Bauarbeiter trotzen extremen Temperaturen

Wennemen..  An die 45 Grad misst das Thermometer in der Sonne. Für viele ist dann ein ruhiger Schattenplatz Gold wert. Doch was machen die Leute, die bei der vollen Sonneneinstrahlung arbeiten müssen? Ein Besuch auf der A 46-Talbrücke bei Wennemen.

Während sich ein oberkörperfreier Arbeiter auf der Talbrücke im Pausenraum mit Sonnenmilch einreibt, ist der Rest auf der Brücke verteilt und arbeitet, wie so viele Bauarbeiter unter der stechenden Hitze. „Unser Polier ist gerade auf dem Radlader und kehrt“, sagt der Mann, der eine Pause eingelegt hat. Kehren ist gar kein Ausdruck. Die Brücke auf der A46 ist stellenweise in einem weißen Staubkleid umhüllt.

Der Polier Thorsten Koller übt den Beruf schon seit langer Zeit aus. Der 50-jährige aus dem hessischen Vogelsberg arbeitet für die Firma Strassing-Limes, die seit mehr als 60 Jahren bundesweit im Straßen- und Tiefbaugeschäft tätig ist. Zurzeit modernisiert das Unternehmen die 29 Jahre alte Talbrücke bei Wennemen. Neben der Stammkolonne der Firma sind noch Arbeiter von Subunternehmen dort tätig.

In der Woche verbringen die Arbeiter oft zehn Stunden auf der Baustelle. „Bei solchen Temperaturen bringst du keine Leistungen mehr - das langt irgendwann“, sagt Koller mit seinem deutlich hörbaren mittelhessischen Dialekt.

Manche Arbeiten sind sogar erst ab fünf Uhr nachmittags möglich. Dann erst können Brückenteile mit einem so genannten Epoxidharz bearbeitet werden. Denn dieser Stoff reagiert bei hoher Temperatur viel schneller, kann aber nach der Aushärtung nicht erneut verformt werden. „Braun werden wir umsonst und kriegen sogar Geld dafür“, sagt Koller mit einem breiten Grinsen. Er rät seinen Arbeitskollegen viel zu trinken, mehr Pausen zu machen und auch mal zwischendurch in das Brot oder den Apfel zu beißen, obwol der Appetit bei dem Wetter nicht immer groß ist.

Der Polier trinkt jeden Morgen Wasser mit einer Magnesiumtablette und zusätzlich täglich drei bis fünf Liter.

Mehr Pausen einlegen

Als Koller jünger war, hat er es mal mit einem richtigen Sonnenstich zu tun gehabt. „Mir wurde schwindelig und ich bekam Kopfschmerzen“. Ein ehemaliger Kollege brachte ihn in die Unterkunft und dort kam er auf die fatale Idee unter die Dusche zu gehen. „Sobald die ersten Tropfen aus dem Duschkopf kamen, bin ich zusammengeklappt.“ Koller hatte Angst, dass ihn keiner findet, doch ein Kollege hat ihn dann doch entdeckt und einen Notarzt gerufen.

Sein Vater hat dasselbe gemacht

„Brückensanierung ist aufwändig. Da brauchst du erfahrene Leute“, sagte Koller, der seit 27 Jahren als Polier arbeitet. Schon sein Vater sanierte Brücken. Die Brückensanierung ist ein Saisongeschäft, das von April bis Oktober läuft. Es sei nicht einfacher geworden: „Früher gab es vielleicht fünf bis sechs Anbieter“, sagte der 50-Jährige, „heute sind es mindestens 20.“