Das direkte Gespräch mit Gott suchen

W o betet man am besten? Schaut man in die Bibel, findet sich scheinbar schnell eine Antwort. Sämtliche Propheten und Jesus selbst beteten am besten in der Einsamkeit, in der Stille.


In unserer immer lauter werdenden Welt ist es gar nicht mehr so einfach, einen Ort der Ruhe zu finden. Der Gang in den Wald, wo so mancher meint, ebenso beten zu können wie in der Kirche, scheint da nicht die schlechteste Lösung. Aber eben die Kirchen selbst sollen auch solche Orte der Stille sein, wo man beten, mit Gott sprechen kann.

Und wenn ich nun einen solchen Ort gefunden habe? Was dann? Wie und was bete ich am besten? Nach dem Beispiel des Samuel sind viele der Meinung, man müsse vor allem schweigen und darauf lauschen, was Gott einem sagen will. Aber ob dies das Richtige ist, hängt, so meine ich, auch davon ab, in welcher Phase sich meine Beziehung zu Gott befindet. Ja, auch die Beziehung zu Gott macht eine Entwicklung durch und diese Entwicklung ist in manchem ähnlich der Beziehung zu einem Mitmenschen.

Wenn ich jemanden neu kennen lerne, verbringe ich wohl kaum die Zeit im Schweigen mit ihm oder ihr. Man redet miteinander, will etwas voneinander erfahren. Stehe ich am Anfang meiner Gottesbeziehung sollte ich zu Gott sprechen, wie zu einem guten Freund, in gewisser Weise so wie Don Camillo es tat, auch mal laut aussprechen, was ich zu sagen habe.

Selbst wenn mir bewusst ist, dass Gott alles von mir weiß und mich besser kennt als ich mich selbst, sollte ich mit Gott sprechen. Ich kann über einen lieben Menschen etwas von Dritten erfahren. Doch wenn dieser Mensch es mir selbst sagt, werden die Innigkeit der Beziehung und das Vertrauensverhältnis, das besteht, erkennbar.
Das direkte Gespräch hat neben dem Informieren noch eine andere Dimension. Eine Antwort Gottes wird nicht für die Ohren hörbar sein, aber wahrnehmbar für den, der an die Gegenwart Gottes in dieser Welt glaubt. Das wortlose Verstehen, wie man es manchem Ehepaar nachsagt, kommt (wenn überhaupt) erst nach vielen Jahren des Kennens und gegenseitigen Liebens.

Immer wieder einen Ort, wo sie ungestört zu und mit Gott reden können und gute Gespräche mit ihm wünscht Ihnen


Ullrich Birkner,
Bad Fredeburg,

Pastor im Pastoralverbund

Schmallenberg-Eslohe