„Der evangelischen Gemeinde fehlt ein Anker“

Meschede..  In unserer Serie zum Thema „Was wir glauben“ stellen wir junge Menschen verschiedener Konfessionen vor. Die 26- jährige Juliane Klimpel aus Meschede ist in der evangelischen Gemeinde aufgewachsen, wurde religiös erzogen und hat nach ihrer Jugend den Glauben neu entdeckt.

Heute besucht die Meschederin das Berufskolleg Bergkloster Bestwig, um dort ihre Ausbildung zur Erzieherin zu absolvieren. Es ist ihr wichtig, den Kindern ein Stück Religion im Kindergarten mit auf den Weg zu geben.

War es für dich ein Problem, immer zur kleineren Gruppe zu gehören?

Juliane Klimpel: Im Kindergarten St. Franziskus ist mir kein Unterschied aufgefallen, aber während meiner Realschulzeit ist mir die klare Trennung der Konfessionen bewusst geworden. Wir waren nur ein paar evangelische Schüler und der getrennte, jahrgangsübergreifende Religionsunterricht hat mir ein Gefühl des Andersseins vermittelt.

Welche Themen nehmt ihr im Religionsunterricht während der Ausbildung zur Erzieherin durch?

Hinter dem Unterricht des Bergklosters Bestwig steht viel Menschlichkeit und Offenheit. Es wird akzeptiert, wenn Schüler aus der Kirche ausgetreten sind. Die Themen sind berufsbezogen, so dass wir vom Unterricht etwas in den Kindergartenalltag übermitteln können.

Wie stehst du zu der Zusammenlegung von evangelischen und katholischen Kindergärten und Grundschulen, zum Beispiel die Schule unterm Regenbogen?

Ich betrachte die Zusammenlegung als sehr kritisch. Denn durch die Auflösung der Martin-Luther-Schule fehlt der evangelischen Gemeinde ein Anker und das macht mich nachdenklich. Der Raum ist katholisch geprägt, es gibt nur einen evangelischen Kindergarten in Meschede.

Ist dein Glaube durch deine Familie geprägt worden? Hast du außerhalb davon auch Freunde, mit denen du deinen Glauben leben kannst ?

Durch meine Familie, insbesondere meine Oma, die mit mir gebetet hat, bin ich spielerisch mit dem Glauben aufgewachsen. Schöne Erinnerungen verbinde ich mit den Kinderbibelwochen und den weihnachtlichen Krippenspielen in der Gemeinde Meschede. In meiner Jugendzeit hatte ich eine Lücke im Glauben, denn schließlich setzt man in dem Alter andere Prioritäten. Meine Freundin studiert Theologie auf Lehramt und daher ist sie für mich ein wichtiger Ansprechpartner, wenn es um das Thema Religion geht.

In der Jugend steht die Konfirmation an und ihr dürft frei entscheiden, teilzunehmen oder nicht. Wie stehst du dazu, wenn andere es ablehnen, sich konfirmieren zu lassen ?

Ich akzeptiere diese Entscheidung, denn ich finde es wichtig, die Konfirmation ernst zu nehmen und nicht aus Gruppenzwang oder wegen der Geldgeschenke teilzunehmen. Denn schließlich wird man in die Gemeinde aufgenommen. Ich habe sehr gute Erinnerungen an meinen Konfirmandenunterricht, glaube aber, dass mit der Zeit die Wissensvermittlung bezogen auf das Glaubensbekenntnis an Qualität verloren hat. Ich bin der Meinung, dass das Glaubensbekenntnis sehr wichtig ist, zumal den evangelischen Christen nachgesagt wird, manches nicht ernst genug zu nehmen.

Sicherlich möchtest du gerne kirchlich heiraten. Wie siehst du es, wenn dein Freund einer anderen Konfession angehört?

Mein Wunsch war es, in der Kirche zu heiraten, wo auch meine Taufe stattgefunden hat, und gerne von einem Pastor getraut zu werden, der mich seit Kinderzeiten kennt. Das ist nicht möglich, weil mein Freund konfessionslos ist. Er hat sich in seiner Jugend für den Austritt aus der Kirche entschieden. Das akzeptiere ich, denn es ist mir wichtig, dass wir unsere Glaubensentscheidung gegenseitig respektieren.