Auch nach der Scheidung behalten Eltern ihre Rolle

Scheidungskinder hoffen meist noch lange, dass ihre Eltern wieder zusammenfinden.
Scheidungskinder hoffen meist noch lange, dass ihre Eltern wieder zusammenfinden.
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Was wir bereits wissen
Der Familientherapeut Klaus Fischer von der Erziehungsberatungsstelle erklärt, wie ein Neustart in der Familie nach der Scheidung klappen kann.

Schmallenberg.. Wenn ein Paar sich trennt, dann wollen meistens beide Partner neue Wege gehen – ohne den anderen. Ein so radikaler Schnitt ist in einer Familie nicht möglich, denn Kinder verbinden ihre Eltern ein Leben lang. Im Gespräch mit dieser Zeitung erklärt Familientherapeut Klaus Fischer von der Erziehungsberatungsstelle, wie ein Neustart in der Familie trotzdem klappen kann, ohne dass jemand zurückbleibt.

Frage: Wie unterschiedlich gehen Familien mit Trennungen um?

Klaus Fischer: Ganz ganz unterschiedlich. Es gibt Eltern, die schon entschieden haben, dass sie sich trennen wollen und dann zu uns kommen, um sich dazu beraten zu lassen, wie es für die Kinder am wenigsten schmerzhaft ist. Aber es gibt auch Trennungen mit massiven Streitigkeiten um materielle Dinge aber auch um Umgangsregelungen mit den Kindern, teilweise über Jahre hinweg.

Könnte das am jeweiligen Grund der Trennung liegen?

Auch, aber das Entscheidende sind die Verletzungen aus der Beziehung und ob man damit abschließen kann. In Familien ist das noch einmal schwieriger. Als kinderloses Paar kann man sich trennen und dann auch wirklich getrennte Wege gehen. Eltern behalten ihre Rolle aber ein Leben lang und sind dadurch weiter verbunden. Ideal ist es in so einer Situation, wenn sich die Eltern weiter in die Augen schauen und ihrer Elternrolle gerecht werden können.

Wie sieht das aus Perspektive der Kinder aus?

Die meisten Kinder wollen nicht, dass sich ihre Eltern trennen. In der Regel wollen sie weiter mit beiden Elternteilen zusammenleben wie bisher. Zwar gibt es auch Kinder, die eine Trennung befürworten – dann liegt das aber meistens daran, dass die Streitigkeiten in der Familie für sie noch schwerer zu ertragen sind als ein solcher Schlussstrich.

Das klingt so, als sei es für die Kinder in jedem Fall eine rein negative Erfahrung.

Es ist durchaus möglich, dass Kinder mit einer Trennung gut zurechtkommen. Vor allem, wenn sie wissen, dass sowohl Mama als auch Papa weiterhin für sie da sind. Allerdings kennen wir viele, die sich auch Jahre nach der Trennung noch wünschen, dass ihre Eltern wieder ein Paar werden, auch wenn sie wissen, dass das unrealistisch ist.

Welchen Tipp haben Sie für einen halbwegs glimpflichen Abschied?

Einen wirklichen Neustart kann es nur geben, wenn sich beide Partner innerlich wirklich von der Beziehung verabschiedet haben. Ansonsten stehen auch neue Partnerschaften unter einem schlechten Stern. Als Eltern sollten sich die ehemaligen Partner immer wieder bewusst machen, dass ihre Kinder sie beide brauchen und die Trennung besser verarbeiten können, wenn die Eltern sich mit Respekt begegnen.

Woran merkt man, ob man das geschafft hat?

Überprüfen kann man es daran, wie es sich anfühlt. Also ob man noch Wut und Groll hegt oder eine Art inneren Frieden geschlossen hat. Zu einer Trennung gehören immer negative Gefühle und Verletzungen und diese brauchen gerade in der Anfangsphase ihren Platz. Aber danach ist es wichtig, sich damit auseinanderzusetzen, woran die Beziehung gescheitert ist. Wenn man es schafft, das zu erkennen, kann man daraus lernen und in der nächsten Beziehung nicht die gleichen Fehler machen. So kann ein Neustart gelingen.