Der dritte Datenschutzskandal an der Geisterklinik

Schon zum dritten Mal seit der Schließung im Jahr 2009 kommt es in der Veramed-Klinik zu einem Datenschutz-Skandal.
Schon zum dritten Mal seit der Schließung im Jahr 2009 kommt es in der Veramed-Klinik zu einem Datenschutz-Skandal.
Foto: Jürgen Kortmann
Was wir bereits wissen
In der verlassenen Veramed-Klinik in Beringhausen sind nach Einbrüchen wieder Patientenakten zugänglich. Der WAZ-Mediengruppe liegen entsprechende Dokumente und Informationen vor. Zum dritten Mal seit der Schließung im Jahr 2009 kommt es somit zu einem Datenschutz-Skandal.

Beringhausen.. Sie wird als Geisterklinik bezeichnet. Spuk betreiben dort allerdings nur leibhaftige Menschen: In der verlassenen Veramed-Klinik in Beringhausen sind nach Einbrüchen wieder Patientenakten offen zugänglich. Unserer Zeitung liegen entsprechende Dokumente und Informationen vor. Schon zum dritten Mal seit der Schließung im Jahr 2009 kommt es dort zu einem Datenschutz-Skandal.

Namen und Adressen von krebskranken Patienten, ihre Therapien und der Verlauf ihrer Krankheit - Schicksale werden ausgebreitet vor wildfremden Menschen. Der Landesbeauftragte für den Datenschutz in Nordrhein-Westfalen will jetzt durchgreifen, kündigte er im Gespräch der WAZ-Mediengruppe an: Er wolle sich schnellstens ein Bild vor Ort machen.

Akten sollen nun an einen sicheren Ort

„Wir werden darauf bestehen, dass die Akten auf Dauer an einem sicheren Ort untergebracht werden“, kündigte Pressesprecher Nils Schröder an. Schon einmal hatte die Behörde in dieser Sache ermittelt und Auflagen erlassen: Das war im April 2011, als zunehmend Überweisungen, Röntgenbilder und Patientenakten aus der einsamen Klinik auf Videos im Internet zu sehen waren.

Das ehemalige Krankenhaus übt einen magischen Reiz auf zwei Gruppen von Menschen aus: auf jene, die Industrieruinen, Bunker und verlassene Orte in ihrer Freizeit erkunden, dort filmen und fotografieren und dabei weder vor stockfinsterer Dunkelheit noch vor einem Hausfriedensbruch zurückschrecken. Und auf jene, die dort alles stehlen, was sie mitnehmen können.

Hausfriedensbruch Entsprechend wüst sieht es auf den Fluren aus. Mobiliar ist zerstört, Papiere sind auf dem Boden zerstreut, Scheiben sind zerschlagen. Zugleich wirkt das Gebäude gespenstisch: Medikamente und Infusionen stapeln sich auf Schränken, Beschilderungen zu den Stationen sind erhalten, an einer Ecke befindet sich neuerdings ein riesiger Blutfleck - möglicherweise von einem Eindringling, der sich geschnitten hat.

Eine „Zwischenlösung“, sagt Nils Schröder, habe der Landesbeauftragte für den Datenschutz beim letzten Mal akzeptiert: Im April 2011 wurden sämtliche Patientenakten in zwei Zimmer geschafft, die Türen wurden abgeschlossen, außerdem die Fenster mit Platten verkleidet. Auch wenn es eine Straftat ist: Wer heute in das Gebäude eindringen möchte, braucht keine großen Hindernisse zu überwinden. Seitentüren stehen offen, Fenster auch. Den Zugang zu den Patientenakten zu knacken, gilt da als keine besondere Herausforderung für Profis.

Ein Jahr nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens: In der Pflicht sieht der Landesdatenschutzbeauftragte den Insolvenzverwalter der Klinik. Das Dilemma: Seit der Schließung der Fachklinik will niemand das einsame Gebäude oder das große Gelände haben. Und die Stapel mit Akten früherer Patienten schon gar nicht.