Auch den „Wutpunkt“ beobachtet die Polizei

Meschede..  Raser waren an dieser Stelle gestern Fehlanzeige. Nur ein 16-Jähriger war quasi „Beifang“ beim Blitz-Marathon morgens an der Kolpingstraße: Nicht zu schnell, aber mit abgelaufenem Kennzeichen fuhr er auf seinem Mokick direkt an den Polizisten Klaus Rammroth und Uwe Sutter vorbei – „wir sind ja nicht blind“, sagte Rammroth. Das habe er nicht gewusst, dass das Kennzeichen erneuert werden müsste, fiel dem 16-Jährigen nur als Entschuldigung ein. Auf ihn kommt jetzt ein Ermittlungsverfahren wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und Fahrens ohne Versicherungsschutz zu.

„Man sieht euch schon von weitem“, rief ein Beifahrer den Polizisten aus einem Auto heraus zu. Ja, das ist durchaus gewollt beim Blitz-Marathon: Autofahrer sollen über ihr Fahrverhalten nachdenken. „Wir wollen Verhaltensänderungen, die über den Tag hinausgehen“, sagt Polizei-Sprecher Ludger Rath. Neun Verkehrstote im Hochsauerlandkreis in 2014, bei denen zu hohe Geschwindigkeit die Unfallursache war, sind der traurige Beleg dafür, dass an dieser Verhaltensänderung ständig gearbeitet werden muss.

Auf der Kolpingstraße wurde gestern während der eineinhalb Stunden beim Blitz-Marathon ganz zivilisiert gefahren. Diese Kontrollstelle hatte die Polizei als „Wutpunkt“ mit in ihre Liste für den Marathon aufgenommen. Ein Anwohner hatte die Polizei darum gebeten – namentlich genannt werden möchte er nicht, er wolle „nicht als Buhmann gelten“, sagt er im Gespräch. Vom Blitz-Marathon selbst erhofft er sich nicht viel: „Heute halten sich alle Leute an die Geschwindigkeit, morgen ist dann wieder alles vergessen.“

Verkehr hat deutlich zugenommen

Der Mann erwartet stattdessen dauerhaftere Kontrollen. Geblitzt wurde gestern im Bereich der Dominante, der „Wutbürger“ aber klagt insbesondere über tägliche Geschwindigkeitsübertretungen im weiteren Verlauf der Kolpingstraße im Bereich des Bahnübergangs: „Gerast wurde hier immer schon. Aber inzwischen ist das so häufig geworden.“ Natürlich würden auch viele Autofahrer vorsichtig unterwegs sein, aber es gebe eben auch „die Leute, die fast auf zwei Rädern über den Bahnübergang fahren“. Durch die baustellenbedingte Sperrung der Hünenburgstraße habe sich der Verkehr in die Kolpingstraße verlagert, auch das Bernhard-Salzmann-Haus kann nur über die Kolping­straße angefahren werden: „Der Autoverkehr ist hier so viel stärker geworden.“

Weitere Verkehrskontrollen an der Kolpingstraße, unabhängig vom Blitz-Marathon, sagte die Polizei auch zu – unregelmäßig und zu unterschiedlichen Uhrzeiten: „Das soll ja nicht berechenbar sein“, so Ludger Rath.