Dem „Landfraß“ den Kampf ansagen
01.02.2012 | 16:44 Uhr 2012-02-01T16:44:00+0100
Eversberg. Allein im Mescheder Stadtgebiet gehen jede Stunde 44 Quadratmeter, jeden Tag exakt 1057 Quadratmeter an landwirtschaftlicher Nutzfläche durch Versiegelung verloren. Dagegen protestieren die Bauern mit ihrer Aktion „Stoppt Landfraß“
Zum Beispiel Enste-Nord: 20 Hektar werden dort an neuer Gewerbefläche entstehen, hinzu kommen 20 Hektar an erforderlicher Ausgleichsfläche. „Das sind 40 Hektar beste Ackerfläche. Das tut weh“, sagt Josef Schreiber, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes. Die Bauern machen mobil gegen den Verlust an landwirtschaftlicher Nutzfläche.
Gestern stellten sie auf dem Hof von Wilhelm Kotthoff jun. in Eversberg ihre Aktion „Stoppt Landfraß“ vor. Denn allein im Mescheder Stadtgebiet gehen jede Stunde 44 Quadratmeter, jeden Tag exakt 1057 Quadratmeter an landwirtschaftlicher Nutzfläche durch Versiegelung verloren. Das entspricht einer großen Weide, wie Kotthoff gestern auf seinem Gelände anschaulich verdeutlichte. Innerhalb von zehn Jahren nimmt so die Landwirtschaftsfläche in Meschede um 5,7 Prozent ab; das ist angesichts des NRW-Durchschnitts von 3,6 Prozent überdurchschnittlich viel: „Als Produktionsfläche ist das für immer weg“, so Josef Schreiber.
Nein, die Bauern sind keine Wachstumsfeinde, die Industrieansiedlungen und Bebauungen verhindern wollen. Im Gegenteil: „So entstehen Arbeitsplätze“, meinte auch der oberste Landwirt im HSK. Doch statt neuer Gewerbegebiete sollten lieber Industriebrachen zur Ansiedlung genutzt werden. Neue Wohngebiete am Randbereich sollten nur ausgewiesen werden, wenn in den Städten alles ausgeschöpft sei. Bei Verkehrsprojekten solle der Ausbau Vorrang vor dem Neubau haben.
Bei Ausgleichsmaßnahmen für Bauprojekte sollten möglichst keine landwirtschaftlichen Flächen verbraucht werden. Karsten Drews-Kreilman, Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, nannte das Beispiel des Weiterbaus der A 46: Für einen Hektar zusätzlicher Autobahnfläche werden mehr als zwei Hektar an landwirtschaftlicher Fläche als Ausgleich beansprucht. Die Bauern hatten vorgeschlagen, auch geschädigte „Kyrill“-Flächen dafür zu nehmen – „das ließ die starre Planung aber nicht zu“. So gingen am Ende in den Ruhrauen wieder landwirtschaftliche Flächen verloren. „Ausgleichsflächen sind landwirtschaftlich gesehen keine interessanten Flächen“: Sie dürfen nicht mehr intensiv genutzt werden, sondern (meist als Obstbaumwiesen) nur noch extensiv und restriktiv. Und wie solle man künftig die Bevölkerung mit Nahrungsmitteln versorgen? Erstmals, sagte Josef Schreiber, musste Deutschland jetzt zur Deckung seines Bedarfs Getreide aus der EU einführen.
Ein Ziel haben die Bauern schon erreicht. Sie haben, wie gestern bekannt wurde, bundesweit 50 000 Unterschriften für ihre Petition „Flächenverbrauch senken und landwirtschaftliche Nutzflächen schützen“. Damit muss sich der Petitionsausschuss des Bundestages dieses Themas annehmen. Unter www.bauernverband.de gibt es einen link, über den die Petition online unterstützt werden kann.
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