„Bargeld ist ein Stück geprägte Freiheit“

Gehört die Kasse mit Euro-Scheinen und Münzen schon bald der Vergangenheit an? Eher nicht. Das Vertrauen der Deutschen in Banknoten ist ungebrochen.
Gehört die Kasse mit Euro-Scheinen und Münzen schon bald der Vergangenheit an? Eher nicht. Das Vertrauen der Deutschen in Banknoten ist ungebrochen.
Foto: picture alliance / dpa
Was wir bereits wissen
Für die heimischen Banken ist die Abschaffung des Bargelds noch kein Thema. Man könne ohne Bargeld klarkommen, heißt es, aber das will niemand. Dabei wäre vieles praktisches und günstiger.

Meschede.. Wissenschaftler diskutieren zurzeit über die Abschaffung des Bargeldes. Ein Vorteil - niemand könnte Negativzinsen ausweichen, indem er einfach das Bargeld abhebt. Manches wäre sicherlich praktischer und für die Kreditinstitute auch günstiger. Trotzdem, so betonen Sparkassendirektor Heinz-Dieter Tschuschke und Claudia Wilmers vom Marketing der Volksbank Sauerland: „Die Abschaffung des Bargeldes ist für uns kein Thema.“

Kann man die Entwicklung hin zur „bargeldlosen“ Zahlung in Ihrem Institut in Zahlen fassen?

Heinz-Dieter Tschuschke: Das ist schwierig, weil wir die Bezahlvorgänge unserer Kunden nicht kennen. Aber natürlich können wir sagen, dass die Zahl der Kartenzahlungen zunimmt. Über 80 Prozent aller Barauszahlungen erfolgen inzwischen am Automaten. Wenn Sie allein auf den Beruf des Kassierers blicken, den gab es früher in jeder Filiale: Heute haben wir noch einen echten Kassenplatz in der Hauptstelle. Laut Bundesbank werden aber 80 Prozent der Bezahlvorgänge bar abgewickelt.

Claudia Wilmers: Wir stellen aber auch fest, dass Menschen ihr Verhalten hierzulande beim Bezahlen von Waren und Dienstleistungen nur langsam ändern. Die Nutzungsquote unserer Geldautomaten sowie der Rückfluss an Hartgeld sind nach wie vor sehr hoch. Veränderungen vollziehen sich bisher nicht revolutionär, sondern evolutionär in kleinen Schritten. So ist Bargeld immer noch das Zahlungsmittel Nr. 1. Allerdings werden auch kleinere Beträge immer öfter mit Karte bezahlt und beim Onlinekauf wird auf die Internetbezahlverfahren zurückgegriffen.

Wird über die Bargeld-Abschaffung in Ihrem Hause überhaupt diskutiert?

Claudia Wilmers: Nein, bisher nicht. Unser Hauptaugenmerk beim baren und unbaren Zahlungsverkehr liegt ganz klar bei Effizienz und Sicherheit. Wir meinen, die Entscheidung für oder gegen ein Zahlungsinstrument sollte beim Verbraucher liegen.

Heinz-Dieter Tschuschke: Meiner Meinung nach ist das eine Diskussion, die ausschließlich von der Wissenschaft in den Markt getragen wird.

Sehen Sie auch als Vertreter der lokalen Kreditinstitute trotzdem Vorteile in der Abschaffung?

Heinz-Dieter Tschuschke: Die Geldbearbeitung - und -verwaltung ist eine unserer teuersten Dienstleistungen. Geld muss gezählt, sortiert, getrennt werden. Die Sicherheitsstandards der Bundesbank sind sehr hoch. Deshalb forcieren wir die Aufstellung der Geldautomaten und von Kartenzahlverfahren.

Claudia Wilmers: Die Handhabung ist einfacher, die umständliche Bargeldbeschaffung entfällt, Zahlungen können schnell und sicher erfolgen und Abbuchungen sind auch später möglich.

An jedem Marktstand eine Kartenlesegerät, in der Eisdiele für jede Kugel Eis die Scheckkarte zücken, und was ist mit Blumenfeldern zum Selberpflücken? Wird man auf Bargeld wirklich - wie jetzt in Dänemark diskutiert - ganz verzichten können?

Heinz-Dieter Tschuschke: Technisch ist das sicher möglich. Die Frage ist nur, ob die Menschen es auch wollen. „Bargeld ist ein Stück geprägte persönliche Freiheit“, sagt zum Beispiel der Ökonom Lars Feld.

Claudia Wilmers: Wir müssen dazu nur einen Blick in den Norden werfen. Dort verzichtet man schon jetzt größtenteils aufs Bargeld. Die Schweden sind bereits so weit, dass in etlichen Kirchen das Kartenlesegerät den Klingelbeutel verdrängt hat. Ein Leben ohne Bargeld ist sicher möglich, die Frage ist nur, ob wir Deutschen das wollen.