Dunkle Haut, aber Sauerländer

Thaksan Sothinathan beteiligt sich mit diesem Schild an der Aktion „Auch ich bin Deutschland“
Thaksan Sothinathan beteiligt sich mit diesem Schild an der Aktion „Auch ich bin Deutschland“
Foto: Privat
Sein Name ist ungewöhnlich - dennoch ist Thaksan Sothinathan ein waschechter Sauerländer. Der gebürtige Mescheder beteiligt sich an der Aktion „Auch ich bin Deutschland“ von der Deutschland-Stiftung Integration.

Meschede.. Dunkle Haut und dunkle Augen,ein ungewöhnlicher Name - doch eigentlich ist Thaksan Sothinathan ein waschechter Sauerländer. Hier geboren und aufgewachsen. Und wenn einer sagt: „Sie sprechen aber gut Deutsch“ kontert er gern: „Sie aber auch.“

Auf Alltagsrassismus hinweisen

„Auch ich bin Deutschland“ heißt die zum Teil witzige, zum Teil berührende Kampagne der Deutschland-Stiftung Integration. Thaksan Sothinathan ist dort Stipendiat und hat sich beteiligt. „Wir wollen positive Integrationsbeispiele in den Mittelpunkt rücken und auf den Alltagsrassismus hinweisen“, erklärt er. Mit einem Schild hat er sich selbst fotografiert: „Zugticket und trotzdem Schwarzfahrer“ steht darauf.

„Werden die Fahrkarten kontrolliert, verlangt der Schaffner von mir oft noch das Semesterticket, wo bei anderen der Fahrausweis reicht“, hat der 23-jährige Student beobachtet. Oft sind es anonyme Alltagssituationen, wo der Rassismus durchblitzt, wie bei der Seniorin, die sich, obwohl sonst alle Plätze besetzt sind, nicht neben ihn setzt. „Und zuletzt haben sogar mal Leute, die Straßenseite gewechselt, weil sie sich augenscheinlich vor mir gefürchtet haben.“ Darüber muss er dann doch schmunzeln.“ Denn gefährlich ist der Student, der in Aachen Wirtschaftsingenieurwesen studiert, sicher nicht.

Geboren und aufgewachsen ist er in Meschede, dort besuchte er die Grundschule im Rautenschemm und später das Gymnasium der Benediktiner, wo er 2011 Abitur machte.

Echtem Rassismus sei er in Kindheit und Jugend nie ausgesetzt gewesen, sagt er. Dumme Sprüche, ja, die hat er gehört, und er weiß sie einzuordnen. „Es kommt immer darauf an, wer was sagt.“ Der 23-Jährige sucht dann das Gespräch.

Zum Beispiel, als seine Schwester beim Volkstrauertag auf dem Stiftsplatz den Schülertext vortrug und sich ein älterer Herr freundlich zu ihm umdrehte und deutlich und langsam die Worte formulierte: „Können - Sie - das - verstehen?“ „Nun ja“, gibt Thaksan zu, „ich war nicht gerade sonntäglich gekleidet.“ Aber er hat dem Mann dann ebenfalls freundlich erwidert, dass das seine Schwester sei, die da spreche und er selbst erst kurz zuvor ebenfalls Abi gemacht habe. Das war dann dem Senior wiederum peinlich.

Situationen oder Städte meiden, weil es für ihn mit seiner dunklen Haut gefährlich werden könnte? „Nein, auf die Idee käme ich gar nicht. Ich stelle mich als Sauerländer vor und so fühle ich mich auch. Ich will gar nicht daran denken, mich einzuschränken.“

In der Masse eingetaucht

Zuletzt hat er nach dem Bachelorabschluss ein Auslandssemester in Indien verbracht. Das war für den jungen Mann, dessen Eltern aus Sri Lanka einwanderten, schon eine ungewohnte Erfahrung: „Ich konnte regelrecht in der Masse eintauchen.“ Bewusst war er nach Süd-Indien gegangen, wo sogar Tamilisch gesprochen wird. „Dort bin ich nur aufgefallen, wenn ich mit meinen Kollegen unterwegs war, weil die eine helle Haut hatten.“ Ihn, den Sauerländer, haben alle direkt auf Tamilisch angesprochen.

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