Der Graf soll für Schäden aufkommen
01.09.2011 | 17:58 Uhr 2011-09-01T17:58:00+0200
Mülsborn.„Die Lebensqualität hier ist auf den Hund gekommen“, sagt Horst Kleinsorge. In den letzten 14 Tagen ist Mülsborn fünfmal von Schlammmassen überschwemmt worden. Kleinsorge will jetzt den Grafen von Westphalen auf Schadensersatz verklagen.
Zuletzt löste sich vergangenen Freitag nach den Regenfällen wieder Erde vom Langenberg und vom Welsberg und strömte herunter ins Dorf. Kleinsorges 1777 erbautes Haus, unterhalb des Langenberges, verdreckte außen wieder. Ihn trifft es immer. In voller Straßenbreite liefen Schlamm und Wasser herunter – Kleinsorge hat es als Film ins Internet gestellt (www.youtube.com/watch?v=l7iaiUzLr8E). Und diesmal reicht es ihm endgültig: Die Kosten für die Reinigung will sich der Unternehmer vom Grafen als Grundbesitzer der Ackerflächen wiederholen. Weil das Absacken des Berges seit 2006 bekannt sei, spricht er ausdrücklich von „Fahrlässigkeit“. Auch gegenüber am Welsberg plant ein Hausbesitzer eine Klage: Dort wäre der Pächter Heinemann (Horbach) betroffen.
„Das ist eine falsche Landwirtschaft“, wirft Kleinsorge der Gutsverwaltung des Grafen vor. Die zu große, rund 20 Hektar große Fläche am Hang werde immer zur gleichen Zeit bewirtschaftet. Bis zum Wegrand werde gepflügt: „Hier wird geackert bis zur letzten Furche.“ Er würde raten, auf kleineren Feldern unterschiedliche Früchte anzubauen, die zu unterschiedlichen Zeiten geerntet werden – das gäbe dem Langenberg Halt.
Der für Bodenschutz zuständige Fachdienst beim Kreis schreibt, „es liegen Anhaltspunkte für eine schädliche Bodenveränderung vor“. Da die abgeschwemmten Massen von landwirtschaftlichen Flächen stammen, muss nun die Landwirtschaftskammer die fachliche Praxis der Bewirtschaftung bewerten. Die Kammer in Meschede ist eingeschaltet, die Stellungnahme steht aber noch aus.
Höhere Gewalt?
Eine Sprecherin der Landwirtschaftskammer in NRW in Münster erklärte aber auf Anfrage dieser Zeitung, eine von Kleinsorge gewünschte Vorgabe, wie der Graf seine Flächen zu bewirtschaften habe, „geht auf keinen Fall – wo kommen wir denn da hin?“ Dies käme einem Berufsverbot gleich.
„Alle Welt macht die Felder größer, und wir sollen sie kleiner machen?“, fragt Maximilian von Laer, Gutsverwalter des Grafen von Westphalen: „Wir machen eine ordnungsgemäße Landwirtschaft“, betont er. Am Langenberg werde zum Beispiel pfluglos gearbeitet: Die organische Substanz werde nicht untergegraben, sondern bleibe oben liegen und binde somit auch leichter das Wasser. Die Starkregen der vergangenen Wochen sieht von Laer als „höhere Gewalt“ an. Diese lassen die Mülsborner nicht gelten. Kleinsorges Nachbar Josef Böhner hat die Regenmengen in seinem Garten penibel gemessen: An besagtem letzten Freitag waren es gerade einmal 13 Liter – von einem gewaltigen Regen könne da nicht einmal die Rede sein. Ohne die gut funktionierende Nachbarschaft liefe nichts im Dorf. Böhner etwa hält den Graben am Langenberg, wenn die Massen wieder kommen, vor Verstopfung frei. Die aber sind so enorm, dass die Gräben sie nicht bewältigen können. Böhner sagt: „Es verändert sich einfach nichts.“ Anwohner Andreas Köster wird inzwischen schon nervös, sobald es wieder regnet: „Man ist sofort auf Stand-by.“
Teure Säuberungen
Die Mülsborner weisen darauf hin, dass der Steuerzahler für die Kosten der Säuberungseinsätze aufkommen müsse – städtischer Bauhof und Feuerwehr Calle waren immer im Einsatz. „Warum trägt nicht der Verursacher die Kosten?“, möchte Horst Kleinsorge wissen. Von der Feuerwehr aus Calle ist inzwischen der lakonische Rat zu hören, in jedem Mülsborner Haus doch einen Kameraden zu stationieren, damit man nicht mehr ständig ausrücken müsse.
15:40
Das ist sachlich inkorrekt. Es spielt keine Rolle welchen Berg es betrifft, es gilt die Ursache abzustellen und nicht die Symptome zu behandeln.
Konkrekter:
Eine Änderung der Landwirtschaft ist nicht in dem Maße erfolgt, wie es sein müsste. Ansonsten würde es diese heftigen Auswüchse nicht mehr geben. Wir reden hier nicht von einmaligen Vorkommnissen, sondern von regelmäßigen Auswüchsen. Dass dieses an den Nerven der Leute zerrt ist nur logisch. Konsequent wäre eine offene Einstellung der Großlandwirte gegenüber der Bevölkerung. Auch hier gibt es gute Beispiele für ein gemeinsames an den Tisch setzen, um die Probleme gemeinsam zu lösen - im Interesse aller Beteiligten. An Stelle der Mülsborner Bevölkerung würde ich in Konsequenz nicht anders handeln. Es kann und darf nicht sein, dass von höhere Gewalt die Rede ist. Es sind viele Umstände, die - neben anhaltender Witterung - verantwortlich für diese Dinge sind. Also gilt es diese abzustellen und hier sind alle verantwortlich; auch die Großlandwirte, die Verantwortung zeigen sollten. Und das scheint hier nicht der Fall zu sein. Also bleibt nur der Schritt, Druck zu erzeugen - ob per Öffentlichkeitsarbeit oder rechtliche Maßnahmen.
Was allerdings Facebook und Auswüche in diesem Zusammenhang bedeuten sollen, erschließt sich mir nicht. Das Posten von Bildern oder Videomaterial ist Teil unserer Kommunikationslandschaft über die modernen Wege, Mittel und Möglichkeiten. Gott sei es gelobt, dass es diese Wege gibt. Damit auch außenstehende mal sehen, was Wasser uns äußerst günstige Umstände anstellen können.
09:26
Die Wassermassen dürften vom Schatenberg kommen., da der Langenberg durch eine Mulde
das Wasser ableitet. Der häufiger auftretende Starkregen ist auch an vielen Orten ein Problem.
Eine Änderung der Landwirtschaft ist ebenso erfolgt wie dei Umstellung von analoger zur
digitalen Fotographie.Manche Auswüchse in Facebook möchte man auch verbieten.
13:19
1. Der Herr Graf hat genug Land und Geld und ist nicht auf die volle Ausreizung eines einzelnen Feldes, das dadurch offensichtlich und stetig für Schlammlawinen sorgt, angewiesen. Es interessiert ihn offenbar nicht. Beides ist gleichermaßen frech.
2. Steuerlicher und rechtlicher Begünstigung und Schonung für großgrundbesitzenden Adel muss endlich ein Riegel vorgeschoben werden. Wer hat denn einst die 28.000€ für die Fischtreppe am Schloss Laer auf seinem Grund und Boden finanziert? Ebenfalls der Mescheder Steuerzahler.