„Arbeit und Freizeit vereinbaren“

Vor allem allem in den Gesundheits- und Pflegeberufen werden Azubis gesucht.
Vor allem allem in den Gesundheits- und Pflegeberufen werden Azubis gesucht.
Foto: KKLE
Was wir bereits wissen
Viele Azubis haben genaue Zukunfts-Vorstellungen. Ihre Chancen stehen gut.

Meschede..  Es sieht gut aus für alle, die eine Ausbildungsstelle suchen: Selbst denen, die sich immer noch nicht entschieden haben, kann Michaela Berkenkopf Mut machen. Die Teamleiterin Ausbildung bei der Arbeitsagentur Meschede sagt: Der Ausbildungsmarkt beginnt sich zugunsten der Jugendlichen zu drehen.

Wer jetzt nach dem Abschluss oder dem Freiwilligen Sozialen Jahr ohne Plan dasteht, hat der noch Chancen auf eine Ausbildungsstelle?

Michaela Berkenkopf: Ja, auf jeden Fall. Im Juni standen im Hochsauerlandkreis noch 564 unbesetzte Ausbildungsstellen zur Verfügung, 44 mehr als im Vorjahr. Demgegenüber suchen noch 720 unversorgte Bewerber, das sind 132 weniger als im Vorjahr. Der Ausbildungsmarkt beginnt also sich zu drehen. In Schmallenberg und Olsberg beispielsweise haben wir schon jetzt mehr Stellen als Bewerber. In Schmallenberg stehen 33 unversorgte Bewerber 76 freien Stellen gegenüber. Im Bezirk Meschede, also in Meschede, Eslohe und Bestwig, gibt es noch 141 Bewerber auf 87 Stellen. Freie Ausbildungsstellen gibt es in der Gastronomie, aber auch in Berufen, die nicht so bekannt sind wie Industriemechaniker, Verfahrensmechaniker – Kunststoff- und Kautschuktechnik, Feinwerkmechaniker oder im Bereich Lager, Einzelhandel und Friseure.

Welche Jugendlichen machen Ihnen konkret Sorgen?

Diejenigen, die sich jetzt noch nicht entschieden haben, wie es für sie ab September weitergehen soll und vor allem um die, die noch nicht bei uns waren.

Wir nähern uns der Vollbeschäftigung, kann man als junger Mensch da die Arbeitsplatzsuche nicht ganz entspannt angehen?

Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt ist für die jungen Leute tatsächlich entspannter, als sie noch vor einigen Jahren war. Trotzdem ist der Ausbildungsmarkt nicht ausgeglichen. So gibt es beispielsweise bei den kaufmännischen Ausbildungsberufen einen Bewerberüberhang.

Wie erleben Sie die jungen Leute in den Beratungsgesprächen?

Sehr unterschiedlich. Einige haben klare Vorstellungen und sind gut informiert und erhalten Rückhalt von den Eltern, was wir als positiv wahrnehmen. Anderer kommen mit der Menge an Informationen nicht klar. Es fällt ihnen schwer, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen und ihrem Anliegen eine Struktur zu geben. Diese jungen Menschen benötigen Unterstützung und Begleitung von Lehrern, Berufsberatung, Eltern.

Insgesamt gesehen machen sich die Jugendlichen schon Gedanken, über ihre berufliche Zukunft, über Verdienst und Fortkommen. Daneben aber spielt „Work-Life-Balance“ hier eine immer größere Rolle. Der junge Mensch von heute möchte sein berufliches Fortkommen zukünftig mit Freizeit und Familie vereinbaren können.

Was ist, wenn der Traumberuf nur schwer zu realisieren ist?

Wir versuchen dann im Gespräch Alternativen zu erarbeiten. Schön wäre es aber auch, wenn die Jugendlichen manchmal etwas flexibler wären. Der Sauerländer verlässt nicht gern seine Heimatregion.

Fachkräftemangel heißt ein großes Schlagwort. Sind Arbeitgeber bereit, gegenzusteuern und auch schwächere Schüler einzustellen und zu fördern?

Gerade im Handwerk und in kleineren inhabergeführten Unternehmen ist die Bereitschaft vorhanden auch schwächere Schüler einzustellen und sich zu kümmern. Man macht gerade hier die Erfahrung, dass die Motivation schwächerer Bewerber durchaus hoch ist und diese nach Bestehen der Prüfungen den Firmen als zuverlässige Fachkräfte erhalten bleiben. Wir erleben es aber auch, dass Ausbildungsstellen zurückgezogen werden, weil die gewünschten Anforderungen des Arbeitgebers an den Bewerber nicht erfüllt werden konnten.