Das Himmelreich ist schon hier angebrochen

Vatertag, Fahrradtouren, Frikadellen, Fässchen, Bollerwagen und Ausflüge – das verbinden wir gemeinhin mit dem Himmelfahrtstag. Aber warum ist Christi Himmelfahrt ein so hoher christlicher Feiertag, dass wir Donnerstag frei hatten? In den Festen des Kirchenjahres gehen wir den Weg Jesu mit. Symbolisch vollziehen wir Schritt für Schritt die einzelnen Etappen. Wir machen uns an jedem Feiertag bewusst: Worum geht es bei diesem Fest? Was bedeuten die damit verbundenen Glaubensaussagen und biblischen Texte heute, für meine Kirche und für mich?


„Aufgefahren in den Himmel“ – so sprechen wir im Glaubensbekenntnis. Wie ich mir eine solche Entrückung vorstelle und ob das bewiesen werden kann, steht dabei nicht im Vordergrund. Wichtig ist, sich diesen bildhaften Glaubenszeugnissen mit offenem Herzen zu nähern. Dann erkenne ich, dass die Vorstellung von der Himmelfahrt ein notwendiger Schritt auf dem Weg Jesu ist.


In der Bibel lesen wir, dass Jesus lebendig ist und sich seinen Freunden zeigt. Danach beginnt sich der Glaube an die Auferstehung auszubreiten. War die Gegenwart Jesu bisher örtlich an Jerusalem und Galiläa gebunden, kehrt er nun zu Gott zurück und überwindet damit alle örtlichen grenzen. Er wirkt nun allumfassend, für die ganze Welt.


Ein weiterer Gedanke ist mir wichtig: Zu Weihnachten hat Gott sich in dem kleinen Kind Jesus die Welt zur Heimat gemacht. Am Karfreitag ist Jesus ganz bewusst in den Tod gegangen und hat damit auch das, was in der Bibel „Totenreich“ heißt, zu seinem Herrschaftsgebiet gemacht.


Zu Ostern hat Jesus den Tod überwunden. Und mit der Himmelfahrt kehrt der Christus zurück in den Himmel, zu Gott. Damit wird deutlich: Das alles gehört zusammen. Alle Orte sind mit Gottes Gegenwart gefüllt. Der Himmel steht denen offen, für die Jesus gelebt hat, für die er gestorben und auferstanden ist.


Was gibt es am Himmelfahrtstag zu feiern? Für mich ist es dies: Der Himmel ist kein ferner Ort mit einem distanzierten Gott, den wir nur mit viel Glück nach dem Tod kennenlernen werden. Sondern das Himmelreich ist schon hier angebrochen, und Gottes Gegenwart verändert unser Leben schon jetzt. Der Himmel steht offen – für uns.


Ein offenes Herz dafür wünscht
Pfarrer Hans-Jürgen Bäumer, Evangelischen Kirchengemeinde Meschede