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Bioenergiedorf in Wallen wächst

09.02.2012 | 18:51 Uhr
Bioenergiedorf in Wallen wächst
Bioenergiedorf Wallen: Heizanlage mit Lager für Holzhackschnitzel und Blockheizkraftwerk.

Wallen.Das Bioenergiedorf wächst. Rund ein Viertel der Haushalte hat die Genossenschaft bereits angeschlossen.

Die erste Nutzerin von insgesamt 104 war Maria Hense. „Eine saubere, bequeme Sache“, freute sich die Wallenerin. Die Öltanks hat eine Firma bereits zerkleinert, gereinigt und abgebaut. Nichts riecht mehr. 40 Jahre Öl im Keller - davon merkt man jetzt nichts mehr.

Nur auf dem Boden sieht man noch die Markierungen. Und im Regal liegt noch der Zollstock, „mit dem haben wir früher nachgemessen, wie viel Öl noch im Tank war“, sagt sie. Jetzt nimmt sie ihn, um nachzumessen, wie groß die neue Heizungsanlage noch ist: 60 mal 80 Zentimeter misst der kleine graue Kasten an der Wand - und da lässt sich auch bequem ablesen, wie viel Heizungsenergie Familie Hense in den vergangenen zehn Tagen bereits verbraucht hat: 996 kw/h.

Ihre Wärme kommt jetzt aus einer schmalen Wasserleitung - auf der einen Seite fließt das heiße Wasser rein, auf der anderen Seite fließt es zurück in den Kreislauf, dazwischen wird durch einen Wärmetauscher Energie für warmes Wasser und die Wohnungsheizung entnommen. Insgesamt 30 000 Kubikmeter Wasser pumpt die Heizzentrale durch den Ort.

Etwa 1000 Meter weiter steht das Energiezentrum des Ortes, das mittlerweile in Teilen seine Arbeit aufgenommen hat. Auch dort spielt Wasser eine große Rolle: Noch einmal 30 000 Kubikmeter fasst allein der Wärmevorratsspeicher. Die Hauptenergie kommt aus dem Blockheizkraftwerk Seemer, das direkt an das Energiezentrum angebaut ist. „Hier werden die Gase der Biogasanlagen verbrannt“, erklärt Arnold Donner. „Den Strom speist der Landwirt ins Netz, wir nutzen die Abwärme, die sonst einfach verpufft wäre.“

Im Herz des Energiezentrums lässt sich ablesen, welche Temperaturen sich aus dem Prozess entwickeln: 80 Grad ist die Vorlauftemperatur des aufgeheizten Wassers.

Zurzeit ist es rattenkalt, da reicht die Wärme des Blockheizkraftwerkes (BHKW) nicht mehr - es schafft bis zu 190 KW. Zusätzlich kommen nun die Holzhackschnitzel zum Einsatz. Rund 1500 Kubikmeter - etwa die Größe von zwei Einfamilienhäusern - bunkern die Wallener in ihrem Energiezentrum, 800 KW Leistung kann der Ofen bringen.

Zurzeit stochert er ordentlich. Noch nicht im Einsatz ist der Ölbrenner, sein zehn Meter hoher Schornstein wurde beim Besuch des Kraftwerks gerade montiert. „Doch der übernimmt nur im Notfall, wenn das BHKW und Holzhackschnitzelheizung beide nicht genug Energie liefern sollten“, erklärt Donner.

Auf dem Dach blinkt derweil die Photovoltaikanlage. Ihr Strom fließt allerdings nicht zurück in den Ort, sondern ins allgemeine Netz. In den nächsten Wochen werden nach und nach alle 104 Häuser an das Heizkraftwerk angeschlossen. „Etwa zwei Anschlüsse am Tag strebt das beauftragte Unternehmen an“, sagt Pressesprecherin Mechthild Giesmann. Und zufrieden verweist sie auf den knappen Zeitplan: „Nicht mal sechs Monate hat es gedauert vom ersten Spatenstich bis zum ersten Hausanschluss.“

Ute Tolksdorf

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