Brand durch Zigarette – "Da muss man doch keinen Aufstand machen"

Feuerwehrleute aus dem gesamten Stadtgebiet rückten im März 2014 zum Brand in der Straße Am Gaswerk an.
Feuerwehrleute aus dem gesamten Stadtgebiet rückten im März 2014 zum Brand in der Straße Am Gaswerk an.
Foto: WP
Ein Mann schläft mit Zigarette im Bett ein und verursacht einen Brand in einem Mehrfamilienhaus. Von Reue ist bei der Gerichtsverhandlung keine Spur.

Meschede.. Beinahe wäre er selbst verbrannt oder erstickt. Er hat ganz viel Glück gehabt, dass er heute noch am Leben ist. Es ist ein Freitagabend im März 2014, als in seiner Wohnung ein Feuer ausbricht. Der Frührentner hatte sich angetrunken ins Bett gelegt, sich eine Zigarette angezündet – danach war er eingeschlafen. Zwölf Menschen gerieten damals in dem Mehrfamilienhaus in der Straße Am Gaswerk in Lebensgefahr.

Reue? „Ich war besoffen und bin eingepennt, das kann ja mal passieren“, sagt der Mann bei seinem Strafverfahren am Dienstag vor dem Amtsgericht. „Das war nur ein bisschen Blödheit.“ Richter Philipp Weidlich grätscht dazwischen: „Da hätten Leute verletzt oder getötet werden können.“ – „Ach“, entgegnet ihm der Angeklagte, „da hätte man jetzt mit dem Prozess nicht so einen Aufstand machen müssen, ist ja nicht passiert.“ Es sind Sätze, die ihn später noch einholen werden.

Mit Bier zur Verhandlung

Als der Angeklagte den Gerichtssaal betritt, riecht es nach Alkohol. „Haben Sie etwas getrunken?“, will die Vertreterin der Staatsanwaltschaft zu Beginn wissen. „Ja, klar, eine Flasche Bier, ich bin seit Jahren Alkoholiker“, gibt der Mann offen zu. In der Unglücksnacht hatte er 1,2 Promille im Blut, so steht es in den Akten der Polizei. Betrunken liegt der Mann auf seiner Matratze im ersten Stock des Mehrfamilienhauses und macht genau das, wovor die Feuerwehr immer warnt: im Bett rauchen. Er schläft weg, die glühende Zigarette fällt ihm aus der Hand. Sie setzt das Bett in Brand, das Schlafzimmer, Teile der Wohnung und des Gebäudes. Putzt platzt ab, Plastik schmilzt, Holz verkohlt.

Im letzten Moment wacht der Mann auf, kann sich aus den Flammen retten und einen Nachbarn verständigen. Es folgt ein Großeinsatz: Fast 80 Feuerwehrleute aus dem Stadtgebiet Meschede rücken an, dazu zehn Rettungskräfte des Deutschen Roten Kreuzes. Am Ende muss eine Frau vorsorglich im Rettungswagen behandelt werden, alle bleiben unverletzt. Die Wohnung brennt vollkommen aus.

„Wissen Sie, was die Renovierung gekostet hat?“, hält die Anklägerin dem Mann vor. Er zuckt nur. „Es interessiert Sie nicht, weil Sie es ohnehin nicht bezahlen“, stellt sie fest. „Ich kann es auch nicht bezahlen“, pflichtet ihr der Angeklagte bei. Er bezieht knapp 450 Euro Rente, erhält zusätzlich Grundsicherung.

450 Euro an die Staatskasse

Davon muss er jetzt monatlich Geld abzwacken – Staatsanwaltschaft und Gericht bestrafen die ihrer Ansicht nach mangelnde Einsicht: „Sie haben Leute konkret gefährdet“, so die Anklägerin. „Sie sind sich der Gefahr offenbar überhaupt nicht bewusst“, urteilt Richter Weidlich. Er verhängt wie von der Staatsanwaltschaft gefordert vier Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung wegen fahrlässiger schwerer Brandstiftung. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre. 450 Euro Geldbuße an die Staatskasse muss der Angeklagte außerdem abstottern.

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