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Bio-Energiedorf

Ein Dorf heizt nun komplett alleine

20.09.2012 | 15:24 Uhr
Ein Dorf heizt nun komplett alleine
Bio-Energieanlage in Wallen mit Blockheizkraftwerk und Lagerhalle für die HackschnitzelFoto: Ute Tolksdorf

Wallen.   500 Einwohner sind ans Nahwärme-Netz angeschlossen. Samstag ist Tag der offenen Tür.

Ganz Deutschland leidet unter steigenden Heizölpreisen und dem Diktat der großen Konzerne. Ganz Deutschland? Nein - die 500 Einwohner eines kleinen Sauerländer Dorfes reiben sich die Hände und denken: „Alles richtig gemacht.“

In Wallen ist in rasant kurzer Zeit - von Mitte Juli 2011 bis Mai 2012 - ein eigenes Nahwärmenetz entstanden, das sich komplett aus Holz und Biogas speist. Am kommenden Samstag zeigen die Wallener beim Tag der offenen Tür, wie sie es geschafft haben, sich von den großen Konzernen unabhängig zu machen.

Vor knapp zwei Jahren auf einem Geburtstag entstand die Idee: Landwirt Wilhelm Seemer wollte eine Biogasanlage bauen und wusste noch nicht recht, wohin mit der überschüssigen Wärme aus der Stromerzeugung seiner Biogasanlage. Antonius Schulte und Reinhold Mues planten ungefähr zeitgleich für den Eigenbedarf eine Holzhackschnitzel-Heizung.

Schon auf der Party entstand die Idee, das Ganze größer aufzuziehen und so das ganze Dorf mitzuheizen. Vom Geburtstag bis zur Gründung der Genossenschaft dauerte es etwa ein Jahr, in noch einmal 14 Monaten war das gesamte Bauprojekt abgeschlossen und die Erdöltanks waren aus den Häusern verschwunden.

Schriftführerin Mechthild Giesmann und Vorsitzender Arnold Donner blicken zufrieden zurück. „Bis auf kleine Zeitverzögerungen, bedingt durchs Wetter und durch Lieferschwierigkeiten, hat alles super geklappt.“ Auch mit der Investitionssumme von 1,8 Millionen Euro ist die Genossenschaft, die Träger des Bio-Energiedorfes ist, fast auf den Punkt ausgekommen. „Genaue Kostenkontrolle, die Qualität der Ausschreibung, eine wachsame Bauleitung und der Einsatz vieler ehrenamtlicher Helfer haben dafür gesorgt“, ist Arnold Donner überzeugt.

Denn auch wenn es natürlich im Bioenergiedorf einen Vorstand gibt, ist jeder einzelne Genosse auch irgendwie Bauherr und fühlt sich für das Gelingen des Gesamtprojektes verantwortlich. Das zeigen die Wallener auch bei den Pflasterarbeiten oder bei der Befüllung des Holzhack-Ofens. Und manch einer hätte für die Arbeit, die er ins Projekt reingesteckt hat, gut und gern einen Halbtagsjob annehmen können.

„Im Ort sind alle sehr zufrieden“, freut sich Mechthild Giesmann. „Man hört nur positive Stimmen.“ Bisher zahlen die Wallener eine geschätzte Vorauszahlung. Der tatsächliche Verbrauch wird zum Jahreswechsel durch die ehrenamtlichen Mitglieder der Genossenschaft ermittelt.

Warme Winter als Risiko

Jetzt gibt es eigentlich nur noch eine Sache, die den Wallenern Probleme bereiten könnte: „Mehrere warme Winter hintereinander“, sagt Arnold Donner. „Denn um die Zinsen bezahlen zu können, sind wir natürlich darauf angewiesen, dass unsere Energie auch abgenommen wird.“ Aber das sei eben unternehmerisches Risiko - und auch das tragen alle Genossen schließlich gemeinsam. Letztlich gibt es für die Genossenschaft einen großen Vorteil, sagt Arnold Donner. „Wir haben Geld investiert, aber wir setzen nicht auf steigende Zinsen, sondern darauf, dass die Energiekosten steigen. Und das ist ziemlich sicher.“

Termin

Zum Tag der offenen Tür lädt das Bioenergiedorf Wallen am kommenden Samstag von 11 bis 17 Uhr an das Kraftwerk ein. Es sind alle Genossen willkommen, aber auch alle, die sich über das Projekt informieren wollen. Auch die Partnerfirmen sind dort mit Ständen vertreten.

Das Team des Bio-Energiedorfes steht bereit, um Fragen zu beantworten. Es gibt auch Würstchen, Kuchen und Getränke gegen einen kleinen Beitrag. Fragen beantwortet die Öffentlichkeitsbeauftragte Mechthild Giesmann. Nähere Info unter www.bioenergiedorf-wallen.de.

Ute Tolksdorf



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