Blinzeln und die Augen zusammenkneifen

Hier wird einem kleinen Jungen eine Brille angepasst.
Hier wird einem kleinen Jungen eine Brille angepasst.
Foto: Jakob Studnar
Was wir bereits wissen
Im Interview erläutert der Mescheder Augenarzt Dr. Gerd Felgemacher, wie man Fehlsichtigkeit bei Kindern erkennt und was man dagegen tun kann.

Meschede.. Bei Jugendlichen ist Fehlsichtigkeit stark verbreitet. Insbesondere Mädchen brauchen häufiger eine Sehhilfe als Jungen. Das hat eine Studie der Techniker-Krankenkasse ergeben. Dr. Gerd Felgemacher ist Augenarzt in der Augenklinik in Brilon und auch in Meschede in der ehemaligen Praxis von Dr. Rudolf Herrmann tätig. Im Interview schätzt er die Geschlechter bedingte Fehlsichtigkeit ein und zeigt auf, woran man eine beginnende Fehlsichtigkeit erkennt.

Haben Sie auch den Eindruck, dass immer mehr Jugendliche, insbesondere Mädchen, eine Sehhilfe benötigen?

Dr. Gerd Felgemacher: Nein, mein subjektiver Eindruck in unserer Klinik bestätigt das nicht. Da gibt es keine großen Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Woran könnten die höheren Verschreibungszahlen für Mädchen liegen?

Möglicherweise ist die jeweilige Mentalität ausschlaggebend. Jungen tragen nicht so gerne eine Brille und Mädchen bewerten ihre Sehleistung eventuell kritischer. Dadurch lassen Mädchen ihre Augen eher untersuchen als Jungen.

Was sind die ersten Anzeichen einer Fehlsichtigkeit?

Wenn Kinder oder Jugendliche häufig die Augen zusammenkneifen oder blinzeln, kann das ein Anzeichen für eine Kurzsichtigkeit sein. Der durch das Blinzeln entstehende Lochblendeneffekt verbessert die Sehsituation kurzzeitig. Oftmals treten dadurch Beschwerden auf. Weitsichtigkeit ist bei jungen Menschen in der Regel kein Problem. Ein junges Auge hat eine gute Naheinstellungsreaktion, wodurch es die Fehlsichtigkeit ausgleichen kann. Durch die Naheinstellungsreaktion bewegen sich die Augen zueinander. Doch ab einer bestimmten Höhe der Weitsichtigkeit können dadurch Beschwerden auftreten. Eine Schielneigung kann sich einstellen oder ein Schielen ausgelösen.

Nimmt die Fehlsichtigkeit mit dem Alter zu?

Hier muss man zwischen Weit- und Kurzsichtigkeit unterscheiden. Die Kurzsichtigkeit beginnt häufig im Alter von zehn oder elf Jahren. Da das Auge noch wächst, nimmt die Kurzsichtigkeit in der Regel zu, bleibt aber oft ab einem Alter von 16 bis 18 Jahren stabil. Bei der zweiten Gruppe beginnt die Kurzsichtigkeit erst mit 17 oder 18 Jahren. Hier entwickelt sie sich weiter bis etwa zum 25. Lebensjahr und ist dann meistens stabil. Weitsichtigkeit hingegen kann schon bei der Geburt vorliegen. Im Laufe des Lebens kann sich durch das Längenwachstum des Auges die Weitsichtigkeit abschwächen. Meist entdeckt man sie mit dem Einritt ins Schulalter und korrigiert sie mit einer Brille. Schielen kleine Kinder, sind sie meistens weitsichtig. Eine augenärztliche Untersuchung sollte schnellstmöglich erfolgen, damit durch eine entsprechende Behandlung eine dauerhafte Sehschwäche vermieden werden kann.

Welche Möglichkeiten gibt es, Sehschwächen zu korrigieren?

Da gibt es natürlich in erster Linie Brillen und Kontaktlinsen. Aber auch operative Eingriffe. Wir können an der Hornhaut lasern, chirurgisch eine zusätzliche Linse in das Auge einpflanzen oder die Linse durch ein Implantat ersetzen. Da muss im Einzelfall überprüft werden, welche Methode sich am besten für den jeweiligen Patienten eignet. In beiden Fällen ist es jedoch entscheidend, dass die Fehlsichtigkeit stabil ist. Ist sie das nicht, ist es sehr wahrscheinlich, dass nach kurzer Zeit wieder eine Restfehlsichtigkeit entsteht. So lange sollte man als Patient unbedingt warten, um ein gutes Ergebnis zu bekommen.