„Dahinter steckt immer viel Leidenschaft“
06.09.2012 | 18:12 Uhr 2012-09-06T18:12:00+0200
Bestwig. Für 35 Projekte in Meschede, Bestwig, Eslohe und Schmallenberg hat der Verein „Vier mitten im Sauerland“ bereits Gelder zusagen können. Fünf Projekte sind aktuell noch in der Warteschleife, zum Beispiel die Dorfkneipe in Eslohe-Kückelheim und der Dorftreff in Westernbödefeld. Der Verein kann auf Mittel aus dem „Leader“-Programm der Europäischen Union zurückgreifen. Wir zogen mit Regionalmanager Stefan Pletziger eine Zwischenbilanz.
Für 35 Projekte in Meschede, Bestwig, Eslohe und Schmallenberg hat der Verein „Vier mitten im Sauerland“ bereits Gelder zusagen können. Fünf Projekte sind aktuell noch in der Warteschleife, zum Beispiel die Dorfkneipe in Eslohe-Kückelheim und der Dorftreff in Westernbödefeld. Der Verein kann auf Mittel aus dem „Leader“-Programm der Europäischen Union zurückgreifen. Wir zogen mit Regionalmanager Stefan Pletziger eine Zwischenbilanz.
Haben Sie ein Lieblingsprojekt?
Wir haben viele gute Projekte. Aktuell bin ich von der Idee des neuen „Hubertustreffs“ in Eslohe-Kückelheim sehr angetan. Dort hat man die Idee der Ostwiger Dorfkneipe „Kumm Rin“ aufgegriffen. Durch solch ein ehrenamtliches Engagement halten wir unsere Dörfer, besonders die kleinen, am Leben. Wichtig ist uns bei solchen Projekten jedoch, dass wir keiner privat betriebenen Kneipe schaden. So ein Projekt würden wir sicher in keinem Dorf fördern, wo es noch eine funktionierende Kneipe gibt.
Ist denn noch Spielraum für weitere Projekte da?
Eine Million Euro standen uns zu Beginn 2009 zur Verfügung. 75 Prozent dieser Mittel sind vom Vorstand verplant. Für gute Ideen aus den Dörfern ist also noch etwas Geld da. Bis Sommer 2013 können sie noch bei uns eingereicht werden. Projektträger haben anschließend noch bis 2015 Zeit, ihre bewilligten Projekte zu Ende zu führen. Eventuell haben wir im nächsten Jahr noch die Chance, nicht aufgebrauchte Leader-Mittel aus anderen Regionen zu bekommen. Das ist allerdings noch nicht sicher.
Was zeichnet denn unsere Ideen gegenüber denen in anderen Regionen aus, die auch gefördert werden?
In NRW liegen wir beim Mittelabfluss, also dem Geld, dass tatsächlich in Projekte fließt, unter den besten drei der zwölf Leader-Regionen. In anderen Regionen geht das Geld oftmals nur in einzelne Großprojekte. Hier bei uns empfinde ich das bürgerschaftliche Engagement als besonders hoch. Uns zeichnen viele kleine Projekte aus. Da können wir stolz drauf sein. So gelingt uns auch der so genannte „bottom-up“-Ansatz: Die Ideen kommen von der Basis her und können mit Leader-Geldern verwirklicht werden.
Entstehen Projekte nicht womöglich erst dadurch, dass jetzt Geld zur Verfügung steht? Besteht nicht die Gefahr künstlicher Projekte, die eigentlich niemand braucht?
Nein, ich denke nicht. Bei den Projekten müssen die Vereine oder die Kommunen immer 45 Prozent Eigenmittel aufbringen. Das ist zu viel Geld, um künstliche Projekte zu entwickeln. Die Projektträger sind immer zutiefst von ihren Projekten überzeugt. Natürlich höre ich immer wieder aus anderen Dörfern die Kritik, dass dieses oder jenes Projekt überflüssig sei. Aber diese Kritik gibt es ja nicht nur bei Leader: Projekte, die unmittelbar im eigenen Dorf stattfinden, sind immer wichtiger als die im Nachbardorf. Das ist zwar Kirchturmdenken – ist aber leider so. Die Idee, ein bestimmtes Projekt realisieren zu wollen, war in der Regel schon vor Leader da, allerdings war sie finanziell nicht machbar. Bestes Beispiel ist der „Felsenkeller“ in Reiste. Der SGV dort trug sich lange mit dem Gedanken, konnte aber die komplette Aufarbeitung des Felsenkellers nicht allein stemmen. Hinter solchen Projekten steckt immer viel Leidenschaft.
Wer noch Ideen verwirklichen möchte: Was muss dabei beachtet werden?
Zum einen die 45-Prozent-Kofinanzierung, die gewährleistet sein muss. Jede Idee sollte ein Alleinstellungsmerkmal haben oder eine gewisse regional übergreifende Wirkung besitzen. Es können auch Projekte gefördert werden, die einen Vorbildcharakter für andere haben. Nehmen Sie die gelungene Gestaltung der Fußgängerunterführung in Meschede. Sie ist nicht, wie manche befürchtet haben, beschmiert worden, sondern erfreut viele Mescheder und Gäste. Das ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie andere Kommunen dieses Mescheder Pilotprojekt für sich entdecken könnten. Triste Betonflächen gibt es schließlich auch anderswo.
Werden sich Meschede, Eslohe, Bestwig und Schmallenberg 2014 um eine Fortsetzung, um eine neue Teilnahme bei „Leader“ bemühen?
Die Stimmung für eine nächste Phase ist sehr positiv in unserer Region. Man muss sich allerdings komplett neu beim Land NRW für die nächste Förderphase bewerben. Leicht wird das nicht, weil viele ländliche Regionen in NRW mittlerweile verstanden haben, welche Vorteile eine Leader-Förderung hat. Aber ich hoffe, wir können mit unseren Erfahrungen der letzten Jahre punkten. Die Entscheidung, ob wir Leader weiter machen wollen, liegt grundsätzlich erstmal bei meinem Vorstand, den vier Bürgermeistern und natürlich den Räten.
Würden Sie dann wieder die Projekte koordinieren wollen?
Mein Vertrag als Regionalmanager läuft erstmal bis Ende 2013. Ich würde mit meiner Familie schon gerne im Sauerland bleiben und mir macht die Arbeit für die Region viel Spaß. Unabhängig von meiner Person wäre mir wichtig, dass ein Regionalmanagement weiter erhalten bliebe. Das ist eine Schnittstelle, um die Kooperation unter den Kommunen zu verbessern. Und das ist aus meiner Sicht bisher gut gelungen und sollte weitergeführt werden.
0mitdiskutieren