Desinteresse von Eltern überrascht Politiker

Integration wirdan Hauptschulen groß geschrieben. Die Umwandlung der St.-Walburga-Schule von einer Bekenntnis- in eine Gemeinschaftshauptschule sollte das verdeutlichen.
Integration wirdan Hauptschulen groß geschrieben. Die Umwandlung der St.-Walburga-Schule von einer Bekenntnis- in eine Gemeinschaftshauptschule sollte das verdeutlichen.
Foto: WR
Was wir bereits wissen
Die St.-Walburga-Hauptschule bleibt eine Bekenntnisschule. Im Ausschuss für Bildung wurde nach Gründen gesucht, warum eine Elternabstimmung zur Umwandlung in eine Gemeinschaftshauptschule scheiterte.

Meschede.. Nach der gescheiterten Umwandlung der St.-Walburga-Hauptschule in eine Gemeinschaftshauptschule nehmen die Politiker die Stadt als Schulträger in Schutz. Das Verfahren sei ordnungsgemäß durchgeführt worden, hieß es im Ausschuss für Bildung: „Die Stadt hat ihre Pflicht und Schuldigkeit getan“, so Vorsitzender Bernd Martin (SPD). Seine Erklärung, warum zu wenige Eltern am Ende an der Abstimmung vor Ort in der Schule teilnahmen, obwohl doch der Antrag dazu zuvor fast von der Hälfte der Eltern unterstützt wurde: „Das ist den Leuten wohl zu lästig gewesen, in die Schule zur Abstimmung zu kommen.“ Die Schule bleibt jetzt weiter eine katholische Bekenntnisschule.

Die Abstimmung ist zwar bindend, aber durchaus wiederholbar, lautet inzwischen die Einschätzung der Stadtverwaltung, so Fachbereichsleiterin Gisela Bartsch. Sie betonte auch, es sei nötig gewesen, das Anschreiben zur Abstimmung für die Eltern offiziell mit dem Briefkopf der Stadt zu versenden. Aus dem Ausschuss kam zuvor die Anregung, ob ein Briefkopf der Hauptschule nicht für mehr Aufmerksamkeit unter den Eltern gesorgt hätte.

Mitteilungen auch auf Türkisch?

Die politischen Reaktionen, das ergaben unsere Nachfragen, reichen von „sehr überrascht“ (Lutz Wendland, MbZ) bis „sehr irritierend“ (Maria Gödde-Rötzmeier, UWG). Die Politiker sind geteilter Ansicht darüber, ob – angesichts eines Migrationsanteils von 63 Prozent an der Walburga-Hauptschule – die Erläuterungen, die die Stadt zur Abstimmung an die Eltern verschickte, nicht nur auf Deutsch, sondern von vornherein auch auf Türkisch hätten verschickt werden müssen. Wie berichtet, ist dies eine Erklärung von Schulleiterin Margot Freise für das Scheitern. Jürgen Lipke (SPD) meint: „Ja, warum sollte man das nicht tun, wenn man doch weiß, dass so viele Eltern Migranten sind.“ Er ist selbst bei der Bundespolizei tätig – die arbeite in ihrer Informationspolitik auch mehrsprachig. Auch für Maria Gödde-Rötzmeier ist mehrsprachige Information eine Pflicht: „Wir müssen allen Eltern alle Chancen geben, sich zu beteiligen.“ „Eine Bringschuld der Stadt ist Mehrsprachigkeit nicht“, sagt Bürgermeister Uli Hess, aber: „Wir lernen dazu.“

Das Schweigen der Kirche

„Keine Extrawürste“ dagegen fordert Mechthild Thoridt (Grüne): „Dann könnte man ja mit zig Sprachen anfangen.“ Sie erwarte von den Schülern, dass diese gegebenenfalls die Informationen für ihre Eltern übersetzten. Lutz Wendland ist unentschlossen: „Wo fängt man an, wo hört man auf?“ Auch er meint, die Kinder müssten notfalls die Übersetzerfunktion wahrnehmen. Das sieht auch Marcel Spork (CDU) so. Er hat die Vermutung, die Eltern hätten zwar im Vorfeld die grundsätzliche Idee einer Umwandlung „aus der Ferne“ unterstützt, „aber die Motivation war dann doch nicht stark genug, um in die Schule zur Abstimmung zu gehen“.

Als „bizarren Vorgang“ wertet Dr. Jobst Köhne (FDP) die gescheiterte Abstimmung. Er meint, „eine Einwanderungsgesellschaft muss keine mehrsprachige Gesellschaft sein“. Und eine traditionsreiche Gesellschaft, sagt er, müsse sich auch „nicht frei machen von all ihren Attributen“ – etwa dem katholischen Bekenntnis. Deshalb wundert sich Köhne am meisten darüber, warum die katholische Kirche zu dem ganzen Thema schweige: „Warum sagt die eigentlich gar nichts dazu?“