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Organspende

„Die Einstellung ist entscheidend“

02.10.2012 | 06:00 Uhr
„Die Einstellung ist entscheidend“
Seit März gilt die „Entscheidungslösung“ bei der Organspende. Der Mescheder Transplantationsbeauftragte Prof. Dr. Franz Weber macht sich für ein „Gegenseitigkeitsmodell“ stark: Wer bereit ist, ein Organ zu spenden, soll bei Bedarf selbst einen Bonus erhalten.Foto: dapd

Meschede.   Seit März gilt bei Organspenden die so genannte „Entscheidungslösung“: Die Bürger werden künftig aufgefordert, sich für oder gegen eine Organspende zu entscheiden. Für Professor Dr. Franz Weber geht das nicht weit genug. Er ist Befürworter eines „Gegenseitigkeitsmodells“, wie er es nennt: Wer bereit ist, ein Organ zu spenden, der soll auch bei Bedarf selbst einen Bonus erhalten – er würde auf der Warteliste für ein Organ höher rutschen.

Seit März gilt bei Organspenden die so genannte „Entscheidungslösung“: Die Bürger werden künftig aufgefordert, sich für oder gegen eine Organspende zu entscheiden. Für Professor Dr. Franz Weber geht das nicht weit genug. Er ist Befürworter eines „Gegenseitigkeitsmodells“, wie er es nennt: Wer bereit ist, ein Organ zu spenden, der soll auch bei Bedarf selbst einen Bonus erhalten – er würde auf der Warteliste für ein Organ höher rutschen.

Weber muss sich mit diesen Fragen beschäftigen. Der Chefarzt für Nephrologie ist auch der Transplantationsbeauftragte des St.-Walburga-Krankenhauses. In seiner Ausbildung am Transplantationszentrum der Uni-Klinik Essen hat er Ende der 90er-Jahre wissenschaftlich darüber geforscht, wie Laien zur Organspende stehen. Es war die weltweit größte Umfrage dazu, mehr als 7000 Fragebögen erhielt er beantwortet zurück. „Es gab einige Überraschungen“, sagt er. Über 50 Prozent derjenigen, die eine Organspende ablehnen, wünschen für sich im Notfall ein Spenderorgan: „Die Menschen begreifen nicht, dass ihre Einstellung entscheidend ist.“

„Jeder sollte sich aktiv beteiligen“

Links Chefarzt und Transplantationsbeauftragter Prof. Dr. Franz Weber, rechts der CDU-Europaabgeordnete Dr. Peter Liese.Foto: Jürgen Kortmann

Man müsse die Organspende als Vorsorge auch für sich selber begreifen: „Wir Ärzte können schließlich nirgendwo Organe einkaufen. Sie müssen aus der Gesellschaft kommen. An diesem Solidaritätssystem sollte sich jeder, der davon profitieren will, aktiv beteiligen.“

Die Entscheidungslösung sieht der Arzt da nicht als endgültigen Fortschritt an: Immer noch fehle es an einer verbindlichen Erklärung, ob man spendet oder nicht – „ich bin nicht davon überzeugt, dass wir dadurch mehr Organe gewinnen werden.“ Aber die Regelung sei nützlich für die Ärzte: Wenn einem Angehörigen mitgeteilt werden müsse, der Sohn oder die Tochter sei leider hirntot, „dann ist der Angehörige schon psychisch in einer Ausnahmesituation“. Es sei ungemein schwer für Ärzte, dann das Thema Organspende anzusprechen. Eine Erklärung des Verstorbenen mit der Bereitschaft zur Organspende könne den Angehörigen in dieser Grenzsituation eine wesentliche Hilfe sein. Für die Ärzte sei das eine Entlastung für dieses schwierige Gespräch. Bislang waren die Ärzte immer in der Rolle des Bittstellers: „Das können oder wollen viele Ärzte nicht mehr.“

Liese sieht praktische Probleme

Für sein Modell auf Gegenseitigkeit findet Weber unter Ärzten „viel Widerhall. Aber entscheidend sind die Politiker.“ Einer ist der CDU-Europaabgeordnete Dr. Peter Liese, selbst Arzt. Er ist offen für Webers Ansatz, sieht aber praktische Probleme: „Meistens brauchen die Menschen ein Organ, wenn sie es selbst nicht mehr spenden können.“ Liese spricht sich dafür aus, junge Menschen zu sensibilisieren. Organspenden sollten auch im Unterricht besprochen werden. Auch er weiß: Organspenden sind „ein ungemein sensibles Thema“ – „man muss über seinen eigenen Tod nachdenken.“ Schon früh müsse man sich klar werden: „Du willst doch nicht, wenn dir etwas passiert, dass sich dein Partner dann damit beschäftigen muss. Mach dir jetzt deine Gedanken.“

Als Transplantationsbeauftragter hat Professor Weber engen Kontakt zur Intensivstation. Er achtet auf Patienten, deren Erkrankung in einem Hirntod münden könnte. Der ist das entscheidende Kriterium: „Die Vollständigkeit des Ausfalls aller Hirnfunktionen sowie deren Unumkehrbarkeit muss nachgewiesen sein.“ Zwei Ärzte müssen, unabhängig voneinander, den Hirntod feststellen. Erst danach darf ein Gespräch mit Angehörigen erfolgen, in dem auch die Frage zur Organspende gestellt werden darf.

Hirntod ist entscheidend

Weber hat als Transplantationsbeauftragter dafür gesorgt, dass das Thema Organspende am Walburga-Krankenhaus selbstverständlicher geworden ist – anfangs gegen Widerstände, wie er sich erinnert: „Heute weiß jeder, dass das eben auch zu unserer Aufgabe gehört.“ Im Mescheder Krankenhaus kommen nur wenige Patienten für eine Organspende in Frage. Denn auf der Intensivstation werden zwar viele Patienten mit Schlaganfall behandelt, sie sind aber nicht hirntot. Und diese Patienten sind meist sehr alt, oft über 80 Jahre. Jüngere Unfallopfer zum Beispiel werden nach der Primärversorgung in die Neurochirurgie nach Siegen oder in Unfallkliniken abgegeben.

Jürgen Kortmann



Kommentare
04.10.2012
20:38
„Die Einstellung ist entscheidend“
von Trompeten-Charly | #1

Dieses "rumgeeiere" .... Wer keinen Spenderpaß mit sich führt, will auch kein Organspender sein - so einfach ist das doch! Dieses gezicke i. d. S. zeigt doch nur, daß hier niemand verstanden hat, welche Grundvoraussetzungen erst einmal in unserer Gesellschaft zum Tragen kommen müssen: Mitleid mit Kranken, straffreie Sterbehilfe usw. ....

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