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Erneuerbare Energien

Schmallenberg wird zum Zentrum des Protests gegen Windräder

26.04.2015 | 21:00 Uhr
Schmallenberg wird zum Zentrum des Protests gegen Windräder
In Schmallenberg-Bödefeld haben sich die Windkraftgegner aus NRW, Hessen und Rheinland-Pfalz versammelt.Foto: Sebastian Konopka

Schmallenberg.   In Südwestfalen treffen sich Windkraftgegner aus NRW, Hessen und Rheinland-Pfalz, um sich für die Energiedebatte mit Argumenten zu rüsten.

Naturdorf Bödefeld. So wirbt der kleine Ortsteil von Schmallenberg im Internet um Touristen. Von der Natur allerdings, so fürchtet man hier, könnte nicht mehr viel bleiben, wenn es so käme, wie im Regionalplan vorgesehen. 50 Windräder würden dann den Ort umgeben, sagt zumindest Michal Schift, Vorstandsmitglied des Naturschutzvereins Schmallenberg.

Womit die Aussichten in Bödefeld eigentlich noch ganz gut wären. Wenn die Energiewende kommt wie geplant, im Jahr 2050 also 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energie stammen, „wird man, egal wo man in Deutschland steht, 130 Windräder sehen können, wenn man sich einmal um die eigene Achse dreht“, behauptet Willi Schmidt, Vorstand von „Vernunftwende NRW“. Wohlgemerkt bei einer Fernsicht von zehn Kilometern.

Es droht die Allgegenwart der Windräder - überall

Vor einem Jahr hat Willi Schmidt daher die Vernunftwende NRW gegründet, damals mit etwa 30 Bürgerinitiativen. 84 gehören dem Landesverband mittlerweile an; 28 davon allein in Südwestfalen.

Ein Zentrum der Windkraftgegner, in dem am Samstagnachmittag Bürgerinitiativen aus Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinlandpfalz zusammen kommen. 170 Gruppen umfassen die drei Landesverbände. 450 Vertreter, so zumindest die Veranstalter, sind zu dieser ersten länderübergreifenden Informationsveranstaltung in der Bödefelder Schützenhalle gekommen. Man wolle die „Schlagkraft“ über die Landesgrenzen hinweg aufzeigen, hofft der Winterberger Willi Schmidt, dass die drei Verbände künftig besser wahrgenommen werden, wenn sie gemeinsam auftreten.

„Gigantischer Flächenverbrauch“

Ein Plan, der an diesem Nachmittag allerdings noch nicht so recht aufzugehen scheint. Vertreter der Landesregierung, Politiker aus Bund, Land oder Kommunen sind der Einaldung nicht gefolgt. Zumindest nicht aus NRW. Aus Rheinland-Pfalz und Hessen sind Landtagsabgeordnete zugegen. Aber die Windkraftgegner bleiben unter sich. „Eigentlich müssten die Befürworter herkommen, damit wir sie mit unseren Argumenten überzeugen können“, räumt NRW-Vorstand Willi Schmidt ein.

Stattdessen können sich die Gegner der Windräder hier mit Argumenten wappnen. Die Bundesinitiative „Vernunftkraft“ hat vier Experten ins Sauerland geschickt, die erklären, warum die Energiewende nicht gelingen kann und welche Folgen der Ausbau der Windenergie für Mensch und Natur hat. Ein Gespann, das schon vielerorts in Deutschland mit Vorträgen gegen die Windkraft aufgetreten ist.

Alle acht Kilometer ein Park mit zehn Rädern

Hauptargument zum Beispiel von Nikolai Ziegler: Um 25 Prozent des Strombedarfs in Deutschland aus Windkraft zu speisen, müsste alle acht Kilometer im Land eine Windpark mit zehn Rädern stehen, rechnet er vor. Das aber bedeute einen „gigantischen Flächenverbrauch“, argumentiert er. „Das Beste in Deutschland, die Natur und der Wald, wird damit zerstört – für eine völlig sinnlose Energiepolitik.“

Worte, für die er im Naturdorf Bödefeld viel Applaus bekommt.

Nina Grunsky

Kommentare
28.04.2015
06:53
Umverteilungstechnik mit grünem Mäntelchen
von SimpleMBA | #4

Bei Wind- und Solarenergie standen von Anfang an die Subventionen im Vordergrund. Und es waren wieder die Bevölkerungsgruppen, die schon seit den 50er...
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5 Antworten
Erschütterndes Halb- und Unwissen
von rockymountain | #4-1

Das kommt davon, wenn man sich nur "Experten" holt, die gegen erneuerbare Energien wettern und empirisch nicht belegbare Behauptungen aufstellen. Dabei täte eine objektive Betrachtung der Tatsachen gut.

Subventionsbereinigt ist die Windkraft heute und in Zukunft die günstigste (und sauberste) Energiequelle. Wer sich genauer informieren möchte hier der Link zu einer Studie des Fraunhofer Instituts: http://bit.ly/1cyP7s4
Außerdem belegen zahlreiche Studien seit Ende der 1980er Jahre, dass sich die heutigen, ausgereiften Serienanlagen in wenigen Monaten auch energetisch amortisieren.
Natürlich ist mit den Anlagen Geld zu verdienen, sonst würden sie nicht gebaut.

