Das „große Ganze“ im Blick haben

J etzt ist sie da: „Laudato si“, die Umweltenzyklika von Papst Franziskus. In seinem Lehrschreiben entwickelt der Papst eine ganzheitliche Ökologie, die sich nicht nur auf Natur- und Klimaschutz beschränkt, sondern auch das „große Ganze“ im Blick hat.


„Gelobt seist Du, mein Herr, durch unsere Schwester, Mutter Erde, die uns erhält und lenkt und vielfältige Früchte hervorbringt und bunte Blumen und Kräuter.“ Das Zitat aus dem Sonnengesang des Hl. Franz von Assisi leitet die Enzyklika „Laudato si – Über die Sorge für das gemeinsame Haus“ ein, gibt ihr den Namen und wird gleichzeitig zu ihrem Programm. Denn diese Schwester und Mutter „schreit auf wegen des Schadens“, den man ihr weltweit zufügt. Sie werde geplündert, verletzt, krank gemacht. Deshalb wendet sich Papst Franziskus mit seinem Schreiben auch nicht nur an die Katholiken oder alle Christen, sondern an jeden Menschen, „der auf diesem Planeten wohnt“.


„Laudato si“, das klingt heute nach dem fröhlichen Klassiker des neuen Geistlichen Liedes. Der Sonnengesang des Hl. Franz ist kein naives Lob der Natur, sondern ein Lob Gottes durch seine Schöpfung. Franziskus greift in dieser Dichtung, in der Gott durch „Bruder Sonne“ und „Schwester Mond“, durch „Bruder Feuer“ und „Schwester Wasser“ gelobt wird, biblische Texte auf, so den Dankpsalm 148.


Das Loblied wendet sich auch gegen das dualistische Weltbild der Katharer, einer Bewegung, die zu Franz‘ Zeiten in Italien und Frankreich aufkam: Scharf trennten sie die schlechte diesseitige Welt vom eigentlich Guten, das es nur bei Gott und im Jenseits gebe – eine Sicht, die die Kirche schon früh verworfen hat. In den Kontext dieser Frömmigkeit stellt Papst Franziskus seine Enzyklika eine klare, auch theologische Ansage: Franziskus folgt nicht einem von seinen Kritikern konstatierten „grünen Zeitgeist“ und stellt sich auch nicht in den Dienst einer weltlichen Lobby. Vielmehr sieht er wie sein heiliger Namenspatron in der Schöpfung die Größe und Güte Gottes widergespiegelt: Christlich verantwortete, ganzheitliche Umweltethik heißt den Schöpfer im Geschöpf zu ehren, und aus diesem Geist, Sorge für das gemeinsame Haus zu übernehmen.
Michael Kloppenburg, Referent für Jugend und Familie im Dekanat Hochsauerland-Mitte