Darum gibt es keinen Karnevalszug mehr in Meschede

Meschede..  Der Karneval schöpft in Meschede aus einem überaus reichen Traditionsfundus. Träger von Narrenkappen greifen schon weit vor Beginn der Fastenzeit, nachweisbar schon um 1800, in den Ablauf des Alltagslebens ein. Die Obrigkeit erließ Verhaltensregeln, um den Rest der Bevölkerung vor allzuviel Albernheit zu schützen. Aber noch so viel Ernsthaftigkeit stoppte die Sauerländer keineswegs.

Der Chronist berichtet sogar von zwei Karnevalsvereinen, die 1861 die Mescheder (2200 Einwohner) erfreuten. Die kleinere Gesellschaft mit Namen „Et mot anders goen“ stellte sich im Umzug am Rosenmontag ab 10 Uhr dem Publikum vor. Die Darbietungen gefielen und machten Lust auf den Umzug am Nachmittag. „Et gäit nit anders“, so der Name der alt eingesessenen Traditionsgesellschaft, präsentierte sich in gewohnter Manier. Mit mehr als 20 zwei- bis vierspännig gezogenen Wagen stellten sich diese Aktiven ihrem Publikum vor. Es entwickelte sich ein typischer Straßenkarneval, wobei die Person des „Kladeradatsch“ als Verbindung zwischen Aktiven und Zuschauern beitrug.

Die fünfte Jahreszeit 1897, Meschede zählte 3000 Einwohner, zeigt uns Fotos vom Straßenkarneval. Politik und Alltagsthemen wechselten sich ab. Aus 1914 (3500 Einwohner) liegen uns umfangreiche närrische Berichte vor.

Mit viel Freude und Ausgelassenheit erlebten die Kreisstädter ihren Karneval, nach 25 Jahren der Unterbrechung, 1939 (6325 Einwohner) zum letzten Mal. Diese Lücke wird wohl auch in Zukunft nicht mehr geschlossen, denn immer dann, wenn in Meschede der Karneval sich in Form von Umzügen darbot, passierten auf der Weltbühne große kriegerische Auseinandersetzungen. Eine Begründung, die sich in historischen Eckpunkten belegen lässt. Also feiern die Mescheder in Sälen, und die Kinder geben Weiberfastnacht durch ihr Lüttgefastnacht mit Spießsingen auch nach außen ein bunt schillerndes Aussehen. Archiv Bernd Schulte