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„Eine normale Fete kriegen wir überall“

24.01.2015 | 00:11 Uhr

Oberkirchen. Schützenvereine müssen sich heute die Frage stellen, ob sie noch zeitgemäß sind und wie sie angesichts des demografischen Wandels ihre Mitgliederzahlen stabil halten können. Die Schützengesellschaft Oberkirchen sieht dabei ihre Nische im Altbewährten. Vor dem ersten Winterball am heutigen Samstag erklärt der Vorsitzende Thorsten Lingemann, wie er und sein Vorstand den Verein zukunftsfähig aufstellen.

Frage: Warum der Winterball?

Thorsten Lingemann: Um unseren Mitgliedern die Zeit bis zum nächsten Schützenfest zu verkürzen. Viele können es kaum erwarten, das hören wir häufig. Der Winterball soll die Saison nicht in die kalte Jahreszeit ausdehnen – es gibt zum Beispiel kein Vogelschießen. Aber der Ablauf ist angelehnt an das Schützenfest im Sommer: Die Halle ist geschmückt, das Königspaar marschiert mit Hofstaat ein, es gibt ein einstündiges Konzert des Musikvereins „Eintracht“ Olsberg, Essen vom Buffet und anschließend Thekenbetrieb und Tanz mit dem Musikverein Olsberg.

Richtet sich der Ball also eher an ältere Mitglieder?

Ein wenig schon, aber unsere Jugendlichen freuen sich genauso darauf, wir wollen sie keineswegs außen vor lassen. Auf sie können wir gerade bauen. Sie sagen: Eine normale Fete kriege ich überall. Wir haben nicht einfach nur eine Band, die zum Tanz aufspielt, sondern eine 55-köpfige Kapelle – die auch moderne Stücke spielt. Vielleicht wird etwas Dauerhaftes aus dem Ball.

Manche Vereine setzen auf die Jugend und geben viel dafür auf.

Dann besteht das Risiko, dass die Älteren sagen: „Vergesst uns nicht“. Wir sehen unsere Nische deshalb eher in der Tradition: Es soll sich gar nicht viel verändern. Dahinter stehen auch unsere jugendlichen Mitglieder.

Fragen andere Vereine schon nach Ihrem Geheimrezept?

Nein, das muss wachsen. Mein Vorgänger Jo Feldmann hat mir nach 19 Jahren vor zwei Jahren einen hervorragend geführten Verein mit einem klasse Vorstandsteam aus Jung und Alt übergeben. Es muss jeder seine Nische finden. Wir sind sehr zufrieden, wir hatten im vergangenen Jahr so viele Neuaufnahmen wie noch nie, davon der Großteil Jugendliche. Dass wir beispielsweise den Schützenfest-Montag nicht abschaffen, heißt aber nicht, dass das für einen anderen Verein nicht sinnvoll sein kann. Man kann nicht aus 20 Schützenfesten das Beste herauspicken und glauben, dass es dann passt. Gerade die Unterschiede der einzelnen Vereine machen ja die Saison von Mai bis August spannend.

Also bleibt alles beim Alten?

Wir wollen unseren Markenkern nicht aufgeben, sondern bleiben wie wir sind. Wir feiern das Schützenfest wie seit 187 Jahren, das müssen wir eigentlich nur pflegen. Eine sehr komfortable Situation. Änderungen bringen vielleicht kurzfristig Erfolg, aber nicht auf die Dauer. Wie gesagt: Das gilt für uns. In Obersorpe, dem kleinsten Verein im Sauerland, gab es einen Terminwechsel: Das Fest wurde gestrafft und sie sind mit ihrem neuen Konzept dort sehr zufrieden. Der Umsatz ging deutlich nach oben. Ein uriges Schützenfest und echter Geheimtipp.

Jugend steht für Veränderung. Wie erklären Sie sich das Interesse ander Tradition?

Das kann ich auch nicht richtig erklären. Die Jugend wächst in den Verein hinein. Und jeder Schütze, ob frisch dabei oder seit 50 Jahren Mitglied, hat den gleichen Stellenwert. Dieses Zusammenspiel funktioniert super, jeder fiebert auf das Schützenfest hin, die Jungs sind stolz wie Hupe wenn sie ihren ersten Schützenhut bekommen. Ich habe es erlebt, dass Jungschützen im Festzug von ihren Altersgenossen belächelt wurden. Bei uns ist es genau andersherum. Ein gutes Gefühl.

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