Der Beruf eines Rangers ist die Liebe zum Wald

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Was wir bereits wissen
Im Winter hat der Wald seinen eigenen Reiz. Jeder Schritt knirscht unter den Sohlen, der Schnee schluckt alle Geräusche. Nebel taucht die Landschaft hoch oben am Homertgipfel in unwirkliches Licht. Hier oben ist der Arbeitsplatz von Christoph Nolte.

Eslohe..  120 Kilometer Wanderweg zwischen Wenholthausen und Meinzerzhagen. Der Esloher ist einer von zwei Rangern des Landesbetriebs Wald und Holz auf dem Sauerland-Höhenflug.

Gespräche mit Spaziergängern

Endlich dürfen Carlos und Lenny aus dem Auto. Die beiden Hunde könnten unterschiedlicher nicht sein. Carlos ist fast 12, ruhig, erfahren; Lenny ein neun Monate alter Halbstarker, der ungestüm umhertobt. Das Dreiergespann ist regelmäßig in Wäldern unterwegs. Von acht Arbeitsstunden ist Nolte fünf im Wald. Mindestens. Der Wald ist sein Beruf. Und seine Berufung: Umweltbildung für Kinder und Jugendliche ist die Kernaufgabe eines Südwestfalen-Rangers.

„Ich suche das Gespräch mit allen Waldbesuchern“, sagt Nolte. Der eisige Wind pfeift ihm um den Rangerhut. Er erklärt den Leuten zum Beispiel, warum sie Hunde im Winter nicht freilassen dürfen: Es gibt wenig Nahrung, das Wild fährt den Stoffwechsel herunter. Eine Flucht laugt die Tiere unnötig aus.

Der praktische Nutzen der Natur

Aufgewachsen ist der 50-Jährige in einem kleinen Dorf mitten im Naturschutzgebiet. Zur Grundschule lief er vier Kilometer zu Fuß durch den Wald, auf unbeleuchteten Wegen, mit Taschenlampe und Hund. Die Begeisterung für die Natur, das Leben im Wald, Tiere und Pflanzen sind jetzt Noltes Beruf. Die möchte er weitergeben. Knapp 100 Schulklassen hat er 2014 den Wald gezeigt, was am Wegesrand wächst, zu welchem Tier welche Spur gehört.

„Viele Stadt-Kinder haben Umweltbildung mehr als nötig“, sagt Nolte. Mancher Zehnjährige weint vor Angst, wenn er das erste Mal den Wald betritt. Am Liebsten sind ihm Fälle, bei denen er den praktischen Nutzen zeigen kann. Ein Junge wurde von einem Insekt gestochen, zusammen suchten sie Spitzwegerich, Spucke dazu; das auf den Stich, schon tut es nicht mehr weh.

Einen Vortrag abspulen werde seinem Auftrag nicht gerecht. Viele Schulklassen übernachten in der Jugendherberge Burg Altena. Thema Mittelalter: Die Natur als Lieferant für Heilstoffe.

„Man schützt nur, was man liebt“, sagt Nolte. Später werden Kinder und Jugendliche Verantwortung tragen für den Wald. Besser sie wissen, warum er schützenswert ist. Die Faszination in ihren Augen, „ein gutes Gefühl“, sagt der Esloher.

Auch im Winter, wenn der Wald still ist, gibt es viel zu entdecken. Der Blick reicht weit in die Schonungen. Wie sieht eine Pflanze aus, wenn sie keine Blätter hat? Wie unterscheiden sich Fichten und Tannen? Warum gibt es noch rote Früchte? Probieren, anfassen, riechen, anschauen, empfiehlt der Ranger. „Die Wildrose schmeckt zwar sauer, dient den Tieren aber als Vitamin-C-Speicher.“ Er möchte den Menschen Respekt vor der Natur vermitteln. „Wenn ein Schüler sein Bonbonpapier nicht mehr einfach wegwirft, habe ich schon viel erreicht. Das zeigt ein Umdenken.“

Unverstellter Blick

Einen unverstellten Blick stellt Nolte oft bei Führungen für Menschen mit Behinderung fest. „Sie zeigen mir eine Blume oder einen Käfer, einfach weil er schön aussieht. Man muss nicht alles wissen und wissenschaftlich erklären.“ Das versucht er sich zu bewahren. „Wenn ich im Winter einen Eisvogel sehe oder wie eine Wasseramsel in einem Bergbach taucht, freue ich mich einfach.“ Man muss nur hinschauen.