Auf der Suche nach dem Alter des Bergbaus

Archäologische Untersuchungen bei Ramsbeck sollen Klarheit über Bergbaugeschichte bringen.  Der Archäologe Dr. Peter Haupt zeigt auf eine der Pingen, eine der Gruben, in denen im Mittelalter Erz abgebaut wurde.
Archäologische Untersuchungen bei Ramsbeck sollen Klarheit über Bergbaugeschichte bringen. Der Archäologe Dr. Peter Haupt zeigt auf eine der Pingen, eine der Gruben, in denen im Mittelalter Erz abgebaut wurde.
Foto: WP
Ob auch die Römer schon in Ramsbeck waren und Erz schürften? Was wäre das für eine wissenschaftliche Sensation und was für zusätzliche Werbung für den Ort. Gerade untersuchen Archäologen wieder, wie alt der Bergbau hier tatsächlich sein könnte.

Ramsbeck..  Um es vorweg zu nehmen: Der Archäologe Dr. Peter Haupt dämpft die Erwartungen. Zwar dürfte der Bergbau um Ramsbeck viel älter sein als bisher angenommen. Der Venetianerstollen soll aus dem 11. Jahrhundert sein. Nach Schätzungen von Haupt dürften die Anfänge des Bergbaus tatsächlich noch 200 bis 300 Jahre älter sein.

„Dichter Urwald“

Doch reicht es, um römisch zu werden? „Eher nicht“, meint Peter Haupt, Privatdozent am Institut für Altertumswissenschaft an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz. Anders als im Briloner Bereich seien die Erzvorkommen in Ramsbeck schwerer zugänglich und auch schwerer zu verhütten gewesen: „Hier waren steile Flanken und dichter Urwald. Alles war unwegsam.“ Vielleicht kam Ramsbeck danach an die Reihe, als die Briloner Vorkommen erschöpft waren. Auch ein Archäologe darf Fantasie zeigen: „Vermutlich hat irgendwo an einem Bach zunächst etwas geblinkt. Dann hat man erst einmal dort weitergegraben.“

„Prospektieren“ nennen Archäologen das, was sie gerade am Bastenberg in Ramsbeck wissenschaftlich unternehmen: Ohne größere Schürfungen die Landschaft zunächst geologisch auf Auffälligkeiten hin zu untersuchen. Nutzen können Haupt und seine Studenten dabei Laserscans, die die Vermessungsämter von Flugzeugen aus aufgenommen haben. Auf diesen Scans verschwindet der Wald, es werden die Ungleichmäßigkeiten am Erdboden sichtbar. Und davon strotzt der Boden um Ramsbeck nur so. Trichterförmige Pingen durchziehen den Boden, wo offenbar an der Oberfläche gegraben worden war: „Da wissen wir, da ist alter Bergbau gewesen.“ Man pickte Erz heraus, wo es leicht zugänglich war. Vollkommen offen ist, wie die Schürfer früher aktiv waren: Auf eigene Rechnung – oder im Auftrag eines Herren? Für das frühe Mittelalter fehlen dafür schriftliche Quellen.

Es ist spannend, mit dem Archäologen die Gegend abzulaufen. Haupt liest in der Landschaft. Hier am Hang des Bastenbergs, längst bewachsen, erkennt er noch eine alte Weide. An ihrem Rand sind seltsam gewachsene Bäume: Ihre Äste wurden früher verflochten, damit das Vieh nicht weglaufen konnte.

Scherben entdeckt

Daneben meint der Forscher, Anzeichen einer alten Bergschmiede entdeckt zu haben: Der Boden ist schwarz verfärbt, „hier hat irgendjemand etwas mit Feuer gemacht“. Hier haben die Studenten Schlacke gefunden. Offenbar hat ein Schmied die Werkzeuge von Bergleuten repariert. Ringsum sind überall Anzeichen von Gruben. Ein paar Scherben haben die Wissenschaftler entdeckt – vermutlich ist einem frühen Bergmann hier sein Trinkgefäß zerbrochen. Unspektakulär muten andere Funde an: Doch die Holzkohle kann dendrochronologisch untersucht werden – und damit ihr Alter entlockt werden.

Um den Bastenberg haben die Studenten auch viele Metallreste gefunden. Sie stammen aber definitiv nicht aus dem Mittelalter, sondern sind zeitgenössisch: Splitter von Granaten aus dem letzten Kriegsjahr 1945.