Doppeltes Holzkreuz mit Geschichte

Schmallenberg..  Seit vielen Jahrzehnten befindet sich ein Kreuz am Schützenplatz. Der alte Corpus stammt laut der Inventarliste der Kirche aus dem Jahre 1520. Es ist deshalb zu vermuten, dass dieser Corpus früher in der alten romanischen Kirche aus dem Jahre 1260 gehangen hat und später im Norden der alten Stadt aufgestellt worden ist.

Diese Vermutung liegt nahe, da nach dem Plan des Lehrers Anton Mönig aus dem Jahre 1815 im nördlichen Bereich außerhalb der alten Ringmauer ein Kreuz eingezeichnet ist. Spätestens nach der Erweiterung der Stadt nach dem letzten Stadtbrand im Jahre 1822 nach Norden bis zum heutigen Schützenplatz beziehungsweise dem Bau des ersten Schützenzeltes im Jahre 1866 wird das Kreuz aufgestellt worden sein.

Künstler restaurierten das Kreuz

Das alte Kreuz stand früher unmittelbar an dem Haus der Witwe Hüttemann gegenüber dem heutigen Standort am Schützenplatz. Der Corpus und der Kreuzbalken waren im Jahre 1958 durch die Einwirkung von Regen, Schnee, Frost und Sonne fast völlig zerfallen. Sogar so sehr, dass im April 1958 in der Tageszeitung darüber berichtet wurde und die Reste des alten Kreuzes am Hause Hüttemann, heute Blanke, als „Schandpfahl“ bezeichnet wurden. Wenige Tage später verschwand der Pfahl und die Stadt erneuerte das Holzkreuz.

Mehrere Künstler wurden damals gebeten, das in der Pfarrei von Schmallenberg so sehr verehrte Kreuz mit Corpus aus dem Jahre 1520 zu restaurieren. Nur der Künstler Wilhelm Winkelmann hatte mit seinen Söhnen Michael und Christoph den Mut dazu. In der Werkstatt Winkelmanns fand das Kreuz nach der Restaurierung durch kundige Experten lobende Anerkennung. Sammler und Liebhaber wollten das Kreuz für 5000 DM kaufen. Der Kirchengemeinde war der Corpus aber zu wertvoll und ein Verkauf wurde abgelehnt. Allerdings wurde der restaurierte Corpus nicht wieder am Schützenplatz aufgestellt. Gründe hierfür sind nicht bekannt. Es ist aber zu vermuten, dass der Holzcorpus nicht wieder Wind und Wetter ausgesetzt werden sollte.

Neuer Standort am Schützenplatz

Vielmehr wurde dem Künstler Wilhelm Winkelmann aus Günne-Brünningsen am Möhnesee 1960 der Auftrag erteilt, mit seinen Söhnen Michael und Christoph einen neuen Corpus für das Kreuz am Schützenplatz anzufertigen. Dieser wurde aus Schmiedebronze getrieben und gehämmert. Die Kosten beliefen sich auf rund 1000 DM und wurden durch Spenden aufgebracht. Das Kreuz mit dem neuen Corpus wurde gegenüber dem alten Standort in der Grünanlage am Schützenplatz am 10. Juni 1960 aufgestellt und eingeweiht.

Damals stellte man sich unter anderem die Frage, wem das Kreuz eigentlich gehört – bis heute hat niemand eine Antwort darauf. Um das Kreuz am Schützenplatz wird schon seit Jahrzehnten am Fronleichnamstag der dritte Altar für die Prozession aufgebaut.

Das alte Haus Hüttemann wurde später verkauft und abgerissen. Der neue Eigentümer baute im Jahre 1962 an dieser Stelle dann ein großes Wohn- und Geschäftshaus.

Das alte, restaurierte und wertvolle Kreuz aus dem Jahre 1520 fand 1964 in der Vorhalle des Heilig-Geist-Kindergartens an der Leostraße vorübergehend einen Platz. Nach den Vorstellungen des damaligen Pfarrers Stephan Ernst sollte das Kreuz in einer später geplanten Kirche auf dem freien Platz vor dem Kindergarten, heute Spiel- und Bolzplatz, an der Leostraße seinen endgültigen Platz finden.

Kreuz lagert über der Sakristei

Beim letzten Umbau und der Renovierung des Heilig-Geist-Kindergartens vor einigen Jahren wurde das Kreuz abgenommen. Heute lagert es gut verpackt und für die Öffentlichkeit nicht sichtbar in einem Raum über der Sakristei. Nach der Renovierung in der alten romanischen Kirche hat man keinen würdigen Platz für das wertvolle Holzkeuz gefunden.