Drogenersatz für 50 Patienten

Meschede.  . Rund 50 Patienten hat die „Suchtmedizinische Ambulanz“ in der Kolpingstraße in Meschede. Suchtkranke erhalten dort seit 2007 Drogenersatz, wie Methadon oder Subutex und eine psychosoziale Begleitung. „Uns geht es vor allem darum, die Begleiterscheinungen der Sucht zu bekämpfen - vom gesundheitlichen Verfall über die Beschaffungskriminalität bis zu sozialen Problemen“, sagt Dr. Joachim Scholz, Leiter des sozialpsychiatrischen Dienstes beim Hochsauerlandkreis.

Frage: Welche Menschen suchen die Suchtmedizinische Ambulanz auf?

Dr. Joachim Scholz: Drogenabhängige werden älter. So sind auch unsere Patienten, bis auf zwei oder drei, alle über 30 Jahre alt. Unser ältester Patient ist jetzt mit fast 60 Jahren an Kehlkopfkrebs, einer Begleiterscheinung seiner jahrelangen Sucht und des exzessiven Alkohol- und Nikotinkonsums, verstorben. Frauen sind im Verhältnis eins zu drei klar in der Unterzahl.

Haben Sie darunter auch Patienten, die nicht täglich kommen müssen, sondern ihre Medikation selbst dosieren?

Bei etwa einem Viertel unserer Klienten ist das möglich. Sie erhalten einmal wöchentlich ein Rezept. Voraussetzung ist allerdings, dass sie zuverlässig sind, eine feste Tagesstruktur haben und zumindest stundenweise einer geregelten Arbeit nachgehen.

Welche Vorgeschichte bringen diese Menschen mit?

Die meisten haben mit 14, 15 Jahren angefangen zu kiffen, sind zu Heroin gewechselt und haben dann über Jahre harte Drogen konsumiert, sie haben Langzeittherapien gemacht und sind rückfällig geworden. Um die Drogen zu bezahlen, haben die Männer gestohlen und die Frauen sich häufig prostituiert. Viele haben auch Hafterfahrung und sind gesundheitlich in einem schlechten Allgemeinzustand. Rund 50 Prozent leiden unter Hepatitis C. Für die meisten ist die Ambulanz die letzte Chance.

Gibt es ähnliche Ersatztherapien an anderen Stellen im Hochsauerlandkreis?

In Marsberg unterstützt uns die Westfälische Klinik für Psychiatrie und in Arnsberg gibt es drei niedergelassene Ärzte, die rund 60 Patienten in ihren Praxen behandeln. Dazu kommen noch etwa sechs Ärzte, die an den Rändern des Kreises jeweils zwei bis drei Klienten übernommen haben. Sie werden von mir im Rahmen der Konsiliarregelung unterstützt.

Es ist nicht leicht einen Arzt für diese Aufgabe zu finden?

Durchaus nicht. Suchtsubstitution ist zwar eine Kassenleistung. Aber Suchtkranke sind in ihrem Auftreten oftmals keine leichten Patienten. Die drei Arnsberger Ärzte sind überzeugt von dem Programm. Leider wird auch da bald ein älterer Kollege ausscheiden. Ich fürchte, wir werden keinen Ersatz für ihn finden. Wir können die Ärzte nicht dazu zwingen.

Wie ist die Rückfallquote?

Wir sprechen in der Regel vom Beigebrauch. Und den kann man kaum verhindern. Ehemals Süchtige holen sich ab und zu den Kick - ob durch Heroin, Alkohol oder starke Beruhigungsmedikamente wie z.B. Valium. Allerdings fällt das beim Drogen-Screening auf, und wir versuchen dann die Ursachen herauszufinden und im Gespräch und durch strenge Reglementierung für die Zukunft vorzubeugen. Es gibt nur wenige Patienten, die wir dauerhaft verlieren. Sie wissen, wir kümmern uns um sie.

Ist die Nähe zum Bahnhof und damit zu einem möglichen Umschlagplatz für Drogen nicht auch gefährlich für Ihre Patienten?

In der Nähe aller Drogen-Ambulanzen wird gedealt. Manchmal erhalten wir sogar Hinweise von Patienten und melden das dann bei der Polizei. Dass sich Teile unserer Patienten am Bahnhof versammeln und Alkohol auf das Methadon schütten, wird man nicht verhindern können. Was wir aber durch die Sucht-Substitution verhindern, ist die Verelendung der Menschen.

Wie viele Menschen schaffen es, ganz von den Drogen zu lassen?

Vielleicht einer im Jahr.