Die ganze Welt bewundert Deutschland für die Energiewende, deren Früchte auch unsere Kinder und Enkel ernten werden.
Aber in Bödefeld braucht man aber keine Windenergie, da kommt der Strom aus der Steckdose. Vielleicht würde auch ein schmuckes Braunkohlekraftwerk besser in die schöne Landschaft passen?

Jubelperser der grünen Umverteilung
von SimpleMBA | #4-2

Leider treten immer wieder Zeitgenossen auf, die beim Thema "Speicherung" von Energie die Augen verschließen oder dazu raten, keinen Strom bei einer Dunkelflaute zu gebrauchen oder - noch besser - den Strom zuzukaufen. Es geht um Speicherung z.B. für 14 Tage Dunkelflaute (zB. Oktober 2013) mit 50 GW Durchschnittsenergie, nicht für eine Wolke, die die Solarspiegel gegen mittag kurzfristig abdunkelt. Die Superbilligenergie aus Wind und Strom ist natürlich auch ohne Subvention billiger - deswegen wird sie ja subventioniert. Studien aus den 80ern? Cool, das waren die Anlagen, die nicht mal Erntefaktoren von 1 erreicht haben. Meine Güte, solche Experten braucht wirklich niemand. Ausserhalb Deutschland denken wenige an Bewunderung, sondern sie wundern sich, wenn Deutschland gegen Entsorgungsgebühr den überschüssigen Wind-Strom ins Ausland verschickt.

Don Quijote
von rockymountain | #4-3

Zitat AGORA Studie (u.a. RWTH Aachen): "Der Ausbau der Erneuerbaren Energien muss nicht auf Stromspeicher warten.
In den nächsten 10 bis 20 Jahren kann die benötigte Flexibilität im Stromsystem durch andere Flexibilitätsoptionen (zum Beispiel flexible Kraftwerke, Lastmanagement) günstiger bereitgestellt werden als durch neue Strom­speicher. Erst bei sehr hohen Anteilen von Erneuerbaren Energien werden neue Stromspeicher wirklich benötigt."Zitat Ende Studie unter http://bit.ly/1vtW6vR
Das BMWi sieht in absehbarer Zeit keine Gefahr durch seltene Dunkelflaute Ereignisse.
Die subventionsbereinigte Energiegewinnung aus Wind ist günstiger als Kohle- und Atomstrom, von den Umweltschäden einmal ganz abgesehen. Bei der Braunkohle verzerrt die unglückliche Entwicklung des CO2-Zertifikate Handels (noch) den Vergleich.
Nicht Studien AUS den 80ern, sondern SEIT den späten 80ern belegen den kurzen Amortisationszeitraum.
Das Lob der Internationale Energieagentur (IEA): http://bit.ly/1HU5yUA

AGORA sieht es auch schon ein...
von SimpleMBA | #4-4

Der Direktor der Denkschule für deutsche Energiepolitik „Agora Energiewende“, Herr Dr. Patrick Graichen wird in „Die Zeit“ vom 4.12.2014 zur Energiewende wie folgt zitiert:
„Wir haben uns geirrt bei der Energiewende. Nicht nur bei ein paar Details, sondern in einem zentralen Punkt. Die vielen neuen Windräder und Solaranlagen, die Deutschland baut, leisten nicht, was wir uns von ihnen versprochen haben. Wir hatten gehofft, dass sie die schmutzigen Kohlekraftwerke ersetzen würden, die schlimmste Quelle von Treibhausgasen. Aber das tun sie nicht.“

Für den Normalbürger gibt es noch einen schönen Link mit einer verständlichen Erläuterung der Problematik ohne Nebelkerzen:
https://youtu.be/VPTVbrxWftY

Lesen und verstehen
von rockymountain | #4-5

Das ist vollkommen richtig.
Und wenn man sich seinen Vortrag angeschaut hat oder sich die Präsentation des Berliner Vortrages ansieht wird man feststellen, dass er die Energieerzeugung aus Sonne und Wind nicht im mindesten in Frage stellt. Im Gegenteil, denn Schuld an der Misere, die im Zeit Artikel erläutert wird, ist die Politik. Diese schafft es nicht die steigenden Treibhausgasemissionen der Energiewirtschaft in den Griff zu bekommen.
So verdrängt die Kohleverstromung die notwendigen Gaskraftwerke. Diese sind weniger klimaschädlich und flexibler als Lastsicherung.
Dr. Patrick Graichen fordert einen nationalen Kohle-Konsens und die Reduktion von derzeit 45% auf 19% Anteil an der Stromerzeugung.

Das youtube Video musste ich leider nach ein paar Minuten abbrechen. Hahnebüchener Unsinn! Längst widerlegte Argumente. Herr Ahlborns Kenntnisstand scheint schon in die Jahre gekommen zu sein.

Erneuerbare Energien mit modernen Gaskraftwerken und Lastmanagement sind der einzig richtige Weg

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