Begründer der Textilindustrie

Schmallenberg..  Franz Kayser gehört zu den Begründern der modernen Strick--Industrie in Schmallenberg. Er wurde am 6. Juli 1835 in Serkenrode geboren und starb am 14. August 1922 in Altenbochum.

Neffe von Caspar Störmann

Er war der Neffe des Schmallenberger Stadtrentmeister Caspar Störmann, der mit seinem Schwager Emmerich Bitter aus Schönholthausen zusammen als Begründer der Strickwarenindustrie gilt. Ohne sie hätte Schmallenberg noch lange den Charakter einer kleinen Acker- und Handwerkerstadt behalten und wäre zur Bedeutungslosigkeit herabgesunken, wenn nicht der harte Sachsenwille seiner Bewohner eine neue Verdienstmöglichkeit geschaffen hätte: Am 6. November 1850 hatten Störmann und Emmerich auf Veranlassung und mit Unterstützung der Regierung den Bau der ersten „Wollspinnfabrik“ in Schmallenberg begonnen. Sie legten damit den Grundstein für die heutige hoch entwickelte Textilindustrie.

Die ersten Fabrikate waren hauptsächlich Walkjacken, die auf Rundstühlen angefertigt und zur Festigung gewalkt wurden. Ein Sachse namens Grosser hat den ersten Rundstuhl aus seiner Heimat nach Schmallenberg gebracht.

Von großer Bedeutung für die Fortentwicklung der noch jungen Industrie war die Einführung der „Strickerei“ – in Schmallenberg vorangetrieben durch Franz Kayser.

Kayser war zunächst in der Walkerei seines Onkel Caspar Störmann beschäftigt. Mit seinem Bruder Hermann Kayser gründete er um 1870 eine eigene Strickerei. Nach 1880 taucht der Name Kayser für viele Jahre in der Firmenbezeichnung Didam, Kayser und Bitter auf, nach 1900 schließlich bis in die Jahre nach dem Ersten Weltkrieg in dem Firmennamen Kayser und Vogt.

Um 1868 hatte Franz Kayser auf der Leipziger Messe eine amerikanische „Lamb’sche Strickmaschine“ gekauft und ließ sie nach Schmallenberg schaffen. Er kam nachts zu Hause an und weckte seinen Bruder Hermann, um ihm das Wunderding zu zeigen. Der aber meinte, damit wäre wohl doch kaum etwas anzufangen.

Betriebsanleitung fehlte

Franz Kayser stellte die neue Errungenschaft in seinem Hause, dem Kayserschen Hause, genannt Klagges, heute Café König in der Weststraße, auf und machte sich an die Arbeit – doch seine Enttäuschung muss groß gewesen sein. Da eine Betriebsanleitung zu der Maschine ebenso fehlte wie Fachleute, die sie hätten bedienen können, bereitete die erste Begegnung mit ihrer technischen Neuheit den Schmallenbergern arges Kopfzerbrechen. Besondere Schwierigkeiten machte die Deckelferse. Nach einem Vierteljahr schließlich gelang es dem Dachdecker Caspar Rüsse, der ein geduldiger Tüftler gewesen sein muss, die Lamb’sche Strickmaschine in Gang zu setzen und einen Strumpf darauf zu stricken.

Die ersten namentlich genannten professionellen Maschinenstricker waren übrigens Wilhelm Balzer-Lönzen und Caspar Hesse (später Barbier Hesse). Die erste Strickerin war Elisabeth Dameris, die ältere Schwester von Sophie Stecker.

1870 schrieben Schmallenberger Krieger nach Hause, im Felde würden „Störmann’sche Jacken“ und „Kaysersche Socken“ getragen. Schon bald sah man auch in den Schaufenstern der Großstädte „Schmallenberger Socken“ ausgestellt und angepriesen.

Der Heimatforscher Frenn Wiethoff regte schon vor dem Zweiten Weltkrieg an, eine Straße nach dem Begründer der Schmallenberger Strickwarenindustrie zu benennen. Es dauerte aber noch ca. 35 Jahre bis diese Anregung am Baugebiet Wormbacher in die Tat umgesetzt wurde.

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