Dessous lassen Masche eines 36-Jährigen auffliegen

Was wir bereits wissen
Einen merkwürdigen Fund machte die Polizei in der Wohnung eines 36-jährigen Schmallenbergers: Der Mann hatte in seiner Wohnung große Mengen Berufsbekleidung für weibliches Praxis- und Pflegepersonal gelagert, dazu Damenwäsche, Erotik-DVDs und medizinische Geräte, die in der Gynäkologie verwendet werden.

Bad Fredeburg..  Auf die Spur des alleinstehenden Mannes waren die Beamten gekommen, weil er zwischen Dezember 2013 und Januar 2014 immer wieder unter falschem Namen Bestellungen in verschiedenen Online-Shops aufgegeben hatte und die erhaltene Ware anschließend nicht bezahlte.

Psychische Vorerkrankungen

Für seine Bestellungen nutzte der 36-Jährige ein gesondertes E-Mail-Konto und täuschte vor, im Auftrag eines medizinischen Versorgungszentrums zu handeln. Als die Fälle sich dann häuften und der Versandhandel ihm keine Waren mehr zustellte, wechselte er auf die Namen seiner ehemaligen Nachbarn.

In den meisten Fällen orderte er Schwesternkittel und medizinische Untersuchungsgeräte. Durch die nicht gezahlten Rechnungen entstand den Versandhändlern insgesamt ein Schaden von mehreren tausend Euro. Dafür musste sich der Mann nun vor dem Amtsgericht in Bad Fredeburg verantworten. Er erschien ohne Anwalt, aber in Begleitung eines amtlichen Betreuers und mit einem schriftlich vorformulierten Geständnis.

„Mich interessiert, warum sie diese Sachen bestellt haben“, sagte Richter Ralf Fischer in Richtung des Angeklagten. „Wer so etwas macht ist ja irgendwie nicht ganz normal.“ Seine Motive konnte der Angeklagte nicht genau erklären – er sei sich seines Problems aber bewusst und befinde sich bereits in psychotherapeutischer Behandlung. Ein amtliches Gutachten ergab, dass der Mann trotz seiner psychischen Erkrankung voll schuldfähig ist. Er habe zu keinem Zeitpunkt vorgehabt, die Rechnungen zu begleichen und im Bewusstsein gehandelt, mit der Vorspiegelung falscher Tatsachen eine Straftat zu begehen. Da der Mann geständig war und bisher nicht vorbestraft ist, urteilte Richter Fischer mit einer Geldstrafe in Höhe von 900 Euro – obwohl der Schaden um „ein Vielfaches höher“ sei.

Der Mann hat allerdings keine Berufsausbildung abgeschlossen und verdient nur etwa 100 bis 200 Euro pro Monat als Aushilfe in einem Elektro-Betrieb.

Darüber hinaus ist er auf Sozialhilfe angewiesen, seine Finanzen regelt ein amtlicher Betreuer. Sollte er erneut des Betrugs überführt werden oder die Geldstrafe nicht begleichen, müsste er für insgesamt drei Monate in Haft.