Arm im Alter

Ebbe in der Geldbörse: Viele Senioren beziehen nur die Grundsicherung.
Ebbe in der Geldbörse: Viele Senioren beziehen nur die Grundsicherung.
Foto: Archiv
Was wir bereits wissen
Altersarmut wird zunehmend zu einem Problem – auch im Hochsauerlandkreis. Auch der Sozialverband VdK warnt die künftigen Generationen.

Meschede..  Nach Einschätzung des Sozialverbandes VdK gibt es auch im ländlichen Raum bereits vereinzelt Rentner, die im Müll nach Pfandflaschen suchen. Die Zahl der Menschen, die eine zusätzliche Grundsicherung im Alter benötigen, wächst.

In Meschede bezogen Ende Dezember 2014 schon 249 Rentner Grundsicherung. „Die Zahl steigt kontinuierlich“, sagt Ulrich Schürmann, Fachbereichsleiter Soziales. Bernhard Rentmeister, Geschäftsführer des Sozialverbands VdK im Hochsauerlandkreis, ist um die zukünftigen Rentner besorgt: „Die Zahl der Bedürftigen steigt immer weiter, weil die Rente immer weniger wird.“

Bis 2030 soll das Rentenniveau auf 43 Prozent herabgesenkt werden. Die Durchschnittsrente wird dann 2030 bei etwa 860 Euro liegen - und das nach zum Teil 45 Versicherungsjahren. „Für viele wird das eine große Umstellung bedeuten“, schätzt Rentmeister die Situation ein. Und viele der heutigen Arbeitnehmer werden seiner Einschätzung nach deutlich weniger Rente bekommen. „Im HSK befinden sich heute etwa 20 Prozent der Vollzeitbeschäftigten unterhalb der Niedriglohnschwelle. Diese zukünftigen Rentner müssen auf jeden Fall Grundsicherung beantragen und wahrscheinlich noch einem Minijob nachgehen“, erklärt Rentmeister.

Zusätzlich ein Minijob

Schon heute gibt es zahlreiche Rentner, die sich mit einem Minijob das nötige Geld zu ihrer Rente und ihrer Grundsicherung hinzuverdienen. Doch es wird noch ein weiteres Problem mit der Grundsicherung geben. „Der Wohnungsbedarf ändert sich. Es gibt immer mehr Alleinstehende und denen stehen nur 45 bis 55 Quadratmeter zu. Plus jede weitere Person sind noch einmal 15 Quadratmeter zulässig. Es gibt nicht viele Wohnungen in dieser Größenordnung. Außerdem bedeutet dies, dass wenn ein Partner verstirbt, der Hinterbliebene die Wohnung räumen muss oder die Bezüge werden gekürzt“, erläutert Rentmeister die Regelungen der Sozialbehörden.

„Renten sind nicht mehr sicher“

Bei einem Großteil der 30- bis 50-Jährigen Arbeitnehmer sei die Rentenproblematik noch nicht angekommen, glaubt er. „Wir alle müssen irgendwie privat vorsorgen, auch wenn das bei dem heutigen Zinsniveau äußerst schwierig ist. Leider ist das in vielen Köpfen noch nicht angekommen. Nur weil man heute halbwegs gut verdient, darf man nicht blauäugig in die Zukunft gehen. Bei dem sinkenden Rentenniveau und den steigenden Lebenshaltungskosten bleibt hinter nicht mehr viel übrig. Die Renten sind nicht mehr sicher“, warnt Rentmeister.