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Stadtentwicklung

Ein echtes Sorgenkind direkt an der Ruhr

04.10.2012 | 11:00 Uhr
Ein echtes Sorgenkind direkt an der Ruhr

Meschede. Der SPD-Fraktionsvorsitzender Reinhard Schmidt nahm es ironisch. „Machen Sie es, viel Spaß!“, wünschte er den Verantwortlichen im Rathaus. Die nämlich bekamen im Ausschuss für Stadtentwicklung eine einstimmige Mehrheit dafür, dass sie sich eines echten Sorgenkindes annehmen können: Die Frage, was soll aus der hässlichen Lücke an der Ruhr werden, gegenüber vom Rathaus.

Rattenschwanz

Es geht um die Rückseite der Le-Puy-Straße, zwischen Coventry-Brücke und Spielwaren König. Dort möchte ein Grundstückseigentümer ein Mehrfamilienhaus bauen. Der Wunsch wird einen Rattenschwanz an weiteren Planungen nach sich ziehen. Denn kaum ein Gebiet ist so kompliziert strukturiert.

Über die grundsätzliche Notwendigkeit der Stadt, hier aktiv zu werden, waren sich die Politiker einig: Denn diese noch unbebauten Flächen an der Ruhr sind städtebaulich ein Filetstück - ideal fürs Wohnen im Alter. Diplomatisch sprach Stadtplaner Klaus Wahle von einem „gestalterisch sehr desolaten Eindruck“ – alles ungeordnet, dazu sogar hohe Tannen mitten in der Stadt. Am krassesten beschrieb es Hans-Werner Rötzmeier (UWG) mit den Worten: „Man kriegt das kalte Grauen“: „Gut, dass uns jemand zwingt, das anzupacken.“

150 Parkplätze

Und das wird nicht einfach. Die freie Fläche hinter der Le-Puy-Straße besteht derzeit aus rund 150 Parkplätzen – was würde aus ihnen, und aus denen, die für ein neues Haus hinzukämen? Dann laufen die Grundstücke auch noch schräg auf die Ruhr zu: Käme eine Bebauung, müssten die Zuschnitte geändert werden. Obendrein sind die Eigentumsverhältnisse zersplittert. Zu guter Letzt sieht der bisherige Bebauungsplan, als Ende dieser nicht existenten Erschließungsstraße, an der Brückenstraße noch eine Kreuzung mit der Abfahrt zur Arbeitsagentur vor – kann die wirklich gebaut werden?

Komplizierte Fragen

Jede einzelne dieser Fragen ist für sich kompliziert. Und beginnen muss die Stadtverwaltung mit der gravierendsten Frage: Darf in dem Hochwassergebiet überhaupt gebaut werden? Denn bei einem 100-jährigen Hochwasser würde alles an der Ruhr überflutet, samt Ruhrplatz und Le-Puy-Straße. Die Planung sah schon einmal den Bau eines zwei Meter hohen Hochwasserdammes an der Ruhr vor, zu dem es auch nie gekommen ist.

Die Stadt geht jetzt zunächst die Hochwasserfrage an. Danach soll mit einem externen Moderator zunächst mit jedem einzelnen Eigentümer, dann mit allen gemeinsam nach einer Lösung für das Quartier gesucht werden.

Von Jürgen Kortmann



Kommentare
05.10.2012
20:31
Ein echtes Sorgenkind direkt an der Ruhr
von Meschede_01 | #5

@hanswurster#3

Sind Sie evtl. Hans H., der ein Mehrfamilienhaus errichten möchte?

Ist auch egal.

Ein Mehrfamilienhaus passt hier nicht in das Stadtbild und verschandelt die Grünfläche, abgesehen von der Hochwassergefahr.

Die Hausratversicherung ist genau aus diesem Grund besonders hoch eingestuft, weil nämlich die Gefahr eines Hochwassers gegeben ist.

Das sollte eigentlich Jedem bekannt sein.

1 Antwort
Ein echtes Sorgenkind direkt an der Ruhr
von hanswurster | #5-1

Die einfachste Form der rhetorischen Ironie besteht darin, das Gegenteil von dem zu sagen, was man meint ;)

05.10.2012
18:54
Ein echtes Sorgenkind direkt an der Ruhr
von hanswurster | #4

Hohe Tannen in der Stadt? Das geht natuerlich gar nicht. Wo kommen wir denn dahin wenn jetzt auch noch Baeume in der Stadt wachsen. Baeume gehoeren in den Wald, schliesslich sind wir ja im Sauerland. Kein Wunder, dass da unseren Politikern das kalte Grauen kommt. Mir kommt auch das kalte Grauen....

04.10.2012
18:39
Ein echtes Sorgenkind direkt an der Ruhr
von Meschede_01 | #3

#2 MaWe01
Der Betonklotz rechts hätte auch schon nicht gebaut werden dürfen. In regelmäßigen Abständen steht dort bei geringstem Hochwasser der Keller unter Wasser.

Wir sollten eigentlich aus den Fehlern lernen. Was war vor ca. 10 Jahren in Ostdeutschland? Ersparen wir uns solche Szenarien.

Jedem Grundstückseigentümer ist bekannt, dass er nicht den Rasen zubetonieren darf, damit er keinen Rasen mehr mähen muss.

An Jürgen Kortmann: eine Grünfläche als hässliche Lücke zu bezeichnen, ist mehr als aufreisserisch. Muss man als Journalist so schreiben? Das ist schon Bildzeitungsniveau.

Wurden schon Gespräche mit den betroffenen Grundstückseigentümern geführt?
Das hätte ich als Erstes getan, bevor ich an die Stadt Meschede ( Stadtentwicklung ) oder an die Presse herantrete.

Ich wünsche mir, dass die Entscheidungsträger mit Weitblick entscheiden und sich nicht von anderen Faktoren lenken lassen.

04.10.2012
15:47
Ein echtes Sorgenkind direkt an der Ruhr
von MaWe01 | #2

Zitat: "...alles ungeordnet, dazu sogar hohe Tannen mitten in der Stadt"
Igitt, hohe Tannen mitten in der Stadt. Pfui, schnell weg damit...

Wenn ich mir das Foto oben anschaue, empfinde ich eher den bunten Betonklotz rechts im Bild als störenden Schandfleck. Da bekomme ICH "das kalte Grauen" um es mal mit den Worten des Herrn Rötzmeier zu sagen...

04.10.2012
12:58
Ein echtes Sorgenkind direkt an der Ruhr
von Meschede_01 | #1

Gibt es nicht genug Altenheime / Seniorenzentren in Meschede? Die Zahl der seniorengerechten Wohnungen in Stadtnähe ist zur Zeit in Planung ( Rintschen Park und Grundstück ehemals Hatzig, Bau einer Stadtvilla AWO / Diakonisches Werk ).

Wer soll die Wohnungen beziehen? Sind diese noch bezahlbar ( Miete / Eigentum )?

Warum muss jede Grünfläche bebaut werden? Soll es demnächst in Meschede so aussehen wie in Dortmund, Düsseldorf oder Köln? Alles zubetoniert ?

Zur Zeit wird die Henne wieder offen gelegt und die Anlagen begrünt. Muss jeder Zentimeter Grünfläche aus reiner Profitgier bebaut werden?

Müssen wir in Meschede die gleichen Fehler machen, die andere Städteplaner anderswo schon vor zig Jahren begangen haben?

Ich meine, wir müssen uns noch ein wenig Natur erhalten. Ich möchte auch nicht überall gegen Betonwände starren.

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