Ein Besuch in der Veleda-Höhle

Veledahöhle wieder offen

Bestwig, 03.07.2015: Nach über fünfzig Jahren ist die Veledahöhle nun der Öffentlichkeit wieder zugänglich.
Fr, 03.07.2015, 14.28 Uhr

Bestwig, 03.07.2015: Nach über fünfzig Jahren ist die Veledahöhle nun der Öffentlichkeit wieder zugänglich.

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Bei der Tour durch die Veleda-Höhle dürfen Entdecker nicht zimperlich sein.

Velmede.. Helme festzurren, Taschenlampe um den Hals gehängt und los geht es. Festes Schuhwerk ist ebenso wichtig wie schmutzfeste Kleidung. Bei der Tour durch die Veleda-Höhle dürfen Entdecker nicht zimperlich sein. Der Gang durch die Höhle, eine der tiefsten Westfalens, lässt jedoch schnell jeden Gedanken an Schmutz verschwinden.

„Hier gab es früher einige Leitern“, erklärt Höhlenführer Peter Eikeler und deutet von der Plattform aus in die Tiefe. „Die sind aber völlig verrostet und nicht mehr zu gebrauchen.“ Dem Einsatz der Dorfgemeinschaft Velmede-Bestwig ist es zu verdanken, dass die Höhle nach 50 Jahren wieder sicher zu begehen ist (wir berichteten).

Der Einbau der Stege – auf denen die Gruppe nun steht – hat rund vier Wochen gedauert. „Diese erste Halle ist zwölf Meter hoch und in der unteren Halle befindet sich der sogenannte Brausekessel.“ Wie tief es noch heruntergeht, lässt sich im Kegel der Taschenlampen nur erahnen.

Bunker im Zweiten Weltkrieg

Den Eingang im Rücken geht es über den Seitengang tiefer in die Höhle. Schon bald verlischt das spärliche Licht, das durch die Zugänge dringt. Ohne Taschenlampen ist es jetzt stockfinster. Und kühl ist es. Konstant um die acht Grad. Tropfsteine gibt es in der Veleda-Höhle nur wenige und wenn, sind sie sehr klein. „Sie konnten sich nicht richtig entwickeln, weil zum einen der Kalkstein zu dicht ist und die Höhle immer belebt war.“ Und das nicht nur von ihrer Namensgeberin, der germanischen Seherin Veleda. Im Zweiten Weltkrieg diente die Höhle als Bunker. „Direkt um die Ecke war ein Barackenlager“, weiß Eikeler. „Von dort aus haben sich Menschen bei Angriffen in die Höhle geflüchtet.“

Eikeler lenkt den Blick auf die Felswände: Sie sind voller kleiner Pünktchen, die silbern schimmern. „Das sind alles feine Wassertröpfchen, die sich hier ablagern.“ Am besten sind die kleinen Tropfen mit Taschenlampen zu sehen – die großen LED-Strahler mindern den Effekt. „Dies hier sieht aus wie ein Torso“, sagt Peter Eikeler und leuchtet in eine andere Ecke. Und tatsächlich, die Formation sieht aus wie eine Wirbelsäule mitten im Fels. Diese und andere Formationen sind durch Auswaschung entstanden. An vielen Stellen lässt sich genau erkennen, wo Wasser abgelaufen ist.

Der Weg wird etwas enger und rutschiger. Die Gruppe muss nun hintereinander laufen. Sie passiert einen Felsbrocken, der seltsam aussieht. Peter Eikeler erklärt: „Mitten im Weg war ein riesiger Felsklotz. Den mussten wir mit zwei Hiltis zerlegen, damit wir hindernisfrei durch die Höhle kommen.“ Die Reste liegen an den Seiten. Denn aus der Höhle entfernt werden, dürfen sie laut Gesetz nicht.

Schriftzüge an den Wänden

Einige Meter weiter leuchtet Peter Eikeler erneut an die Decke. Dort zu sehen sind Schriftzüge. Scheinbar mit Bleistift oder Kohle geschrieben. „Es ist wirklich spannend, dass die Schrift an den feuchten Wänden so lange hält.“ Der älteste lesbare Namenszug stammt aus dem Jahr 1847. An dieser Stelle - einem etwas geräumigeren, kleinen Halle - geht es nicht mehr weiter; zumindest nicht für die Gruppe. Denn der Pfad, der ins „Schusterstübchen“ führt, ist sehr eng und mit einigem Klettern verbunden. Doch auch dieser Weg und die damit verbundenen schmutzigen Klamotten würden sich lohnen: Im Schusterstübchen kann man kaum aufrecht stehen. Wer aber in die Hocke geht und mit den Augen dem weiteren Verlauf der Höhle folgt, kann Wurzeln erkennen, die nach unten in die Höhle ragen. „Das ist wirklich das Besondere an dieser Höhle“, resümiert Peter Eikeler. „Man entdeckt jedes Mal etwas Neues.“