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Silvester in Köln

Betroffene: „Diese widerlichen Kerle haben noch gelacht“

07.01.2016 | 11:11 Uhr
Betroffene: „Diese widerlichen Kerle haben noch gelacht“
Chaotische Szenen im Schatten des Kölner Doms. Zahlreiche Menschen versammeln sich am Silvesterabend auf dem Bahnhofsvorplatz. In Gruppen werden dort Frauen sexuell belästigt und ausgeraubt.Foto: dpa

Eslohe/Köln.   Für die 20-jährige Marie Plugge beginnt der Silvesterabend in Köln so, wie sie ihn sich vorgestellt hat - doch dann wird er zum reinsten Horror.

Für die 20-jährige Marie Plugge aus Eslohe und ihre sechs Freundinnen beginnt der Silvesterabend in Köln so, wie sie ihn sich vorgestellt haben: Die jungen Frauen im Alter zwischen 19 und 21 Jahren feiern erst privat, dann auf der Deutzer Brücke. „Die Laune war super“, sagt Marie Plugge. Erst als die Mädels gegen 1 Uhr in Richtung Dom gehen, habe sich die Silvesternacht zu einer „Horrornacht“ entwickelt.

„Es war kaum möglich, irgendwo herzulaufen, ohne angequatscht und belästigt zu werden - nicht nur am Bahnhof oder am Dom“, berichtet die 20-Jährige. „Wir sind schon in den Einkaufsstraßen und den Nebenstraßen angefasst, umzingelt und verfolgt worden“, erzählt sie und ergänzt: „Niemand von denen hat Deutsch geredet.“ Diese „widerlichen Kerle“ seien komplett hemmungslos gewesen. „Einer Freundin haben sie unter ihr Kleid gefasst, allen anderen größtenteils direkt in den Schritt“, so Marie Plugge.

Mädchen steckten sich aus Angst ein Messer in die Tasche

„Wir haben - wie viele andere auch - am Anfang nicht wirklich gecheckt, was dort abgeht“, sagt die Esloherin. Deswegen seien sie nicht umgekehrt. Als sie auf dem Weg zum Dom noch schnell eine Pizza essen, nehmen sich aber heimlich eines der Messer mit. „Sicher ist sicher!“ Zum Einsatz kommt es in dieser Nacht Gott sei Dank nicht.  

Marie Plugge aus Eslohe. Foto: Privat

Die jungen Frauen werden auf ihrem weiteren Weg immer wieder von fremden Männern belästigt und auch noch ausgelacht. „Je näher wir an den Dom gekommen sind, desto schlimmer wurde es“, erinnert sich Plugge. Geärgert hat sie sich auch über die Polizei: „Als wir einen Streifenwagen entdeckt haben und hin wollten, ist der einfach weggefahren“, sagt sie.

Polizei war offenbar mit der Situation überfordert

Silvester-Übergriffe in Köln
Sex-Angriffe auf Frauen - der Silvester-Alptraum von Köln

Hunderte Männer belästigten an Silvester 2015/2016 Partygängerinnen am Kölner Hautbahnhof. Berichte und Hintergründe zur Skandal-Nacht.

Bei ihrer weiteren „Flucht“ durch die Stadt sei ihnen dann ein wehrloses Mädchen aufgefallen, das von zwei Männern weggezogen wurde. „Das haben wir zum Glück verhindern können. Weiß Gott, was die sonst mit ihr gemacht hätten“, sagt die Esloherin.

„Sowas Furchtbares in einem solchen Ausmaß habe ich noch nie erlebt und möchte es auch nicht noch einmal erleben“, sagt Marie Plugge. Niemand sei dort sicher und die Polizei überfordert gewesen. Sie sei immer noch schockiert.

"Wir mussten ständig die Richtung wechseln"

„Was denken solche Leute über deutsche Frauen?“ Sie wolle es gar nicht wissen. Erst als Marie Plugge und ihre Freundinnen eine Gruppe mit deutschen jungen Männern trifft, hat der Horror für sie ein Ende. Von diesem Moment an seien sie in Ruhe gelassen worden. „Vorher mussten wir ständig die Richtung wechseln, um uns den widerlichen Griffen der Männer zu entziehen“, berichtet sie.

Einsatzprotokoll
Kölner Polizei befürchtete sogar Tote in der Silvesternacht

Der Einsatzbericht eines Kölner Polizisten von Silvester wirft ein neues Licht auf die Ereignisse – und auf das Verhalten der Polizei.

Um halb fünf am Morgen kommen die jungen Frauen schließlich in ihrer Wohnung an. Gefahren sind sie dorthin mit der S-Bahn. „Das war in dieser Nacht immer noch besser und sicherer als durch die dunklen Gassen zu laufen“, sagt Marie Plugge.

Kein Karneval in Köln

Man merke immer mehr, dass niemand mehr einen Plan habe, „wer in diesem Land eigentlich rum läuft“, lautet ihre deutliche Kritik an der Politik.

Anzeige haben die jungen Frauen nicht erstattet. „Das bringt doch sowieso nichts“, sagt die 20-Jährige. Eigentlich wollte sie in wenigen Wochen Karneval in Köln feiern. „Das hat sich jetzt für mich erledigt!“

Frank Selter

Kommentare
07.01.2016
20:07
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von Moderation | #20

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2016-01-07 11:11
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