Do kumm’ iëck nit hinger

Da nicht für! Wenn sich jemand für etwas bei einem anderen bedankt, dann kann es passieren, dass der andere den Dank freundlich abweist mit den Worten: „Keine Ursache“.


Die Plattdeutschen haben ein anderes Wort der freundlichen Zurückweisung: „Do nit fiär“. Die Übersetzung – siehe oben.


Eigentlich müsste es doch heißen: Dafür nicht! Nur – das sagt niemand. Es gibt genügend andere Beispiele, wo solche Wörter wie „dafür“, „dahin“ usw. auseinander gezogen werden.


Hier ein paar Beispiele: Jemand hat eine Heidenangst vor dem Zahnarzt und ruft: „Da geh’ ich nicht hin!“ Schriftsprachlich, das heißt, hochdeutsch richtig ist: „Dahin geh’ ich nicht!“ oder: „Ich geh’ nicht dahin!“


Jemand hat von seinem Bekannten ein Schreiben bekommen, aber es besteht aus derartig hochgeschraubten Schachtelsätzen, dass er den Inhalt nicht begreift: „Da komm’ ich nicht hinter!“ stöhnt er. Er käme gar nicht auf den Gedanken zu sagen: „Dahinter komm’ ich nicht!“ oder: „Ich komm’ nicht dahinter.“ Hans will von Peter wissen, was auf der letzten Versammlung besprochen wurde. Aber Peter war auch nicht da und antwortet daher: „Da weiß ich nichts von, was die besprochen haben.“


Karl versichert seinem Freund: „Ich komm’ heute Abend ganz gewiss, da verlass dich drauf!“ Und die taktvolle Sabine sagt einem Ausfrager, der mehr über ihre Freundin wissen will: „Da red’ ich nicht drüber, da müssen Sie die Elke schon selbst fragen.“ In der hochdeutschen Schriftsprache hätte es doch heißen müssen: „Darüber rede ich nicht…“


Wir reden aber nicht Schriftsprache, sondern sauerländische regionale Umgangssprache. Und die hat einige Einflüsse des Plattdeutschen in sich aufgenommen – auch dieses scheinbar auseinander gezogene da … hin, da… für, da … über usw. gehört hierher.
Wenn die oben angeführten Sätze plattdeutsch gesprochen werden, dann hört sich das – z. B. für die Altenhundemer und Umgebung – so an: Do goh iëck nit hiëne! Do kumm’ iëck nit hinger! Do weit iëck nicksen van, wat doi bekuiert het! Lëck kumme düen Owend ganz siëcker, do verlot diëck op! Do kuier iëck nit üewer!


Und hier stimmt mit der Sprachlehre alles goldrichtig überein. Eine Bemerkung noch: Über plattdeutsche Ausdrücke und dergleichen, da schreib’ ich sicher noch mehr drüber. Üewer plattduitske Iutdrücke un seowuat, do schrief iëck siëcker neo mehr üewer.