Das aktuelle Wetter Meschede 7°C
Ski-Langlauf

Echte Sahnestücke des Sauerlands

22.02.2016 | 08:58 Uhr
Echte Sahnestücke des Sauerlands
Beim Langlauf lässt sich die Landschaft abseits der Loipe in aller Ruhe genießen.Foto: dpa/Uwe Zucchi

Jagdhaus.   Eine Tour von Jagdhaus bis Kühhude auf der Rothaar-Fernloipe bietet ein einzigartiges Natur-Erlebnis

Die insgesamt 52 Kilometer lange Rothaarloipe ist wohl die spektakulärste und schönste Wintersport-Route, die das Sauerland zu bieten hat. Sensationelle Ausblicke, steile Abhänge und Märchenwald wechseln sich ab auf der Strecke, die über den Kamm des Rothaargebirges führt und dabei Brilon, das Wittgensteiner Bergland und das Siegerland mit Dillenburg verbindet.

Zwar gibt es Sportfreaks, die alles an einem Tag in Angriff nehmen – aber das erscheint uns übertrieben. Denn wir brauchen unbedingt Zeit für Ruhe und Rast im Wald.

Höchster Punkt ist der Großkopf

Startpunkt für die insgesamt 17,4 Kilometer lange Strecke, die meist durch den Wald führt, ist der Ortsausgang von Jagdhaus. Wir fahren in Richtung Schanze. Am Wanderparkplatz steigt man auf den Kammweg des Rothaarsteiges ein und trifft nach wenigen Metern schon auf gemütliche Sonnenliegen.

Durch abwechslungsreichen Wald geht es zunächst leicht abwärts zur „Millionenbank“, ein dunkles Rasthäuschen auf dem „Fernwanderweg Deutsche Einheit“, wo nach links die nur 4,6 Kilometer kurze Millionenbank-Loipe abzweigt.

Wir fahren aber nach rechts, weiter auf der roten Strecke: Noch 7,5 Kilometer sind es nach Kühhude, und jetzt geht es erst einmal eine Weile bergauf auf den Großkopf, den höchsten Punkt der Strecke (740 Meter). Bis 1803 verlief hier auf dem Kammweg die Grenze zwischen der Grafschaft Wittgenstein-Berleburg und dem Herzogtum Westfalen. Im Jahr 1575 wurde urkundlich belegt, wie eifrig hier die Territorien markiert und abgesteckt wurden. Ein Gedenkstein erinnert an einen der ersten gemeinsamen Grenzbegänge 425 Jahre später. Hier verlief übrigens auch die Sprachgrenze zwischen Sauerländer Platt und Berleburger Mundart.

Wir sind jetzt doch ganz schön außer Atem gekommen. Zum Glück geht es nun wieder bergab, durch die Hochwälder des Rothaar-Gebirges – Vorsicht, manchmal kann man bei den Abfahrten ganz schön an Geschwindigkeit gewinnen. Also schön in der Loipe bleiben und die Ski laufen lassen. Das Gefühl von Freiheit, Autonomie und Einsamkeit, dass sich einstellt, ist unvergleichlich.

Kurz vor Kühhude führt die Strecke an der Skulptur „Stein-Zeit-Mensch“ des Künstlers Nils Udo vorbei: ein riesiger Felsquader von rund 150 Tonnen Gewicht, der von monumentaler Baumstamm-Architektur umrahmt wird. Er verweist auf das, was wir auf Skiern ohnehin schon die ganze Zeit gespürt haben: die stille Erhabenheit im mächtigen Wald um uns herum.

Einkehr im Café

Schließlich landen wir am Wanderparkplatz Kühhude. Wäre man von Berleburg gekommen, hätte man sich übrigens ein Taxi hierher bestellen können. Man kann es kaum glauben in der verschneiten Winterlandschaft, aber die Schilder sind eindeutig: hier gibt es ein offenes Café. Ein paar Schritte die Straße nach rechts gegangen, und schon führt ein kleiner Trampelpfad im Schnee nach links zum versteckten „Café Kühhude“ inmitten eines uralten Weilers, von Schneemassen fast verdeckt.

Vor 300 Jahren war das urige Gebäude ein altes Kanongut, auf dem zwei Kanonisten-Familien angesiedelt wurden (Kanonisten sind Wissenschaftler des katholischen Kirchenrechts). 1912 wurde hier die zweite Jugendherberge Deutschlands eröffnet, Leiter waren die Urgroßeltern des Cafébesitzers Harald Althaus und seiner Schwester Gudrun Schneider, die ihm aushilft. Später war es das Schullandheim eines Düsseldorfer Gymnasiums.

Wasser aus dem eigenen Brunnen

In der Gaststube hängen die Bilder der Ahnen an der Wand. Hier wird sogar das Wasser noch aus dem hauseigenen Brunnen aus 76 Metern Tiefe gewonnen. Auch jeder Pflaumenstreusel- oder Mirabellenkuchen wird hier selbst gemacht, sehr lecker sind auch die Lauch-Hack-Suppe und die Pfannenkartoffeln mit Kräuterdipp.

Am liebsten würden wir an diesem verwunschenen Ort auch übernachten, aber das kann man heute nicht mehr: „Wir freuen uns, wenn sie kommen, aber wir sind auch froh, wenn alle wieder weg sind“, sagt Gudrun Schneider mit ruppigem Charme.

Gut gestärkt verlassen wir diesen reizenden Ort wieder. Es gäbe natürlich noch die Möglichkeit, weiterzufahren Richtung Schanze und von dort aus die Talvariante des Rothaarsteigs über Latrop einzuschlagen. Doch wir haben heute schon viel geleistet, und laufen den gleichen Weg noch einmal zurück. 100 Minuten später, nach manchem Auf und Ab, erreichen wir wieder den Wanderparkplatz Jagdhaus.

Verena Tröster

Kommentare
Funktionen
Fotos und Videos
Schützenfest in Lenne
Bildgalerie
Vogelschießen
Schützenfest Oberhenneborn
Bildgalerie
Vogelschießen
Vogelschießen Olpe
Bildgalerie
Niederländer regiert Olpe
Vogelschießen Bremke
Bildgalerie
Vater und Sohn regieren
article
11584470
Echte Sahnestücke des Sauerlands
Echte Sahnestücke des Sauerlands
$description$
http://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-meschede-eslohe-bestwig-und-schmallenberg/echte-sahnestuecke-des-sauerlands-id11584470.html
2016-02-22 08:58
Nachrichten aus Meschede, Eslohe, Bestwig und Schmallenberg