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Asyl für ausrangierte Kirchenbänke aus Wenholthausen

08.02.2012 | 17:29 Uhr

Wenholthausen.Zwei Bänke aus der Evangelischen Kirche in Wenholthausen finden ihren Weg zu Annette Kurschus nach Bielefeld, die ab März Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, also Chefin der Landeskirche sein wird.

Diese beiden Bänke werden damit den eindeutig weitesten Weg haben: Eine soll vermutlich in der Küche des Präses-Hauses an der Kantstraße ihren Platz finden, die andere im Musikzimmer. So malt sich das Annette Kurschus aus: „Ich liebe Kirchenbänke, weil sie mehr sind als einfache Möbelstücke oder Sitzgelegenheiten. Kirchenbänke erzählen Geschichten: Die Geschichten der Menschen, die in unzähligen Gottesdiensten auf ihnen gesessen und gesungen, gebetet, zugehört, geseufzt, gelacht, gehofft haben. Das macht sie besonders liebenswert und kostbar.“

„Kirchengebäude, Liturgische Geräte, Kirchenbänke sind dafür geschaffen, gebraucht zu werden. Ihre Bestimmung ist die Benutzung.“ Das sagt Jürgen Rademacher, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Dorlar. Wenn die bisherige Nutzung nicht mehr gegeben sei, dann laute die Aufgabe eben, eine neue Nutzung zu finden, um die nicht mehr benötigten Dinge nicht wegschließen oder verschrotten zu müssen. Nach den Entwidmungen der beiden evangelischen Kirchen in Reiste und Wenholthausen müssen er und das Presbyterium sich nun mit eben solchen Dingen beschäftigen.

Und diese laufen unterschiedlich schnell ab. Während die Gemeinde bei der Reister Kirche noch der Dinge harrt, die da kommen, war das Kirchengebäude in Wenholthausen schon vor der Entwidmung verkauft. Dadurch musste sich die Dorlarer Kirchengemeinde, die mittlerweile ihre Arbeit in Eslohe zentralisiert hat, überlegen, was sie mit den unterschiedlichen Gegenständen machen könnte. Jürgen Rademacher zählt auf: „Ein vollständiges Abendmahlsgerät geht in das Diakonissenhaus nach Scherfede, eine Taufschale wahrscheinlich nach Netphen und eine weitere Taufschale möglicherweise zur Kirchengemeinde Gleidorf.“ Bestimmt wäre diese dann für die Kapelle im katholischen Seniorenzentrum St. Raphael, der neuen Gottesdienststätte der evangelischen Christen in Bad Fredeburg. Und obwohl sie mit einer Länge von 2,10 Metern deutlich sperriger sind als Taufschalen oder Abendmahlgeräte, gingen auch die Kirchenbänke aus Wenholthausen weg wie warme Semmeln.

Das Ehepaar Carina und Stephan Schrade als neue Besitzer der Kirche wollten gern welche fürs Gebäude behalten, ein Nachbar ebenso, genau wie Thomas Soth als örtlicher Presbyter. In Hessen, genauer gesagt in Hatzfeld, steht eine weitere Wenholthauser Bank, nämlich bei Christiane Petri von der Superintendentur des Wittgensteiner Kirchenkreises. Auch sie wollte nicht, dass die Bänke als Brennholz enden: „Eine Wenholthauser Kirchenbank wird demnächst in unserem Flur stehen, weil ich mit ihrem Charme meiner Wohnung dass Flair von ‚zur Ruhe kommen’ geben und vielleicht auch den ein oder anderen Besucher zu einem Plausch über ‚Gott und die Welt’ einladen möchte.“

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