„Arbeit an der Nähmaschine hat mir gefehlt“

Kinderkleidung näht Kim Hesse am liebsten – neuerdings unter ihrem eigenen Label „Kimlinge“.
Kinderkleidung näht Kim Hesse am liebsten – neuerdings unter ihrem eigenen Label „Kimlinge“.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Mit ihrer Mutter führt die 23-jährige Schmallenbergerin Kim Hesse den Laden „Nadel und Faden“ – seit einiger Zeit wieder ohne Café.

Schmallenberg..  Gemeinsam mit ihrer Mutter betreibt Kim Hesse das Geschäft „Nadel und Faden“ – neben Maßschneiderei und Handarbeits-Artikeln bieten sie auch Nähkurse an. Im Stadtgespräch erklärt die 23-Jährige, wie sie zu ihrer ersten eigenen Mode-Linie gekommen ist und warum es das Café neben dem Laden nicht mehr gibt.

Das Atelier-Café hat nach rund einem Jahr wieder geschlossen – warum?

Kim Hesse: Es wurde einfach zu viel Arbeit und es war schwierig, zusätzliches Personal zu finden. Außerdem muss ich wirklich sagen, dass mir die Arbeit an der Nähmaschine gefehlt hat.

Woher kommt das Talent zum Nähen?

Beruflich gelernt habe ich es nicht, aber ich hatte schon mit sechs Jahren meine erste Nähmaschine und war oft bei meiner Mutter im Laden. Ich habe auch schon früh eigene Kleidung genäht, ich glaube in der Grundschule sah ich schon mal schlimm aus. (lacht) Aber zum Glück hatte meine beste Freundin das gleiche Hobby.

Wann haben Sie sich dazu entschlossen, in den Betrieb ihrer Mutter einzusteigen?

Das fiel zusammen mit der Entscheidung, das zweite Ladenlokal dazu zu nehmen und das Café zu eröffnen. Aber ich hatte es auch nie ausgeschlossen, hier einzusteigen – ich wollte nur nie zu Hause lernen. Dann hätte es bestimmt so manchen Stunk gegeben.

Und jetzt?

Gibt es das auch manchmal, aber bis jetzt haben wir uns immer schnell wieder vertragen.

Wie sieht die Aufgabenteilung aus?

Eigentlich war es so gedacht, dass ich Ware aussuche, die dann eher die jüngere Kundschaft ansprechen, aber komischerweise ist es genau andersherum. Die Jüngeren schließen sich eher der Auswahl meiner Mutter an. Allerdings nähe ich selbst am liebsten Kinderkleidung, deshalb haben wir seit Neuestem eine eigene Kinderlinie. Weil hauptsächlich ich dafür zuständig bin, läuft sie unter dem Namen „Kimlinge“.

Gibt es die Sorge, dass die Nachfrage nach Handarbeits-Artikeln und maßgeschneiderter Kleidung bald nachlassen könnte?

Nein, eigentlich nicht. Momentan gibt es diesen Boom, dass viele wieder selbst nähen, stricken und häkeln wollen. Vor allem junge Mütter kommen gerne zu unseren Nähkursen. Außerdem hat unsere Maßschneiderei einen relativ großen Einzugsbereich – es kommen sogar Kunden aus dem Ruhrgebiet und dem Rheinland.

Was sind die weiteren Pläne für den Laden?

Als Nächstes wollen wir unseren Online-Shop ausbauen, aber dazu braucht es viel Organisation. Man muss den Computer dann ständig im Blick haben können, um eingehende Bestellungen sofort zu bearbeiten.

Gab es nie den Drang, mal rauszukommen aus dem Sauerland?

Ich war nach meiner Ausbildung zur Hotelfachfrau im Hotel Deimann kurz in Österreich und hatte überlegt, dort zu bleiben. Aber die Arbeitsbedingungen in den Hotels dort waren einfach zu heftig – 14 bis 16 Stunden Arbeit am Tag waren die Regel. Außerdem bin ich auch kein Stadtkind – ich freue mich immer, wenn ich wieder zurück bin.

Was mögen Sie an Ihrer Heimat am liebsten?

Es ist vor allem die Ruhe und die Weite. Ich war schon immer gerne draußen und ich brauche es einfach, mir nach Feierabend die Inliner anziehen und eine Runde drehen zu können.

Und wohin geht es, wenn das Fernweh dann doch mal ruft?

Die nächste Reise nach Australien ist schon geplant.