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Aufsichtsräte mit Aussicht auf mehr Gewinn überzeugen

29.06.2012 | 16:55 Uhr
Aufsichtsräte mit Aussicht auf mehr Gewinn überzeugen
Sie kämpfen um den Erhalt der Dehler-Werft: Links Fritz Kramer von der IG Metall, rechts Betriebsratsvorsitzender Stefan Odoj. Foto: Jürgen Kortmann

Freienohl.   „Wir kämpfen bis zur letzten Minute“, kündigt der Dehler-Betriebsratsvorsitzende Stefan Odoj an. Für den Kampf mit der Geschäftsführung der „Hanse-Yacht“ in Greifswald hat die Belegschaft Munition gesammelt. „Ihr habt kein Konzept“, wirft Odoj der Unternehmensleitung vor. Um im Bild zu bleiben: Was man in Greifswahl plane, sei „ein Schnellschuss“ gewesen. Odoj, seine 84 Kollegen und die IG Metall wollen die angekündigte Schließung der Dehler-Werft und deren Verlagerung an die Ostsee verhindern.

„Wir kämpfen bis zur letzten Minute“, kündigt der Dehler-Betriebsratsvorsitzende Stefan Odoj an. Für den Kampf mit der Geschäftsführung der „Hanse-Yacht“ in Greifswald hat die Belegschaft Munition gesammelt. „Ihr habt kein Konzept“, wirft Odoj der Unternehmensleitung vor. Um im Bild zu bleiben: Was man in Greifswahl plane, sei „ein Schnellschuss“ gewesen. Odoj, seine 84 Kollegen und die IG Metall wollen die angekündigte Schließung der Dehler-Werft und deren Verlagerung an die Ostsee verhindern.

Nicht einmal der Betriebsrat in Greifswald hat Kenntnis von einem durchdachten Konzept für eine Verlagerung. Die Entscheidung zur Produktionsverlagerung sei „wider besseren Wissens getroffen oder auf Basis falscher, respektive geschönter Informationen geplant worden“, haben die Freienohler Beschäftigten an die Unternehmensführung geschrieben – mit Durchschrift an die Aufsichtsräte der Beteiligungsgesellschaft „Aurelius“ in Bayern, die hinter der „Hanse-Yacht AG“ steckt. Die Aufsichtsräte sollen überzeugt werden: Die Kosten für eine Verlagerung und die Risiken im Qualitätsbereich seien viel zu hoch. Stattdessen würde sich mehr Gewinn machen lassen, wenn am Standort in Freienohl investiert würde.

„Yachtbauer sind keine betriebswirtschaftlichen Analphabeten“, sagt IG-Metall-Sekretär Fritz Kramer. Zig Argumente haben die Beschäftigten für Freienohl gesammelt. In drei Jahren sei es nicht gelungen, die Standorte in Freienohl und Greifswald kompatibel zu machen, wirft die Geschäftsführung vor: Ehrlicherweise, so Odoj, räume diese ein, die Fehler dafür lägen nicht in Freienohl, „aber euch machen wir zu.“ Wenn es Gründe für eine fehlende Integration gebe, sagt der Betriebsratsvorsitzende, „ja, dann ändert sie doch!“

In Greifswald werde man Schiffbruch erleiden, glaubt er: „Dort gibt es eine andere Technik in der Bauweise. Wir kennen hier viele Handgriffe, die nicht dokumentiert sind. Das steht auf keinem Papier.“ Wie soll dieses „Kopfwissen“ von Freienohl nach Greifswald transferiert werden, wenn niemand bereit ist, den Standort zu wechseln?

Der glasfaserverstärkte Kunststoff für den Rumpf der Dehler-Boote soll künftig vom Hanse-Yacht-Werk im polnischen Stettin bezogen werden – „dann ist es Aus mit dem „Made in Germany“. Das versucht man, herunterzuspielen“, so Odoj. Gerade noch seien in Freienohl viele Aufträge für Messeschiffe eingegangen: Einige Händler bestehen darauf, dass die Dehler-Boote vom ersten Tropfen Harz bis zur letzten Schraube aus Freienohl kommen.

Jetzt richtet Belegschaft Jubiläum aus

Bisher ist der Belegschaft von Dehler-Geschäftsführer Dr. Peter Barth signalisiert worden, der Beschluss zur Verlagerung sei „unumkehrbar“. Bereits ab 1. Juli sollte in Freienohl die Fertigung von glasfaserverstärktem Kunststoff enden, ab August soll die Endmontage verlagert werden. Halt, sagen Betriebsrat und Gewerkschaft: „Vor dem Abschluss eines Interessenausgleiches dürfen gar keine Fakten geschaffen werden“, sagt Fritz Kramer. Um für einen möglichen Interessenausgleich unabhängige Informationen zu erhalten, wird jetzt erst einmal ein externes Gutachten in Auftrag gegeben, in dem die Pläne der Geschäftsführung unter die Lupe genommen werden.

In diesem Jahr hätte übrigens ein Jubiläum gefeiert werden sollen: 50 Jahre Yachtbau in Freienohl. Es sollte eine Riesenfeier werden. Mit den Plänen für eine Verlagerung hat die Geschäftsführung die Feier gestoppt. Jetzt zieht auch hier die Belegschaft die Initiative an sich: Im Sommer wird in eigener Regie dieses Jubiläum begangen. „Wir haben schließlich eine Vision“, sagt Stefan Odoj: „Es geht weiter.“

Von Jürgen Kortmann

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