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Borreliose

„Die Ärzte hören einfach nicht zu“

27.06.2012 | 17:09 Uhr
„Die Ärzte hören einfach nicht zu“

Schmallenberg.   Monika Schulte wurde von einer Zecke gebissen und bekam Borreliose. 13 Jahre lang erkannten Mediziner nicht, woran sie litt.

Der Leidensweg von Monika Schulte ist lang – wie der von vielen Borreliose-Erkrankten. Erst mehr als zehn Jahre nach der Infektion wurde bei der 51-Jährigen aus Schmallenberg die richtige Diagnose gestellt, konnte mit der richtigen Therapie begonnen werden. Zwischendurch hatte man sie, gepeinigt von Schmerzen, als depressiv in die Psychiatrie eingewiesen.

„1993 bin ich von einer Zecke gebissen worden, kurz nach der Geburt meines dritten Kindes“, erinnert sich die Sauerländerin. Sie bekam rasende Kopfschmerzen, Gelenke und Muskeln taten ihr weh und Monika Schulte litt unter Konzentrationsstörungen. Doch die Ärzte, die sie aufsuchte, standen ratlos vor der Diagnose – sie fanden nichts, weil sie offenbar auch nicht richtig wussten, wonach sie suchen sollten. Die Vielzahl der Beschwerden, die Monika Schulte damals schilderte, ließ bei den Ärzten nur den Schluss zu: Psychisch krank. „Ich wurde in die Psychiatrie eingewiesen – wobei ich doch eigentlich nur wahnsinnig wurde vor Schmerzen!“

Jahrelang nahm sie Antidepressiva, erst 2006, dreizehn Jahre nach der Infektion, wurde in ihrem Körper eine außergewöhnlich hohe Zahl von Borrelien nachgewiesen. Seitdem wird sie, insbesondere mit hohen Antibiotika-Gaben, behandelt. „Seitdem ist vieles besser geworden“, sagt sie und klopft dreimal auf ihren Holztisch. „Bis auf die Gelenkzerstörungen, die von der Borreliose angerichtet wurde. Die geht nie wieder zurück.“

2008 gründete Monika Schulte die Borreliose-Selbsthilfegruppe Sauerland, ist im Bundesvorstand des Verbandes Zecken-Krankheiten. Täglich melden sich bei ihr Menschen, die ratlos von ärztlichen Untersuchungen zurückkommen, wo ihnen nicht geholfen wurde. „Die Ärzte hören den Kranken einfach nicht zu“, hat Monika Schulte erfahren. „Sie ignorieren das, was ihnen gesagt wird, bezeichnen die Krankheitsbilder oft als Einbildung.“

Gleiche Erfahrungen hat auch Ute Fischer von der Patientenorganisation „Borreliose und FSME Bund Deutschland“ gemacht. „Die Diagnose ist ein Puzzle“, sagt sie. Und bestätigt aus ihrem Kenntnisstand, dass viele Ärzte davor kapitulieren und Antidepressiva verschreiben. „Für die Pharmabranche lohnt sich das auch viel mehr, denn an diesen Psychopharmaka verdient sie besser als an den bei Borreliose angesagten Antibiotika“, wirft Fischer Ärzten und der Branche vor. Antibiotika ohne Patent gebe es für wenig Geld. Angesichts eines kürzlich veröffentlichten Gerichtsurteils, wonach Geschenke der Pharmaindustrie an Ärzte keine Bestechung sind, klingt das erschreckend.

Monika Schulte von der Selbsthilfegruppe jedenfalls will ihren Kampf für mehr Aufklärung in Sachen Borreliose nicht aufgeben. Auch wenn es immer wieder Rückschläge gibt. Im Mai hatte sie zu einer Fortbildungsveranstaltung für Ärzte in der Region eingeladen. Die Ärztekammer zertifizierte das Seminar. Resonanz: Null. Kein Arzt nahm teil.

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Info: Was tun bei einem Zeckenbiss?

Zeckenstiche spürt man nicht, weil die Zecke die Haut vor dem Zubeißen betäubt. Deshalb sollte der Körper nach einem Besuch in der Natur auf Zecken abgesucht werden.

Zecken sollten mit einer spitzen Pinzette oder Zeckenkarte entfernt werden. Dabei die Zecke nicht zerquetschen. Auch keinen Nagellack, Kleber oder Öl darauf träufeln. Beides führt zu einem verstärkten Ausstoß von Bakterien in den Körper.

Zecken können viele Krankheiten übertragen. Besonders bekannt sind Borreliose und FSME, Frühsommer-Meningoenzephalitis.

Bildet sich in der Nähe der Stichstelle eine Rötung, bewegt diese sich auch zu anderen Teilen des Körpers („Wanderröte“) ist das ein relativ sicheres Zeichen für eine Borreliose-Infektion. Doch: Die Röte entsteht nur bei der Hälfte der Infektionen.

Treten Symptome wie Sommergrippe etc. auf. Sollte ein Arzt aufsucht werden. Borreliose-Experten aus Patientenorganisationen halten eine mehrwöchige (6-8 Wochen) Gabe von Antibiotika für sinnvoll, um Bakterien abzutöten.

Gängige Testverfahren (ELISA) haben keine hohe Verlässlichkeit. Andere Tests wie LTT bezahlen Krankenkassen jedoch nicht.

Vorsorge: Geschlossene Kleidung tragen, oder Insektenschutzmittel mit Zeckenschutz anwenden. Vorsicht: Diese Mittel wirken nur einige Stunden.

Heinz Krischer



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