhelm Heide, Inhaber des Modehauses: „Das erhöht nur die Kosten.“ Das sei auch dem Personal nicht zuzumuten. 14 Jahre lang habe er donnerstags länger geöffnet – erst bis 21, dann bis 20, zuletzt bis 19 Uhr. „Das hat sich nie gerechnet“, sagt er. Statt längerer Öffnungszeiten hätte er lieber eine kundenfreundlichere Stadt: Warum zum Beispiel, fragt er, würden die Politessen samstags noch kurz vor Mittag Knöllchen verteilen? Und warum sei die Tiefgarage gestern zum Parken nicht geöffnet gewesen? „Die gehört doch uns allen.“