„Die Ungewissheit vergessen und Spaß haben“

Paul und Brigitte Börger sind das amtierende Königspaar in Fleckenberg. Obwohl Paul Börger ohne seinen Bruder und Vizekönig feiern muss, blickt er positiv auf die anstehenden Festtage.
Paul und Brigitte Börger sind das amtierende Königspaar in Fleckenberg. Obwohl Paul Börger ohne seinen Bruder und Vizekönig feiern muss, blickt er positiv auf die anstehenden Festtage.
Foto: Privat
Fleckenbergs Schützenkönig Paul Börger spricht über Tradition und den Tod seines Bruders und Vizekönigs

Fleckenberg..  Mit einem sehr persönlichen Grußwort, in dem er auch Bezug auf den Tod seines Bruders und Vizekönigs während des Kreisschützenfestes nahm, hatte Paul Börger die Fleckenberger zum Schützenfest eingeladen. Unsere Redaktion hat ihn gebeten, seine Darstellungen im Interview noch einmal zu erläutern.

Das Schützen-Motto „Glaube, Sitte, Heimat“, was bedeutet Ihnen das?

Paul Börger: Ideale oder Leitlinien braucht jede Gemeinschaft. Sie müssen nur konkret alltagstauglich mit Inhalt gefüllt werden. Wenn aus den Idealen heraus im Alltag Zuverlässigkeit und gegenseitige Rücksichtnahme, Rückgrat und Toleranz gelebt werden, umso besser. Die Ideale verschieben auch – aus meiner Sicht positiv – den Blick von „übertriebener Selbstentfaltung“ hin zur Gemeinschaft.

Nehmen wir den Begriff der „Heimat“, wie definieren Sie diesen ganz persönlich?

„Heimat“ ist zunächst für mich der Ort, an dem ich geboren wurde. Heimat ist zwar nicht „heile Welt“, aber doch ein Raum, der Geborgenheit und Sicherheit gibt und auch ausreichend groß genug ist, um für Fremdes und Unbekanntes offen zu sein, wo man sich mehr vertraut als in der Fremde.

Sie haben in Ihrer Regentschaft Sachen wie die „Cold-Water-Challenge“ mitgemacht. Gehört so etwas auch zu den Aufgaben eines Schützenkönigs?

Zu den klassischen Aufgaben eines Schützenkönigs nicht. Ein König darf aber auch selbst bestimmen, was seine Aufgaben sind. Zahlreiche Vereine im Dorf haben mitgemacht. Es gab keinen Grund, aus dieser Kette auszusteigen – unabhängig davon, dass Schützenkönig sein nicht nur eine ernste Aufgabe ist.

Überschattet hat aber der Tod Ihres Bruders, der gleichzeitig Vizekönig war, Ihre Regentschaft, wie man auch in Ihrem Grußwort lesen kann. Wie feiert man trotz des Verlustes? Bleibt der Stuhl leer?

Mit Blick darauf, dass mein Bruder, während das Kreisschützenfest lief, verstarb, hatte der Kreisvorstand eine große Lücke im Sonntagsfestzug gelassen, um daran zu erinnern, dass er verstorben war. Dies hatte einige irritiert. Zwischenzeitlich ist etwas Zeit vergangen, so dass kein langer Schatten mehr auf das Fest fällt. Wir werden sicherlich eine Gedenkminute einlegen. Trotzdem gut feiern. Und dies hätte sicherlich auch mein Bruder begrüßt, der das Schützenfest geliebt hat und gerne Vizekönig war.

Dass der Tod zum Leben und zum Feiern gehört, macht das gerade so eine Traditionsveranstaltung wie das Schützenfest deutlich?

Da man unter „Traditionen“ auch das „Wachhalten von bestimmten Erinnerungen und Gedenken“ versteht, gehört die Ehrung der Opfer der großen Kriege zum selbstverständlichen Inhalt eines traditionellen Schützenfestes. Gerade weil durch den Tod eines jeden Menschen sein eigenes Weitergeben aufhört und jedes moderne Sicherheitsgefühl nur vorgeschoben ist, macht es Sinn, für ein paar Stunden diese Ungewissheit zu vergessen und einfach Spaß zu haben. Schützenfest ist in diesem Sinne auch ein „Entlastungsritual“.

Es stand wegen hoher Auflagen auf der Kippe, ob die „Aurora“ weiter zum Vogelschießen genutzt wird. Wie wichtig ist so eine Tradition?

Nicht ohne Grund haben viele Schützenvereine prächtige Plätze im Wald, wo das Vogelschießen stattfindet. Hierauf können alle zu Recht stolz sein. Diese Plätze sind seit Jahrzehnten „Kult“. Mit der Aurora verbindet mich persönlich, dass ich bereits 1957 auf einem Film zu sehen bin, als mein Vater die Kaiserwürde errang. Wer über 50 Mal Jahr für Jahr an einem solch schönen Platz in Gemeinschaft gefeiert hat, für den hat er besondere Bedeutung. Es wäre schade, wenn nicht.