Ein Kniegelenk wie ein Maßanzug

Meschede..  Das St.-Walburga-Krankenhaus implantiert individuelle Prothesen für Arthrose-Patienten und sorgt so für mehr Versorgungsqualität: Kürzere Reha-Zeiten, weitgehender Knochenerhalt und weniger Probleme im Alltag seien deutliche Vorteile gegenüber den bisher weit verbreiteten Standardprothesen, teilt die Klinik mit.

Millionen Menschen weltweit leiden unter der Volkskrankheit Arthrose, vor allem die Kniegelenke sind von dem Verschleiß betroffen. Die Folge: Dauernde Schmerzen, zunehmende Einschränkung der Beweglichkeit oder verringerte Gehfähigkeit. Oft sind die Beschwerden nur durch ein künstliches Gelenk zu lindern.

Neben den etablierten Standard-Prothesen werden Implantate mittlerweile individuell an den jeweiligen Patienten und dessen anatomische Besonderheiten angepasst. die unfallchirurgische-orthopädische Abteilung unter Chefarzt Dr. Detlef Drüppel praktiziert dieses Verfahren.

Belastbarer und beweglicher

„Es handelt sich gewissermaßen um einen perfekt geschneiderten Maßanzug“, sagt Drüppel. Die Vorteile für den Betroffenen seien vielfältig: Der Knochen werde weitgehend erhalten, günstig für die Genesung, so Oberarzt Dr. Andreas Stratmann. Die exakt passende Prothese verringere außerdem das Risiko postoperativer Probleme, so die Mediziner. Gerade bei außergewöhnlich großen Menschen oder Patienten mit besonderer Knochenform habe sich das Verfahren bewährt.

Unterm Strich seien Belastbarkeit und Beweglichkeit des erneuerten Gelenks höher als beim „Standardverfahren“. Deshalb werden die Individualprothesen bei jungen Patienten mit sportlichen Ambitionen gewählt. Ein weiterer Einsatzbereich seien Knochenbrüche oder bei Osteoporoseerkrankungen. Die passgenauen künstlichen Gelenke gewährleisten eine bestmögliche und stabile Absicherung des Knochengerüsts, so die Ärzte.

Schonende OP-Techniken

Für Patienten heißt das: Zunächst werden mehrere Computertomographie-Aufnahmen der Beinpartie angefertigt. Aus diesen CT-Daten generiert eine hochmoderne Software eine dreidimensionale Vorlage, die wiederum als Muster für das eigentliche, fein abgestimmte Implantat-Modell dient. Ein US-Unternehmen fertigt die Prothesen an, was etwa vier bis sechs Wochen dauert. Mit schonenden Operationstechniken setzten die Chirurgen der Klinik am Schederweg das künstliche Gelenk ein. Drüppel und Hartmann warnen allerdings: Bei starken Fehlstellungen ist das angepasste Verfahren ungeeignet. Grundsätzlich könne die Art der Implantation letztlich nicht pauschal festgelegt werden – die Standardvariante kann im Einzelfall durchaus von Vorteil sein.