Bombenalarm versetzt Bürger in Angst

Schmallenberg..  Zu den schrecklichsten Erlebnissen zählt für Schmallenberg die Eroberung der Stadt durch die Amerikaner am Samstag, 7. April 1945. Der Zweite Weltkrieg zog bereits am Karfreitag, 30. März 1945, den grollenden Kanonendonner auf sich. Eine Chronik.

Ostersonntag, 1. April 1945

Am Ostermorgen gegen 11 Uhr erscheinen feindliche Bomber am Himmel. Am Nachmittag kommen Gerüchte auf. Man spricht von Kämpfen um Oberkirchen. Westfeld sei bereits genommen und die Amerikaner ständen in ein oder zwei Tagen in Schmallenberg.

Ostermontag 2. April 1945

Am Ostermontag sieht man Flieger über Schmallenberg, und der Kanonenlärm bricht sich dumpf widerhallend an den sauerländischen Bergen. Es hat den Anschein, als wenn sich hinter dem Wilzenberg in der Oberkirchener Gegend schwere Kämpfe abspielen. In der Nacht zum Dienstag gibt es die ersten Artillerieeinschläge am Aberg.

Dienstag, 3. April 1945

Die Schmallenberger sichten weitere feindliche Flieger und flüchten vorsichtshalber in die Schiefergrube am Aberg, in den Felsenkeller unterm Huckelberg, in Gruben, Höhlen und in ihre Keller. An diesem Tag wird auch das Feldlazarett Sokolow aus Polen nach Schmallenberg verlegt. Der feindliche Beschuss wird gegen Abend stärker, die Einschläge kommen immer näher.

Mittwoch, 4. April 1945

Der Mittwoch ist recht ruhig, doch abends kommt ein langer Militärzug mit Abwehrwaffen aller Art an und wird in der Nacht entladen.

Donnerstag, 5. April 1945

Die Aufstellung von Panzerwagen auf den Höfen und die neuen Artilleriestellungen näher bei der Stadt lenken auch den feindlichen Beschuss mehr auf die Stadt selbst. Die dramatische Folge: Am frühen Morgen zwischen 3 und 4 Uhr beginnt die Beschießung der Stadt. Granaten pfeifen durch die Luft, kaum noch jemand wagt sich auf die Straße. Wer nach 8 Uhr morgens raus muss, kann nur unter Lebensgefahr von einem Haus zum anderen springend. Aber nur wenige wagen es, für die meisten beginnt das Leben unter der Erde. Das Feldlazarett im Kinosaal Habbel und viele Häuser in der Unter- und Mittelstadt, fast alle auf der Ostseite, und die Kirche werden getroffen. Granatsplitter fordern die ersten zivilen Todesopfer.

Freitag, 6. April 1945

In den frühen Morgenstunden besetzen die Amerikaner Grafschaft, nachmittags auch den Wilzenberg, Winkhausen, Niedersorpe und Holthausen. Langsam rollen jetzt ringsum Panzer heran. Gegen 9 Uhr beginnt wieder der Beschuss, viele Häuser, besonders in der Unterstadt, und stürzen ein. Die Soldaten verschanzen sich in Häusern, feuern durch die Kellerfenster. Die Lage ist besonders bedrohlich für die Verwundeten in den Lazaretten, die Luftschutzkeller bieten nicht genug Platz für die vielen Verletzten.

Samstag, 7. April 1945

Die Nacht von Freitag auf Samstag wird zur schwersten Belastung für Bürger und deutsche Soldaten. Phosphorgeschosse hageln auf die Stadt nieder. Kaum eine Minute vergeht ohne neue Einschläge. Um 6 Uhr brennt plötzlich das Haus von Karl Mönig an der Oststraße 45, es brennt bis auf die Grundmauern nieder. Auch die Jugendherberge und die Häuser Brüggemann, Rath und Bergenthal gehen in Flammen auf.

Gegen 11 Uhr besetzen die Amerikaner in der Unterstadt die ersten Häuser, die ersten Panzer rollen den Werth herauf, wo man sich heftige Kämpfe liefert. Die Amerikaner stoßen weiter vor, immer mehr Häuser stehen in Flammen. Eine Rettung ist nicht möglich, jeder hat mit sich selbst genug zu tun. Zudem ist kein Wasser da und der Beschuss wird immer stärker. Am Himmel tauchen amerikanische Jagdbomber auf und zielen auf den Bahnhof. Die Detonationen der Bomben ließen die Häuser der Umgebung bis in die Grundmauern erbeben. Den Amerikanern gelingt es unter dem Schutz der Flugzeuge über das Amtshaus vorzustoßen und die Straßen weiter hinauf zu besetzen. Sie treiben die Anwohner mit erhobenen Händen in die Kirche, wo diese zu ihrer Überraschung sehen, dass bereits amerikanische Soldaten ein Feuer angelegt haben, um Kaffee zu kochen.

Gegen 14 Uhr haben die amerikanischen Soldaten die gesamte Stadt eingenommen. Verwundete werden nach dem Kampf in den Lazaretten versorgt und die vielen noch herumliegenden Toten auf dem Friedhof bestattet. In den kommenden Tagen beginnen die Aufräumarbeiten, die noch mehr als ein Jahr lang dauern werden.