Beim Diebstahl den Autoschlüssel vergessen

Im  Amtsgericht Meschede
Im Amtsgericht Meschede
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Was wir bereits wissen
Der Dieb, der im Bernhard-Salzmann-Haus den Autoschlüssel vergaß, war jetzt im Mescheder Amtsgericht nicht zu ermitteln.

Meschede..  Auf den ersten Blick klingt die Anschuldigung fast lustig: Da stiehlt jemand aus einem Zimmer-Schließfach im Bernhard-Salzmann-Altenheim 40 Euro und den Familienschmuck – und lässt seinen Autoschlüssel liegen. Doch der Angeklagte aus Bremen, der im Prozess jede Aussage verweigerte, war nicht zu überführen. „Die Indizienkette ist einfach zu lückenhaft“, sagte Richter Philipp Weidlich. „Ein Urteil wegen Diebstahls könnte ich nicht begründen.“ Ihm und der Staatsanwältin waren die Bauchschmerzen anzumerken.

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Auch die bestohlene Seniorin, die vor allem den Verlust der Erinnerungen „aus 67 Jahren Ehe“ bedauerte, war mit dem Urteil nicht zufrieden: „Ich habe mich hier schlecht behandelt gefühlt“, schimpfte sie zum Abschluss. „Ich frage mich, wer hier Opfer und wer Täter war.“ Sechs Mal war der Prozess verschoben worden, zweimal waren sie und ihre Tochter aus Velbert als Zeugen umsonst ins Gericht gekommen.

Tat liegt ein Jahr zurück

Im April des vergangenen Jahres hatte die 90-jährige Bewohnerin des Altenheims Besuch von ihrer Tochter. Gemeinsam machten sie einen Spaziergang und waren etwa eine Stunde später wieder im Zimmer. Dort suchte die Rentnerin ihr Portemonnaie und stellte dabei fest, dass das Schließfach aufgebrochen war, Börse und Schmuck fehlten.

Als die Tochter genauer nachsah, fiel ihr aus einem Wäschestapel ein Autoschlüssel entgegen. Die herbeigerufene Polizei konnte diesen einem vor dem Altenheim geparkten Ford Ka zuordnen. Doch die Besitzerin lebt in Bremen. Vor Gericht gab sie als Zeugin jetzt an, das Auto dem Angeklagten am Tattag geliehen zu haben. Eigentlich habe er es am Abend zurückbringen wollen, „doch dann hat er sich gemeldet und gesagt, er habe den Autoschlüssel verloren.“ Sie gab ihm abends noch den Ersatzschlüssel und am nächsten Nachmittag stand das Auto wieder vor ihrem Haus.

Wie der Schlüssel in das Zimmer der Seniorin gelangte und wer die Wertgegenstände gestohlen hat, dazu gab es keine Auskunft, was der Anwalt des Angeklagten auch deutlich machte: „Sie haben keine Indizien, nur den Schlüssel“, betonte er mehrmals. Dagegen brachte er einen möglichen zweiten Täter ins Spiel, der zuvor mit dem Angeklagten gesehen worden war. Die Staatsanwältin wies ihrerseits auf das einschlägige Vorstrafenregister des Angeklagten hin. Seit 1985 war er immer wieder wegen Diebstahls, Hehlerei und Fahrens ohne Fahrerlaubnis verurteilt worden.

Er ging als freier Mann und nahm äußerlich ungerührt die letzten Worte von Richter Philipp Weidlich auf: „Sollten Sie sich erneut etwas Ähnliches zu schulden kommen lassen, wird es für Sie sehr eng.“