Bier, Schnaps, Glücksspiel

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Meschede..  „Bei einem Verbot müsste man überlegen, ob man den Laden schließt.“ Markus Heuer betreibt seit zwei Jahren die Kneipe „Alt Meschede“. Neben Bier, Schnaps und Dartscheiben gehören auch zwei Spielautomaten zum Inventar. „Natürlich sind die eine wichtige Einnahmequelle“, erklärt Heuer: „Eine Einschränkung würde uns treffen.“

Der Deutsche Städtetag fordert ein Verbot von Spielautomaten in Kneipen und Gaststätten. Der Grund: Rund eine halbe Million Menschen in Deutschland leidet unter Spielsucht. Drei Viertel geben an, dass Geldspielgeräte der Einstieg waren.

Die Leiterin der Landeskoordinierungsstelle Glücksspielsucht NRW, Ilona Füchtenschnieder, begrüßt deswegen den Vorstoß: „In der Gastronomie lernen viele die Spielautomaten kennen. Außerdem wird auch der Jugendschutz in den Kneipen selten eingehalten.“

In Meschede ist die Zahl der Glücksspiel-Automaten in der Gastronomie allerdings seit dem Jahr 2006 deutlich zurückgegangen. 51 Geräte lockten damals Gaststätten-Besucher, nun sind es nur noch 9 (Stand 2012). Im Gegenzug dazu ist die Anzahl der Automaten in Spielhallen von 83 auf 130 gestiegen. 2011 waren es sogar 147. Ilona Füchtenschnieder sieht den Grund für diese Entwicklung in der sich wandelnden Gastro-Szene: „Die Raucher-Eckkneipen werden immer weniger.“

Versucht Automaten zu knacken

Bei „Kotthoff’s Theo“ gab es mehrere Gründe dafür, dass der Spielautomat vor fast drei Jahren abgeschafft wurde. Den Ausschlag gab ein Einbruch. „Die Täter haben auch versucht, den Automaten zu knacken“, sagt Inhaberin Anna Kotthoff: „Deswegen habe ich beschlossen, das Gerät als scheinbaren Anziehungspunkt abzuschaffen.“ Denn auch der Anteil an den Einnahmen sei nur noch gering gewesen. „Man sagt, dass man früher mit den Spielautomaten die Pacht bezahlt hat“, erklärt Kotthoff: „Dies war bei mir aber nicht mehr der Fall.“

Die Stadt sieht momentan keinen Handlungsbedarf und fühlt sich mit der überarbeiteten Vergnügungssteuersatzung gut aufgestellt. „Sollten die Spielautomaten in der Gastronomie aber gesetzlich verboten werden, müssten wir die Regelung natürlich umsetzen“, sagt Sprecher Jörg Fröhling.

Es geht um den Erstkontakt

Auch Ilona Füchtenschnieder merkt an, dass es bei dem Verbot nur um den Erstkontakt geht. Um wirklich etwas gegen die Spielsucht zu unternehmen, wäre es ein wichtiger Schritt, dass sich Betroffene deutschlandweit in allen Spielhallen sperren lassen können. Deshalb findet sie die weitere Forderung des Städtetags, in Spielhallen nur noch Unterhaltungsspiele zu erlauben, die keine Gewinnmöglichkeit eröffnen, sehr gut. Wobei sie einräumt: „Das wird sich nicht durchsetzen lassen, dafür ist die Spiele-Lobby zu groß.“